S-Bahn will mehr Service bieten / Tickets für gesamten Verkehrsverbund

Fahrkartenverkauf rund um die Uhr

Jürgen Schwenkenbecher
2 Min

Hans-Jürgen Reichmann, seit 30 Jahren als Aufsicht bei der Bahn, schaut etwas skeptisch auf den kleinen Computer in seinem Dienstraum. Seit Montag soll er auf dem S-Bahnsteig in Wildau (Dahme-Spreewald) nicht nur Züge nach Westend und Königs Wusterhausen abfertigen, sondern mit Hilfe des ungewohnten Geräts auch Fahrkarten für den gesamten Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg verkaufen. Seit Anfang der 90er-Jahre wurden S-Bahn-Kunden auf Automaten verwiesen. "Ich habe keine Angst", sagt der grau gewordene Bahner tapfer, der gerade einen vierwöchigen Lehrgang hinter sich gebracht hat. Zwei Wochen lang hilft ihm und dem anderen Bahnhofspersonal noch eine versierte Kollegin am Computer, dann soll der Fahrkartenverkauf auch ohne Unterstützung rund um die Uhr klappen. Mit der Eröffnung des Wildauer Bahnsteig-Schalters ermöglicht die S-Bahn Berlin GmbH erstmals auf allen Bahnhöfen einer Außenstrecke den Kauf von Fahrkarten, zwischen Ostkreuz und Königs Wusterhausen bleibt der Betriebsbahnhof Schöneweide die Ausnahme. Für das 1995 gegründete Unternehmen ist das ein Schritt, mit dem das Behördenimage abgelegt werden soll. "Die Kunden sollen sich nicht mehr nach uns richten müssen", sagt S-Bahn-Sprecher Ingo Priegnitz. "Wir richten uns nach ihnen." Bewusst werde dabei auch auf den Einsatz von geschultem Personal gesetzt. Wildau ist nach Angaben von Priegnitz der zwölfte Bahnhof im S-Bahn-Netz, auf dem das Kombi-System von Zugabfertigung und Fahrkartenverkauf eingeführt wurde. Weitere Bahnhöfe sollen folgen. "Wir prüfen, wo das sinnvoll ist", sagt Priegnitz. Aber nicht auf jeden Bahnhof könne eine Fahrkartenausgabe geöffnet werden. Auf den umgerüsteten Bahnhöfen erhalten die S-Bahn-Nutzer neben den Fahrkarten auch Auskünfte über sämtliche Fahrpläne und Tarife im Verkehrsverbund. Der Auftakt für die Neuerung wurde schon vor vier Jahren in Eichwalde und Zeuthen gemacht. "Die Außenbereiche haben für uns eine besondere Bedeutung", sagt Sabine Hampe, bei der S-Bahn für den südlichen Bereich zuständig. "Der Kontakt der Fahrgäste zum Aufsichtspersonal dort ist immer enger als auf den innerstädtischen Bahnhöfen." An diese Tradition soll angeknüpft werden, um die Fahrgastzahlen steigen zu lassen.Der Zugabfertiger Hans-Jürgen Reichmann hat mit dem neuen Service keine Probleme. "Wenn wir nicht freundlich sind, bleiben die Kunden weg und fahren mit dem Auto", sagt er.BAHN-SERVICE // Der Fahrkarten-Verkauf auf Bahnsteigen im äußeren S-Bahn-Bereich soll die Fahrgastzahlen wachsen lassen.Neben Wildau bieten diesen Service u. a. auch Zeuthen, Eichwalde, Bergfelde und Blankenfelde an.Die Zahl der S-Bahn-Fahrgäste stieg von 246 Millionen (1995) auf 280 Millionen im vorigen Jahr.

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