Immer mehr S-Bahn-Fahrgäste in Berlin und Brandenburg beschwerten sich über Schmutz sowie nervige Mitreisende. Dann startete die S-Bahn ein millionenschweres Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit in ihren Zügen. Vier Monate später zieht Heiko Büttner, der neue Chef des Unternehmens, eine positive Bilanz.
Als Heiko Büttner im Mai sein erstes Pressegespräch als Vorsitzender Geschäftsführer der S-Bahn Berlin gab, setzte er einen Akzent. Ab Juni sollten mobile Teams mit Reinigungs- und Sicherheitskräften täglich ab 5 Uhr alle Strecken abfahren, Abfall beseitigen und die Beförderungsbedingungen durchsetzen. Jetzt legt Büttner Zahlen vor.
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Züge werden häufiger gereinigt als früher
Seit zwei Monaten seien die Teams in voller Stärke unterwegs, allein im August 2026 rund 35.000 S-Bahn-Fahrzeuge kontrolliert worden, berichtete der S-Bahn-Chef. Die Zahl der Zugreinigungen sei deutlich gestiegen. Zuletzt war von 6300 pro Tag die Rede, eine Steigerung um mehr als zwölf Prozent. Die Teams erfassen ihre Einsätze über eine App. Sie verständigen sich per Funk und stimmen Einsatzschwerpunkte ab.
Bevor das Sofortprogramm begann, war die Zahl der Beschwerden über mangelnde Sauberkeit und störendes Verhalten gestiegen, berichtete die S‑Bahn. Seitdem ging das Aufkommen um mehr als die Hälfte zurück, so das Bundesunternehmen. Das Programm, in das allein in diesem Jahr mehr als eine Million Euro investiert wird, sei ein Erfolg.
Heiko Büttner ist seit April 2026 Vorsitzender der Geschäftsführung der S-Bahn Berlin GmbH. Zuvor war der gebürtige Nordbayer Chef der Münchner S-Bahn.
© Markus Wächter/Berliner Zeitung
Auch in den S-Bahnen gab es positive Reaktionen. „Die Teams in den Zügen haben von den Fahrgästen viel Zuspruch erhalten“, hieß es. „Auch über den Kundendialog erreicht uns Lob.“ Zahlen nennt die S-Bahn dazu aber nicht, eine unabhängige Auswertung liegt nicht vor.
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Nur in Einzelfällen mussten Fahrgäste S-Bahnen verlassen
Auffällig ist die Gewichtung der Einsätze. Laut S-Bahn waren 83 Prozent aller Maßnahmen Reinigungsarbeiten. Der Rest entfiel überwiegend auf Gespräche mit Fahrgästen, die sich nicht an die Beförderungsbedingungen in ihrer ganzen Breite gehalten hatten.
Nur in Härtefällen sei es vorgekommen, dass Reisende von der Fahrt ausgeschlossen werden mussten, betonte ein S-Bahn-Sprecher. Die Sicherheitskräfte hätten mit Augenmaß gehandelt, und die Maßnahmen seien stets auf die Zustimmung der übrigen Fahrgäste gestoßen. In keinem Fall habe die Bundespolizei gerufen werden müssen. Wieviele Menschen aus den Zügen gewiesen wurden und wer sie waren, geht aus der Bilanz nicht hervor.
Die Ausführungen dürften eine Antwort auf die Debatte sein, die das Programm von Anfang an begleitete. Büttner hatte im Mai angekündigt, die Teams sollten auch Personen „ohne Beförderungsbedürfnis aus den Zügen verbringen“. Das Wort „Wohnungslose“ vermied der Jurist damals, doch gemeint waren auch sie. „Es ist ein schwieriges Thema“, räumte der frühere Münchner S-Bahn-Chef ein. Er versprach ein Vorgehen „mit Augenmaß und Fingerspitzengefühl“.
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Pilotprojekt bringt Fahrgäste miteinander ins Gespräch
S-Bahn-Chef Büttner präsentierte die Bilanz, als in Wartenberg das Pilotprojekt metro_polis berlin vorgestellt wurde. Es bringt S-Bahn-Fahrgäste in den Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf miteinander ins Gespräch. Die Erkenntnisse aus den Gesprächen werden dokumentiert und an Politik sowie Verwaltung weitergegeben.
„Mit täglich rund 1,4 Millionen Fahrgästen ist die S-Bahn einer der größten Begegnungsorte Berlins. Dass metro_polis diesen Raum nutzt, um Menschen miteinander ins Gespräch zu bringen, unterstützen wir aus voller Überzeugung. Damit Fahrgäste offen und respektvoll ins Gespräch kommen, müssen sie sich wohl und sicher fühlen. Mit unserem Sofortprogramm für mehr Sicherheit und Sauberkeit leisten wir einen Beitrag für einen gelingenden Austausch“, sagte Büttner.
Ob der Effekt anhält, wird sich im Herbst und Winter zeigen. Dann suchen mehr Menschen in S-Bahnen Schutz vor der Kälte, und die Frage, wer ein „Beförderungsbedürfnis“ hat, wird dann wieder drängender.
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