MOSKAU, 28. März. Ein Jahr nach seiner Wahl zum Präsidenten hat Wladimir Putin am Mittwoch die Schlüsselpositionen in Militär, Polizei und Sicherheitsdiensten umbesetzt. Er ernannte neue Minister für Verteidigung und für Inneres und tauschte auch den Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates aus. Es war die erste umfassende Kabinettsumbildung in Putins Amtszeit. Die Personalentscheidungen seien "logisch, durchdacht und ein Schritt zur Demilitarisierung der Gesellschaft", sagte Putin, der die Umbesetzungen vor laufenden Kameras ausführlich erläuterte. Damit zeigte Putin einen anderen Stil als sein Vorgänger Boris Jelzin, der in kurzen Abständen Köpfe rollen ließ - häufig ohne seine Entscheidungen zu begründen. Der bisherige Verteidigungsminister Igor Sergejew musste seinen Platz für Sergej Iwanow räumen, der bisher als Sekretär des Nationalen Sicherheitsrates ein so einflussreiches Amt bekleidete, dass er in Moskau de facto als Vizepräsident galt. Sergejew, der am 1. April die Pensionsgrenze erreicht, wird dem Kreml dennoch als Militärberater erhalten bleiben und für Verhandlungen über strategische Sicherheit verantwortlich sein.Sergej Iwanow hatte zuvor die Kommission geleitet, die die Grundkonzeption für die Militärreform erarbeiten sollte. Nun sei es logisch, dass er selbst diese Konzepte umsetze, sagte Putin. Außerdem sei die Entscheidung, erstmals in der russischen Geschichte einen Zivilisten zum Verteidigungsminister zu ernennen, ein Schritt zur Demilitarisierung der Gesellschaft. Allzu deutlich fällt diese Demilitarisierung allerdings nicht aus, denn Iwanow trug noch bis vor einem halben Jahr die Uniform eines Generalleutnants des Geheimdienstes. Als Zivilistin an der Seite des neuen Verteidigungsministers kann jedoch seine neue Stellvertreterin gelten. Mit Ljubow Kudelina rückt erstmals eine Frau in eine militärische Spitzenposition. Kudelina war zuletzt Vize-Finanzministerin, sie soll nun die Finanzierung der Militärreform sicherstellen.Das frei gewordene Amt des Sekretärs des Nationalen Sicherheitsrates vertraute Putin dem bisherigen Innenminister Wladimir Ruschailo an. Auch dies sei "eine durchdachte Entscheidung", betonte Putin. Sie habe mit der veränderten Situation im Nordkaukasus zu tun. Er gehe davon aus, dass der Sicherheitsrat, der eine zentrale Bedeutung im russischen Staatsgefüge spielt, sich verstärkt dieser Region zuwenden werde, sagte Putin. An die Stelle Ruschailos rückt mit Boris Gryslow ein weiterer enger Vertrauter des Präsidenten aus St. Petersburg. Er war bislang Vorsitzender der Regierungsfraktion "Einheit" (Jedinstwo) in der Duma und soll als Innenminister nun den Kampf gegen Korruption, Geldwäsche und Kapitalflucht zu seiner Hauptaufgabe machen.Ex-Geheimdienstler // Sergej Iwanow hat über Jahrzehnte im Moskauer Geheimdienst gearbeitet. Zunächst arbeitet er mit geringem Erfolg in der Auslandsaufklärung in London, später wurde er an eine unbedeutende Sowjet-Botschaft in Afrika versetzt.Nach Leningrad zurückgekehrt arbeitete er in der KGB-Abteilung für innere Sicherheit. Putin holte ihn, nachdem er selbst zum Chef des Ge-heimdienstes FSB aufgestiegen war, als seinen Vize nach Moskau.Informationen im Internet: www. gov. ru
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