Es wird leerer am Flughafen Berlin Brandenburg (BER). Die Fluggesellschaft Ryanair macht ihre Ankündigung wahr und halbiert ihr Angebot am Hauptstadt-Airport. Zum 24. Oktober werden zwölf Routen gestrichen, zwei mehr als angekündigt. Andere werden ausgedünnt. Die Zahl der Fluggäste am BER werde sinken, sagte Ryanair-Manager Marcel Pouchain Meyer. Er richtet eine Warnung an den neuen Senat.
„Trotz der Senkung der Luftverkehrsteuer sind die Kosten in Deutschland einfach nicht wettbewerbsfähig“, teilte der Marketingchef für Deutschland im Gespräch mit der Berliner Zeitung mit. Am neuen Schönefelder Flughafen drohten weitere Kostenerhöhungen. „Der BER ist bereits der teuerste Flughafen in unserem Netzwerk“, erklärte er.
Am 24. April hatte die zweitgrößte Airline der Welt angekündigt, die Ryanair-Basis am BER zu schließen. Dieser Beschluss werde gerade umgesetzt, bestätigte Meyer jetzt. Alle sieben dort stationierten Flugzeuge werden nach Schweden, Italien, Polen und Irland verlegt.
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Kürzungen im Winterflugplan: Das ist die Streichliste
Die Zahl der Ryanair-Flüge sinkt am Hauptstadt-Flughafen um rund 50 Prozent. Im Winterflugplan 2026/27 fallen im Vergleich zum Vorjahr zwölf Berliner Routen weg, zwei Strecken mehr als im Frühjahr angekündigt. Ryanair wird Bologna, Fuerteventura, Gran Canaria, Lanzarote, Marseille, Palermo, Pisa, Kalabrien, Tallinn, Thessaloniki, Triest und Vilnius nicht mehr vom BER aus ansteuern. Auf weiteren Strecken werden die Frequenzen deutlich reduziert, sagte Meyer.
Deutschlandweit nimmt Ryanair im Winter rund 700.000 Sitze aus dem Markt, den Großteil davon in Berlin. In Hamburg wird das Angebot um rund fünf Prozent gekürzt. Berlin bleiben in der Winterflugplanperiode nur noch rund eine Million Sitze.
Pressekonferenz am 24. April: Jason McGuinness (Chief Commercial Officer Ryanair), Eddie Wilson (CEO), Marcel Pouchain Meyer (Head of Communications/Marketingchef DACH).
© Peter Neumann/Berliner Zeitung
Die Folge: Die Passagierzahl von Ryanair am BER sinkt von rund fünf auf etwa zweieinhalb Millionen pro Jahr. Meyer: „Wir werden über die nächsten Monate einen signifikanten Rückgang der Passagierzahlen am Berliner Flughafen sehen.“ In den vergangenen Monaten stagnierte das Verkehrsaufkommen. Wenn es Zuwächse gab, waren sie minimal.
Von den im April genannten 210 betroffenen Beschäftigten musste laut Ryanair niemandem gekündigt werden. Viele haben Angebote an anderen Standorten angenommen.
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Was Ryanair der Flughafengesellschaft FBB vorwirft
Das irische Unternehmen bekräftigte den Vorwurf, den es seit Jahren immer wieder äußert: Die Kosten seien zu hoch – in Deutschland generell, speziell in Berlin. „Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 48 Euro passt es für uns in Berlin einfach nicht mehr“, so Meyer.
Die Luftverkehrsteuer sei mit 13,03 Euro nach den Niederlanden die zweithöchste in der EU, rechnete der Airline-Manager vor. Mit fünf bis 15 Euro pro Passagier seien die Sicherheitsentgelte in Deutschland teilweise dreimal so hoch wie in anderen Ländern. Hinzu kommen die Flugsicherungsgebühren, die sich auf rund 3,50 Euro pro Passagier summieren. Damit nicht genug: Die Flughafenentgelte am BER seien seit 2019 um 50 Prozent gestiegen.
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© Jörg Carstensen/imago
„Danach die Entgelte noch weiter zu erhöhen, halten wir angesichts der Passagierzahlen für absolut inadäquat“, bekräftigte Meyer. „Wir bleiben bei dem, was wir im April gesagt haben: Die drohende Erhöhung der Flughafenentgelte am BER ist mit den exorbitanten staatlich bedingten Kosten der ausschlaggebende Grund für unsere Kürzungen.“ Dagegen hatte die FBB abgestritten, dass die Entgelte stark steigen.
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Können Easyjet und Germanwings die Lücke füllen?
Wie berichtet haben Easyjet und Eurowings neue Angebote für den Flughafen BER angekündigt. Während Ryanair abbaut, bauen sie auf, so lautet das Wording.
„Wir gelten als die Bad Cops, und andere Airlines versuchen jetzt, die Good Cops zu sein“, entgegnete Meyer. „Doch aus unserer Sicht können die Wettbewerber die Lücke, die wir hinterlassen, nicht füllen. Unsere Kürzungen werden sich in der Bilanz der Flughafengesellschaft FBB schmerzlich bemerkbar machen.“
Für 2027 gab Meyer keine Entwarnung: „Die angekündigten Kürzungen werden sich auch durch den Sommerflugplan ziehen. Das wird für Menschen, die vom BER aus in den Sommerurlaub reisen wollen, tragisch. Wenn Routen und Wettbewerb wegfallen, werden die Flugpreise für die Deutschen in die Höhe schießen. Dabei zahlen Passagiere in Deutschland schon die höchsten Flugpreise in Europa.“
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Nachtflugbeschränkungen: Was Ryanair der Koalition sagt
Noch steht nicht fest, welche Parteien die Mitglieder des neuen Berliner Senats stellen werden. Doch Ryanair hat für die künftige Stadtregierung schon mal eine Warnung parat.
„Wenn die neue Koalition weitere Einschränkungen des Flugbetriebs am späten Abend und in der Nacht durchsetzen würde, wäre das ein weiterer signifikanter Wettbewerbsnachteil“, stellte Meyer fest.
Die Fluggesellschaft erneuerte ihre Forderung, die jetzigen Nachtflugbeschränkungen flexibler zu handhaben. Immer wieder wird Flugzeugen kurz nach Beginn des Flugverbots die Landung verweigert.
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„Wir sind da leider nicht besonders optimistisch“
Ganz wolle sich Ryanair aber nicht vom BER zurückziehen: „Berlin bleibt ein attraktives Reiseziel. Doch für uns ist wichtig, dass in Berlin rasch stabile Verhältnisse herrschen.“
„Wir bleiben dabei: Der Flughafen BER ist viel zu teuer. Um den BER wettbewerbsfähig zu machen, braucht es aus unserer Sicht einen Schuldenschnitt“, forderte Marcel Pouchain Meyer. „Aber wir sind da leider nicht besonders optimistisch.“
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