Russland

„Russisches Google“: Drohnenangriff legt drittes Yandex-Rechenzentrum lahm – Folgen für Nutzer

Erneut ist ein Rechenzentrum von „Russlands Google“ ausgefallen. Nutzer melden Probleme beim Taxibestellen und mit anderen Diensten.

3 Min
Das Yandex-Logo aufgenommen an der Zentrale des Unternehmens in Moskau, Russland.

Das Yandex-Logo aufgenommen an der Zentrale des Unternehmens in Moskau, Russland.

© Maxim Shipenkov/epa/dpa

Ein Drohnenangriff hat ein weiteres Rechenzentrum des russischen Technologiekonzerns Yandex lahmgelegt. Wie das Unternehmen am Sonntag im Kanal Yandex Cloud Alerts mitteilte, wurde die Infrastruktur am Standort Wladimir östlich von Moskau beschädigt und der Betrieb vollständig eingestellt. Verletzt wurde nach Unternehmensangaben niemand. Es ist der dritte Angriff auf ein Yandex-Rechenzentrum innerhalb weniger Tage.

Die verbliebenen Ressourcen seien instabil, warnte das Unternehmen. Die Cloud-Plattform arbeite im Notbetrieb. Kunden sollten alternative Pläne zur Wiederherstellung ihrer Systeme aktivieren. Auch die Erreichbarkeit des technischen Supports könne beeinträchtigt sein. Spezialisten prüften den Schaden und Möglichkeiten, den Betrieb wieder aufzunehmen.

Probleme beim Bestellen von Taxis

Ein Teil der Yandex-Dienste sei für Nutzer nicht verfügbar, bestätigte die Pressestelle gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax. Welche Angebote wie lange ausfallen würden, blieb zunächst offen.

Nach einem Bericht des Kyiv Independent meldeten Nutzer in Russland Probleme beim Bestellen von Taxis über Yandex Go. Ähnliche Beschwerden gab es demnach in Serbien, Kasachstan, Belarus und Armenien. Die Zeitung berief sich dabei auf das unabhängige russische Medium Ostorozhno Novosti. Auch die App für Fahrer und Kuriere sowie Smart-Home-Angebote sollen betroffen gewesen sein.

Der Kyiv Independent konnte das Ausmaß der Störungen und die Schäden am Standort nicht unabhängig überprüfen. Das gilt auch für verbreitete Bilder, die einen Brand nahe der Anlage zeigen sollen.

Yandex zählt zu Russlands wichtigsten Technologieunternehmen. Neben der führenden Suchmaschine des Landes betreibt der Konzern unter anderem Taxi-, Liefer- und Unterhaltungsdienste. Seine Rechenzentren stellen auch Unternehmen Rechenleistung und Speicher bereit.

Zwei weitere Standorte bereits beschädigt

Bereits in der Nacht vom 7. auf den 8. Oktober wurde das Rechenzentrum in Sassowo in der Region Rjasan schwer beschädigt und vollständig abgeschaltet. Am 9. Oktober traf ein weiterer Angriff den Standort Kaluga. Dort fiel ein Teil der Infrastruktur aus. An beiden Standorten wurde nach einer Unternehmenserklärung von Yandex niemand verletzt. Einen Zeitpunkt für die Wiederherstellung konnte der Konzern zunächst nicht nennen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte am 8. Oktober laut Kyiv Independent, die Ukraine reagiere auf russische Angriffe auf ihre Rechenzentren. „Wir antworten immer auf die gleiche Weise“, sagte er vor Journalisten. Eine ausdrückliche Bestätigung der ukrainischen Verantwortung für den jüngsten Angriff in Wladimir enthält der Bericht nicht.

Yandex erklärte, seine Beschäftigten arbeiteten rund um die Uhr an der Wiederherstellung der Dienste. Am Samstag nahm das Unternehmen laut Kyiv Independent zudem Drohnen- und Raketenangriffe in seine Nutzungsbedingungen als Fälle höherer Gewalt auf, die es von vertraglichen Verpflichtungen entbinden könnten.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner