BERLIN, 21. November. Angesichts des Untergangs der "Prestige" vor der iberischen Atlantikküste haben Umweltschützer schärfere Haftungsregeln in der Seeschifffahrt gefordert. Es müsse ernsthaft überlegt werden, ob bei Havarien von Öltankern künftig nicht der Ladungseigner in Haftung genommen wird, sagte der Schifffahrtsexperte der Umweltschutzorganisation Greenpeace, Christian Bussau, der Berliner Zeitung. Auf diese Weise ließe sich der Druck auf die Eigner erhöhen, nur noch sichere Schiffe für den Gütertransport zu mieten.Im Fall der "Prestige" gehöre das geladene Schweröl der Schweizerischen Großhandelsfirma Crown Ressources in Genf, sagte Bussau. Bisher würden Händler und Ölkonzerne oft billigere Reedereien mit veralteten Schiffen mit dem Öltransport beauftragen, um so ihre eigenen Gewinnspannen zu erhöhen.Neben einer Haftung der Ladungseigner könne eine Flaggenhaftung nötig sein, sagte Bussau weiter. Dabei müssten die Herkunftsstaaten der Schiffe für Umweltschäden aufkommen. Auf diese Weise ließen sich die Staaten zwingen, höhere Sicherheitsstandards durchzusetzen. "Billig flaggen heißt nichts Anderes, als vor strengen Sicherheitsbestimmungen zu fliehen", so der Experte.Nach Ansicht der Umweltstiftung World Wildlife Fund for Nature (WWF) muss bei Tankerunglücken künftig rigoros das Verursacherprinzip angewendet werden. Bisher zahlten die Versicherungen der Schiffe in der Regel nur einen Bruchteil der anfallenden Kosten, sagte WWF-Meeresexperte Ulrich Rösner. "Es kann nicht sein, dass sich Reeder und Ölgesellschaften eine goldene Nase verdienen und die Allgemeinheit immer wieder den größten Teil der Kosten für die Beseitigung von Umweltschäden tragen muss. " Ein Sprecher der Mineralölgesellschaft Exxon Mobil erklärte auf Anfrage der Berliner Zeitung, die "Prestige" sei dem Konzern als völlig veralteter Tanker bekannt gewesen. "Wir haben das Schiff in den 90er-Jahren zweimal gesehen und gar nicht erst in unser Screening aufgenommen", so der Sprecher. Die "Prestige" habe nicht den Sicherheitsanforderungen des Konzerns entsprochen.QUELLE: LLOYDS; GRAFIK: BLZ/ANJA KÜHL Tankschiffsflotten (Welt, Deutschland)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]