Russland und die EU wollen Pipelines bauen

Wettlauf um das Erdgas in Mittelasien

Christian Esch
3 Min

MOSKAU. Russlands Präsident hat sich für die Anreise zum G8-Gipfel in der nächsten Woche viel Zeit genommen. Statt auf direktem Weg nach Japan zu fliegen, besucht Dmitri Medwedew gerade in einem weiten Schlenker die ehemaligen Sowjetrepubliken Aserbaidschan, Turkmenistan und Kasachstan - drei Staaten, die wegen ihrer Energieressourcen von Russland wie auch von der EU umworben werden. Das gilt vor allem für Turkmenistan, wo Medwedew am Freitag war. Das Land hat die mit Abstand größten Gasreserven der Region.Medwedew und sein turkmenischer Gegenpart Kurbanguli Berdymuchamedow hatten allerdings nach ihrem Treffen wenig Konkretes zu verkünden. Beide bekräftigten lediglich die Vergrößerung der bestehenden Pipeline von der Stadt Turkmenbaschi am Kaspischen Meer durch Kasachstan nach Russland. Auch Eisenbahnverbindungen sollen ausgebaut werden.Abkehr von MoskauZuvor hatte der Vorstandsvorsitzende des staatlichen russischen Erdgaskonzerns Gasprom, Alexej Miller, angekündigt, Gasprom werde turkmenisches Erdgas zu europäischen Preisen kaufen - und zwar möglichst sämtliches Gas auf dem Markt. Ähnlich hatte sich Miller zum aserbaidschanischen Gasexport geäußert. In Millers Worten zeigt sich die Sorge Russlands, dass beide Länder ihr Gas an Russland vorbei exportieren könnten.Turkmenistans Präsident, der Ende 2006 dem für seinen Personenkult berüchtigten Diktator Saparmurat Nijasow nachfolgte, hatte nach Amtsantritt eine "multivektoriale Außenpolitik" angekündigt - sprich: eine Orientierung weg von Moskau. So unterzeichnete er vor einem Monat eine Absichtserklärung mit EU-Energiekommissar Andris Piebalgs zur Energiekooperation. Dass er sich wenige Tage später weigerte, Gasprom-Chef Miller persönlich zu empfangen, wurde in Russland aufmerksam registriert.Die EU möchte mit ihrem Pipeline-Projekt "Nabucco" an Russland vorbei Erdgas aus dem kaspischen Raum nach Europa bringen. Russland macht der noch ungebauten Pipeline mit dem Projekt "South Stream" Konkurrenz, an dem Gasprom und die italienische Eni beteiligt sind. Das Interesse der erdgasproduzierenden Länder an einer Diversifizierung ihres Exports ist allerdings geringer geworden, seit sie mit Moskau vereinbart haben, auf europäische Preise umzustellen.Bisher hatte etwa Turkmenistan fast sein gesamtes Gas nach Russland oder weiter in die Ukraine exportiert. Dafür hatte es Preise weit unter westeuropäischem Niveau erhalten. Ab 2009 will Turkmenistan auch nach China exportieren. Aserbaidschan wiederum hatte bis vor kurzem noch russisches Erdgas importiert. Sein Shazdeniz-Gasfeld wird erst noch erschlossen. Das Land ist reich an Erdöl.Falls Medwedew ohne konkrete Zusagen über die weitere Ausrichtung der Gasexporte zurückkommt, könnte ihm das zu Hause als Misserfolg ausgelegt werden.------------------------------Große ReservenTurkmenistan war bis zur Revolution von 1917 die ärmste Region im ohnehin armen russischen Mittelasien.In sowjetischer Zeit wurde mit großen Bewässerungsprojekten vor allem der Baumwollanbau vorangetrieben. Trotzdem galt Turkmenistan als die am wenigsten entwickelte Sowjetrepublik.Nach der Unabhängigkeitserklärung 1991 konzentrierte die Regierung ihre wirtschaftlichen Aktivitäten auf die Ausbeutung von Erdgas-Vorkommen, die zu den größten der Welt gerechnet werden.Eine geplante Gas-Pipeline, die über Afghanistan nach Pakistan führen sollte, kam nicht zustande. Turkmenistan blieb für die Ausfuhr seines wichtigsten Wirtschaftsgutes auf die Transitwege durch Russland angewiesen.

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