Ukraine-Krieg

Zur Drohnenabwehr: Russland sabotiert Starlink-Verbindungen mit Störsender

Moskau setzt laut ukrainischen Kommandeuren gegen Drohnen auf neue Systeme zur elektronischen Kampfführung. Parallel arbeitet Russland an einem eigenen Satelliteninternet.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Ein ukrainischer Soldat bereitet im Gebiet Saporischschja eine Aufklärungsdrohne vor.

Ein ukrainischer Soldat bereitet im Gebiet Saporischschja eine Aufklärungsdrohne vor.

© Dmytro Smolienko/imago

Russische Streitkräfte setzen nach Angaben ukrainischer Drohnenkommandeure großflächig wirkende Störsender ein, um Starlink-Verbindungen des US-Unternehmens SpaceX zu stören und damit ukrainische Mittelstrecken-Drohnen abzuwehren. Das berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch nach einem Ortstermin beim 422. Regiment für unbemannte Systeme im südukrainischen Gebiet Saporischschja.

Vier Kommandeure und Piloten schilderten Reuters, dass Moskau seine Nachschubwege inzwischen mit einer Kombination aus elektronischer Kampfführung und getarnten Transporten zu schützen versuche.

Die Ukraine setzt seit Monaten verstärkt Drohnen ein, die Ziele Dutzende Kilometer hinter der Front treffen können. Diese werden häufig über Starlink gesteuert. Nach Reuters-Angaben trifft Kiew damit Versorgungsrouten, Treibstofflager, Flugabwehrstellungen und Kommandozentralen. Auf der von Russland besetzten Halbinsel Krim habe die Kampagne zu Treibstoffengpässen geführt.

Starlink ist ein Satelliteninternet-Dienst des US-Raumfahrtunternehmens SpaceX. Das Netz nutzt Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn und verbindet Nutzer über eine Bodenantenne und einen Router mit Breitbandinternet, auch in Regionen ohne verlässliche Kabel- oder Mobilfunknetze.

Störsystem deckt 20 Quadratkilometer ab

Serhij Beskrestnow, Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, sagte Reuters, Russland setze ein System mit der Bezeichnung „Wolna Kupol Garant“ ein. Es sende ein Signal aus, das die Starlink-Verbindungen in einem Umkreis von rund 20 Quadratkilometern destabilisieren könne. Bislang seien etwa zehn dieser Anlagen entdeckt worden.

In einem Facebook-Beitrag, aus dem die ukrainische Agentur Unian zitiert, führte Beskrestnow aus, das System richte sich nicht gegen einzelne Drohnen, sondern gegen den überfliegenden Satelliten selbst, indem es Empfangskanäle im Frequenzbereich um 14 Gigahertz überlagere. Der Komplex bestehe aus sechs Anhängern mit jeweils zwei Antennen und werde für rund 1,5 Millionen US-Dollar an die russische Armee verkauft.

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Das 422. Regiment war nach Reuters-Darstellung an Angriffen gegen zwei solcher Anlagen beteiligt. Eine sei wenige Stunden nach ihrer Ortung bei einer gemeinsamen Aktion mit dem ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU zerstört worden. „Sobald wir diese Anlage getroffen hatten, flogen unsere mit Starlink ausgestatteten Drohnen ohne Probleme“, zitierte Reuters einen Kommandeur mit dem Rufnamen „Dyryhent“.

Getarnte Nachschubtransporte

Neben der elektronischen Störung schildern die ukrainischen Kommandeure laut Reuters weitere russische Schutzmaßnahmen. Treibstoff werde in kleinen Konvois mit bewaffneten Pickups transportiert, es würden kleinere Straßen genutzt und Nachschub in zivilen Fahrzeugen versteckt. Kommandeur Kolesnyk sagte Reuters: „Wir haben Wassertanklaster getroffen, die brannten, weil Benzin darin war. Wir haben umlackierte Milchlaster getroffen, in denen Diesel war.“

Der ukrainische Militärgeheimdienst teilte Reuters mit, russische Einheiten nutzten Kleinwagen, Quads und Motorräder für Transporte und versteckten Vorräte in getarnten Bunkern, verlassenen Gebäuden und landwirtschaftlichen Anlagen.

Ausweitung könnte ukrainische Angriffe erschweren

SpaceX äußerte sich auf Reuters-Anfrage nicht, das russische Verteidigungsministerium ebenfalls nicht. Die Nachrichtenagentur betonte, die von Russland eingesetzten Taktiken nicht unabhängig überprüfen zu können.

Rob Lee vom Foreign Policy Research Institute, einer außenpolitischen US-Denkfabrik, bewertete die ukrainische Angriffsserie mit Mittelstrecken-Drohnen gegenüber Reuters als eine der wichtigsten militärischen Entwicklungen des Jahres. Sollte Russland die Produktion der Störsender ausweiten, könne das die Angriffe deutlich erschweren, sagte Lee.

SpaceX-Chef Elon Musk hatte bereits Anfang 2026 erklärt, Maßnahmen gegen eine unerlaubte Nutzung von Starlink durch russische Streitkräfte zeigten Wirkung. Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow kündigte damals ein System an, das auf ukrainischem Gebiet nur den Betrieb freigegebener Terminals erlaubt.

Russland baut eigenes Satelliten-Internet auf

Parallel arbeitet Russland am Aufbau eines eigenen Satelliten-Internets als Alternative zu Starlink. Der kommerzielle Betrieb des Netzes mit dem Namen „Rassvet“ (zu Deutsch: „Morgendämmerung“) soll im Jahr 2027 starten. Das gab Alexej Schelobkow, der Vorstandsvorsitzende der russischen Iks Holding, Anfang Mai beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg bekannt, wie aus einem Bericht von Reuters hervorgeht.

Die erste Charge von 16 Satelliten sei bereits im März ins All transportiert worden. Langfristig solle die Zahl auf rund 900 Satelliten steigen – SpaceX betreibt derzeit mehr als 10.000 Starlink-Satelliten. Laut der ukrainischen Agentur Ukrinform erklärte Beskrestnow, dass für eine stabile Datenübertragung mindestens 200 bis 250 Satelliten benötigt würden.

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