Ukraine-Krieg

Russland greift Kiew stundenlang an: Trümmer treffen Schulen und Kindergarten

In der ukrainischen Hauptstadt wurde achtmal Luftalarm ausgelöst. Landesweit setzte Russland 258 Drohnen sowie ballistische und weitere Raketen ein.

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Ein Feuerwehrmann vor einem brennenden Wohnhaus im Bezirk Boryspil in der Region Kiew nach dem russischen Angriff am 27. August.

Ein Feuerwehrmann vor einem brennenden Wohnhaus im Bezirk Boryspil in der Region Kiew nach dem russischen Angriff am 27. August.

© State Emergency Service of Ukraine/imago

Explosionen, Luftabwehrfeuer und das Dröhnen reaktiv angetriebener Drohnen: Russland hat Kiew in der Nacht zum Donnerstag und bis in den Tag hinein in mehreren Wellen angegriffen. Nach Angaben der Stadt wurden mindestens vier Menschen verletzt. Zwei von ihnen kamen ins Krankenhaus.

Gegen 3 Uhr waren in der Hauptstadt mindestens sechs Explosionen kurz hintereinander zu hören, berichtete der Kyiv Independent. Neben Drohnen setzte Russland demnach auch ballistische Raketen und Marschflugkörper ein.

Nach Sonnenaufgang folgten weitere Drohnenangriffe. Die Stadtverwaltung zählte während der Nacht und am Morgen insgesamt acht Luftalarme. Noch am Vormittag waren in Kiew erneut Explosionen und Schüsse der Flugabwehr zu hören.

Trümmer fallen auf Schulen und Kindergarten

Nach Angaben der Kiewer Stadtverwaltung wurden mehrere Stadtteile getroffen. Im Bezirk Schewtschenko erlitt ein Gymnasium erhebliche Schäden. Das Gebäude kann demnach nicht rechtzeitig zum Schulbeginn am 1. September wieder geöffnet werden. Die Schüler sollen zunächst auf benachbarte Einrichtungen verteilt werden.

An einer weiteren Schule gingen Fenster zu Bruch. Im Bezirk Podil fielen Trümmer auf das Gelände eines Kindergartens und in einen Hof zwischen Wohnhäusern. In einer kommunalen medizinischen Einrichtung zerbarsten durch die Druckwelle zahlreiche Scheiben.

Im Bezirk Holossijiw stürzte eine Drohne auf eine Straße. Ein Lastwagenfahrer wurde verletzt. An anderer Stelle geriet nach einem Trümmerfall das Dach eines zweistöckigen, nicht zu Wohnzwecken genutzten Gebäudes in Brand.

Weitere Trümmer gingen nach Angaben der Behörden in Wohngebieten, einem Park, auf Parkplätzen und auf dem Gelände einer Garagenanlage nieder. Im Stadtzentrum war zeitweise Rauch zu sehen. Meldungen über Schäden am Einkaufszentrum Gulliver und am nahe gelegenen Walerij-Lobanowskyj-Stadion bestätigten sich nach Angaben der jeweiligen Betreiber nicht.

Ein Ermittler der ukrainischen Polizei dokumentiert Trümmer einer russischen Drohne an der Parkowa Doroha im Kiewer Bezirk Petschersk.

Ein Ermittler der ukrainischen Polizei dokumentiert Trümmer einer russischen Drohne an der Parkowa Doroha im Kiewer Bezirk Petschersk.

© Danylo Antoniuk/imago

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Ukraine meldet Abschuss ballistischer Raketen

Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe setzte Russland landesweit 258 Drohnen verschiedener Bauarten, zwei Oniks-Raketen sowie eine nicht genannte Zahl ballistischer Raketen vom Typ Iskander-M oder KN-23 ein. Ungefähr ein Drittel der Drohnen soll einen Düsenantrieb besessen haben.

Diese Fluggeräte sind schneller als die üblichen, mit Propellern angetriebenen Shahed-Drohnen. Dadurch lassen sie sich schwerer mit den vergleichsweise günstigen ukrainischen Abfangdrohnen bekämpfen.

Die ukrainische Luftwaffe erklärte, sieben ballistische Raketen, eine Oniks-Rakete, drei Flugkörper vom Typ S8000 Banderol sowie 222 Drohnen abgefangen oder elektronisch unterdrückt zu haben. Da sie nicht mitteilte, wie viele ballistische Raketen Russland insgesamt abschoss, lässt sich die entsprechende Abfangquote nicht bestimmen. 

Einschläge wurden nach Angaben der Luftwaffe an 15 Orten registriert, Trümmer abgefangener Flugkörper an elf weiteren. Die Hauptziele lagen demnach in den Regionen Kiew, Odessa, Dnipropetrowsk, Poltawa und Saporischschja. Die Angaben können nicht unabhängig überprüft werden.

Angriffe treffen mehrere ukrainische Städte

Auch aus Odessa, Saporischschja, Krywyj Rih und der Region Poltawa wurden Schäden gemeldet. In Poltawa fiel nach Angriffen auf Industrie- und Energieanlagen in sieben Orten der Strom aus. In Odessa wurden nach Behördenangaben unter anderem ein Bildungsgebäude und ein Wohnhaus beschädigt.

In Charkiw traf eine Drohne nach Angaben des Regionalgouverneurs ein Einkaufszentrum. Mindestens ein Mensch wurde getötet, mehrere weitere wurden verletzt. Diese Angaben waren zunächst nicht unabhängig überprüfbar.

Das russische Verteidigungsministerium erklärte laut Reuters, die Angriffe hätten Stahlwerke, eine Ölraffinerie, Logistikzentren im Raum Kiew und drei Häfen in der Region Odessa gegolten. Belege für die behauptete militärische Nutzung der Ziele legte Moskau nicht vor.

Der neue Angriff auf Kiew erfolgte genau eine Woche nach einem besonders folgenschweren russischen Beschuss der Hauptstadt. Am 20. August wurden nach Angaben der Stadt 15 Menschen getötet und mehr als 30 verletzt. Damals wurden unter anderem Wohnhäuser, eine Schule und eine Kinderklinik beschädigt.

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