Russlands größte Exportunternehmen haben ihre Devisenverkäufe im September auf ein neues Mehrjahrestief gesenkt. Die von der russischen Zentralbank beobachtete Gruppe verkaufte netto Fremdwährungen im Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar. Im August waren es 2,4 Milliarden US-Dollar, im Juli 2,2 Milliarden gewesen, wie Interfax am Freitag unter Berufung auf Daten der Bank von Russland berichtete.
Im gesamten dritten Quartal kamen die Großexporteure damit nur noch auf 6,7 Milliarden US-Dollar. Zum Vergleich: Allein im Juni hatten sie 7,6 Milliarden US-Dollar verkauft.
Die Zahlen wirken zunächst wie ein deutlicher Rückgang des Angebots an Fremdwährungen in Russland. Der aktuelle Bericht der Zentralbank zeigt jedoch, dass die Entwicklung komplizierter ist. Denn während die traditionell beobachteten Großexporteure weniger verkauften, brachten russische Unternehmen insgesamt erheblich mehr Fremdwährung auf den Markt.
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Insgesamt steigen die Devisenverkäufe um 26 Prozent
Russische Unternehmen außerhalb des Finanzsektors tauschten im September netto Fremdwährungen im Wert von 23,7 Milliarden US-Dollar in Rubel. Das waren 26,1 Prozent mehr als im August und zugleich deutlich mehr als der Monatsdurchschnitt der vorangegangenen zwölf Monate von 19,7 Milliarden US-Dollar. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Finanzmarktrisiko-Bericht der Bank von Russland hervor.
Die Zentralbank weist deshalb darauf hin, dass die Verkäufe ihrer Gruppe besonders großer Exporteure inzwischen weniger aussagekräftig für den gesamten Markt sind. Deren Anteil am russischen Devisenhandel habe sich verringert, während andere Unternehmen an Bedeutung gewonnen hätten. Für kurzfristige Einschätzungen schaut die Zentralbank deshalb inzwischen stärker auf die gesamten Devisenverkäufe russischer Unternehmen.
Hintergrund: Russische Unternehmen erhalten einen Teil ihrer Exporterlöse in ausländischen Währungen. Benötigen sie Rubel etwa für Löhne, Steuern oder andere Kosten im Inland, verkaufen sie Fremdwährung und kaufen dafür Rubel. Solche Verkäufe erhöhen das Angebot an Fremdwährung auf dem russischen Markt.
Was die Zahlen für den Rubel bedeuten
Die Entwicklung ist deshalb auch für den Rubelkurs relevant. Ein höheres Angebot an Fremdwährung kann den Rubel stützen, während ein geringeres Angebot bei ansonsten gleichen Bedingungen in die entgegengesetzte Richtung wirkt. Der tatsächliche Wechselkurs hängt jedoch von zahlreichen weiteren Faktoren ab, darunter die Nachfrage russischer Unternehmen und Privathaushalte nach Fremdwährung.
Im September kauften russische Unternehmen zugleich deutlich mehr Fremdwährung als im Vormonat. Ihre Nettokäufe erhöhten sich nach Angaben der Zentralbank um 37,7 Prozent auf umgerechnet 1,5 Billionen Rubel (rund 15,6 Milliarden Euro). Gleichzeitig legte der gesamte Handel am russischen Devisen-Kassamarkt von 16,6 Billionen Rubel (rund 172,8 Milliarden Euro) im August auf 19,7 Billionen Rubel (rund 205,1 Milliarden Euro) zu. Das war der höchste Monatswert seit Mai 2024.
Der Rubel selbst schwächte sich trotz des Rückgangs bei den Großexporteuren im September nicht ab. Nach Berechnung der Zentralbank wertete die russische Währung gegenüber dem US-Dollar im Monatsverlauf um 1,4 Prozent auf. Ende September kostete ein Dollar 84,43 Rubel. Gegenüber dem chinesischen Yuan gewann der Rubel 1,2 Prozent.
Damit liefern die 2,1 Milliarden US-Dollar der großen Exporteure für sich genommen keinen Hinweis auf einen akuten Devisenmangel oder eine unmittelbar bevorstehende Schwäche des Rubels. Die breitere Kennzahl zeigt für September vielmehr einen Anstieg der Fremdwährungsverkäufe russischer Unternehmen.
Russland erzielt weiter hohen Überschuss im Warenhandel
Auch die bislang jüngsten verfügbaren Außenhandelsdaten sprechen gegen die Annahme, dass Russland generell kaum noch Fremdwährung über Exporte einnimmt. Von Januar bis Juli 2026 exportierte das Land nach Schätzung der Zentralbank Waren im Wert von 271,8 Milliarden US-Dollar. Die Importe beliefen sich auf 192,8 Milliarden US-Dollar. Daraus ergab sich ein Überschuss im Warenhandel von 79 Milliarden US-Dollar.
Der Überschuss der Leistungsbilanz erreichte im selben Zeitraum 33,9 Milliarden US-Dollar, nach 21,5 Milliarden US-Dollar ein Jahr zuvor. Die Bank von Russland führt den Anstieg vor allem auf höhere Einnahmen aus Warenexporten zurück. Die Daten reichen allerdings bislang nur bis Juli. Eine aktualisierte Schätzung für Januar bis August will die Zentralbank am 15. Oktober veröffentlichen.
Das Mehrjahrestief der Großexporteure zeigt damit vor allem, wie stark sich die Struktur des russischen Devisenmarktes verändert hat. Eine Kennzahl, die früher eng verfolgt wurde, bildet heute nur noch einen vergleichsweise kleinen Teil der gesamten Fremdwährungsverkäufe russischer Unternehmen ab.
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