Bei einem russischen Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in der ukrainischen Großstadt Krywyj Rih sind mindestens 14 Menschen getötet worden. 121 weitere Menschen wurden verletzt, unter ihnen 22 Kinder. Das berichteten die Nachrichtenagenturen Reuters und AP unter Berufung auf ukrainische Behörden.
Nach Angaben des Gouverneurs der Region Dnipropetrowsk, Oleksandr Hanscha, befanden sich 29 Verletzte in ernstem Zustand. Unter ihnen seien fünf Kinder. Die Rettungsarbeiten dauerten am Abend an.
Krywyj Rih ist die Heimatstadt des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Das Einkaufszentrum wurde am Freitagnachmittag von zwei russischen Drohnen getroffen. Nach dem ersten Einschlag brach ein Feuer aus. Rund 30 Minuten später schlug eine zweite Drohne ein, als Rettungskräfte bereits am Ort arbeiteten.
Selenskyj: Zweiter Angriff galt den Rettungskräften
Selenskyj bezeichnete den Angriff auf Telegram als „absolut zynisch und verabscheuungswürdig“. Die zweite Drohne habe gezielt die bereits eingetroffenen Rettungskräfte treffen sollen, schrieb der Präsident. Diese Darstellung ließ sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.
„Solche Angriffe sind nichts anderes als Terrorakte“, schrieb Selenskyj weiter. Die internationale Gemeinschaft müsse mit wirklichem Druck auf Russland reagieren und Moskau zur Verantwortung ziehen.
Der Leiter des Verteidigungsrates von Krywyj Rih, Oleksandr Wilkul, erklärte nach Angaben der Ukrainska Pravda, bei dem zweiten Fluggerät habe es sich um eine strahlgetriebene Drohne vom Typ Shahed gehandelt. Sie sei in äußerst geringer Höhe auf das Einkaufszentrum zugeflogen.
Ermittlungen wegen Kriegsverbrechens eingeleitet
Die ukrainische Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen wegen des Verdachts auf ein Kriegsverbrechen ein. Polizeibeamte, Sprengstoffexperten und medizinische Einsatzkräfte arbeiteten am Tatort. Nach Angaben der regionalen Behörden wurden zudem noch Menschen vermisst beziehungsweise konnten von ihren Angehörigen nicht erreicht werden.
Der ukrainische Menschenrechtsbeauftragte Dmytro Lubinez warf Russland vor, das belebte Einkaufszentrum bewusst als Ziel ausgewählt zu haben. Auch diese Darstellung konnte zunächst nicht unabhängig überprüft werden. Eine unmittelbare Reaktion der russischen Regierung auf die Vorwürfe lag zunächst nicht vor.
Der Angriff erfolgte einen Tag nach einem schweren russischen Raketenangriff auf Kiew. Dabei kamen nach Angaben ukrainischer Behörden mindestens 17 Menschen ums Leben. Krywyj Rih war bereits im April 2025 Ziel eines besonders folgenschweren Angriffs geworden. Damals starben 20 Menschen, darunter neun Kinder.
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