Ex-Kanzler Gerhard Schröder übernimmt einen neuen Posten in der russischen Wirtschaft. Der SPD-Politiker ist in den Aufsichtsrat von Hyperglobus berufen worden, des früheren Russlandgeschäfts der deutschen Globus-Gruppe. Das bestätigte das Unternehmen gegenüber der Berliner Zeitung.
Erst vor wenigen Tagen stellte Russland auch das Russlandgeschäft des deutschen Handelskonzerns Metro unter staatliche Kontrolle. Zuvor waren unter anderem Auchan, Lemana Pro und Nestlé betroffen. Hyperglobus selbst ist seit Januar 2025 formal von der deutschen Globus Holding getrennt.
Letztere verwies darauf, das Russlandgeschäft bereits mit Wirkung zum 1. Januar 2025 abgespalten und keine rechtliche oder organisatorische Kontrolle mehr über Hyperglobus zu haben.
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Dem Unternehmen zufolge soll Schröder in seiner neuen Funktion „an der allgemeinen Unternehmensführung“ mitwirken und die strategische Entwicklung des Unternehmens in Russland leiten. Auffällig ist der Zeitpunkt der Personalentscheidung. Russland hat in den vergangenen Wochen erneut die Kontrolle über die russischen Geschäfte mehrerer europäischer Unternehmen übernommen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte, die Maßnahmen richteten sich gegen bestimmte Unternehmen aus „unfreundlichen Staaten“. Ein entsprechender Erlass, Vermögenswerte „bestimmter ausländischer Unternehmen“ in Russland unter „vorübergehende“ Zwangsverwaltung zu stellen, existiert bereits seit 2023. Er wurde in der Vergangenheit bereits gegen das französische Unternehmen Danone und die dänische Brauerei Carlsberg angewendet.
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Zuletzt traf es auch den deutschen Konzern Metro. Die Nachrichtenagentur AFP berichtet, dass die Vermögenswerte an das russische Unternehmen UK Torg RUS übertragen wurden. Metro erklärte daraufhin, zwar formal Eigentümer seiner russischen Tochter zu bleiben, aber keine operative Kontrolle mehr über das Geschäft zu besitzen. Ebenfalls betroffen sind Nestlé und der französische Händler Auchan.
Gegenüber Reuters erklärte Präsident Wladimir Putin erst am Donnerstag auf dem Diskussionsforum Waldai, dass die Unternehmen ihre Vermögenswerte zurückerhalten könnten, sollten sich die politischen Beziehungen verbessern.
Soll Schröder Hyperglobus vor einer Zwangsverwaltung schützen?
Kommersant bringt die Personalie mit der Frage in Verbindung, ob Hyperglobus sich damit gegen einen ähnlichen staatlichen Eingriff absichern will. Schröders Kontakte reichen bekanntlich bis in den Kreml zu Präsident Wladimir Putin. Von 2017 bis 2022 stand er dem Aufsichtsrat des staatlichen Ölkonzerns Rosneft vor.
Ex-Kanzler Gerhard Schröder gratuliert im Mai 2018 Wladimir Putin zu dessen Wiederwahl als Präsident von Russland. (Symbolbild)
© Alexei Druzhinin/AP/dpa
Nur wenige Monate nach seinem Ausscheiden aus dem Kanzleramt wurde Schröder 2006 Vorsitzender des Gesellschafterausschusses der Nord Stream AG, die die Ostsee-Pipeline von Russland nach Deutschland betrieb. Putin hatte den Altkanzler dieses Jahr zudem öffentlich als möglichen Gesprächspartner für einen Dialog mit Europa ins Spiel gebracht, was die EU allerdings ablehnte.
Die Verbindung zur Eigentümerfamilie besteht allerdings fort. Laut Reuters gehört Hyperglobus heute Thomas Bruch, dem früheren Chef der Globus-Gruppe. Die russischen Märkte nutzen trotz der gesellschaftsrechtlichen Trennung weiterhin die Marke Globus.
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