Ukraine-Krieg

27 Tote nahe Kiew: Ermittlungen nach Angriff auf Logistikzentrum

Nach dem Angriff brach ein Großbrand aus. Ermittler prüfen nun, ob auf dem Gelände explosive Stoffe illegal gelagert wurden.

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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

© Michael Kappeler/dpa

Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Logistikzentrum nahe der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach Behördenangaben mindestens 27 Menschen getötet worden. Die Opferzahl könne noch steigen, sagte der Leiter der Kiewer Militärverwaltung, Tymur Tkatschenko, am Samstag laut der Nachrichtenagentur AFP.

Der Angriff ereignete sich am Freitagabend im Dorf Myla im Bezirk Butscha. Nach Angaben Tkatschenkos brach auf dem Gelände ein Feuer aus, anschließend kam es zu mehreren Explosionen. Zunächst hatten ukrainische Behörden lediglich von mehreren Toten und sechs Verletzten berichtet.

Staatsanwaltschaft prüft illegale Lagerung

Die ukrainische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein. Geprüft werde, ob auf dem Gelände unerlaubt explosives Material gelagert worden sei und ob das Unternehmen über alle notwendigen Genehmigungen verfügt habe, berichtete AFP unter Berufung auf die Behörden.

Die wiederholten Detonationen waren nach Angaben des Kyiv Independent noch über längere Zeit zu hören. Ein Abschnitt der Autobahn M-06 zwischen Kiew und Tschop, einer wichtigen Verbindung in den Westen des Landes, musste zeitweise gesperrt werden.

Mehr als 200 Drohnen abgefangen

Der Angriff erfolgte während einer weiteren großen russischen Angriffswelle. Die ukrainische Luftwaffe meldete nach Angaben des Kyiv Independent, in der Nacht zum Samstag 233 russische Drohnen abgeschossen oder elektronisch gestört zu haben. Die Angaben ließen sich nicht unabhängig überprüfen.

In Kiew und zahlreichen weiteren Regionen dauerten die Luftalarme am Samstag dem Bericht zufolge bereits den dritten Tag in Folge nahezu ohne Unterbrechung an. Herabfallende Drohnenteile lösten nach Angaben der örtlichen Behörden Brände in einem Lagerhaus und einer Wohnung aus. Verletzte wurden dort nicht gemeldet.

Russland setzt nach Darstellung des Kyiv Independent zunehmend schnelle, strahlgetriebene Drohnen ein. Viele der üblichen ukrainischen Abfangdrohnen könnten diese Fluggeräte wegen ihrer höheren Geschwindigkeit nicht erreichen.

Lagerhäuser zunehmend im Visier

Russische Angriffe richten sich in den vergangenen Wochen verstärkt gegen wirtschaftliche Infrastruktur in der Ukraine. Neben Lagerhallen wurden Einkaufszentren, Posteinrichtungen, Häfen und Produktionsstätten getroffen.

Landwirtschaftsminister Taras Wysozkyj erklärte am Freitag laut Kyiv Independent, Russland habe bereits 90 Prozent der modernen ukrainischen Lagerkapazitäten zerstört.

Ukraine greift erneut in Russland an

Auch die Ukraine weitete ihre Angriffe auf Ziele in Russland aus. In der Nacht zum Samstag wurden nach Angaben russischer Behörden und Unternehmen mehrere Lagerhäuser im südrussischen Gebiet Rostow von Drohnen getroffen. Sieben Menschen seien verletzt worden, erklärte Gouverneur Juri Sljussar. 

Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor angekündigt, die Zahl ukrainischer Langstreckendrohnen stark zu erhöhen. Ziel seien künftig bis zu 1000 Drohnen pro Tag gegen Ziele in Russland, sagte er in einer Videobotschaft. Derzeit liege der Durchschnitt bei mehr als 300.

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