In Sachsen-Anhalt sind im ersten Halbjahr 2026 weniger Insolvenzverfahren beantragt worden als noch ein Jahr zuvor. Von Januar bis Juni gingen bei den Amtsgerichten 1.784 Anträge ein, 2,4 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamts hervor. Die voraussichtlichen Forderungen aus allen beantragten Verfahren summieren sich demnach auf 1,5 Milliarden Euro. Hinter dem Rückgang stehen allerdings zwei gegenläufige Entwicklungen.
Weniger Privatleute, mehr Unternehmen
Gesunken ist vor allem die Zahl der Verbraucherinsolvenzen, bei denen Privatpersonen ihre Schulden nicht mehr begleichen können. Mit 1.283 Anträgen, 28 weniger als im Vorjahr, stellen sie zwar weiterhin den mit Abstand größten Anteil von 71,9 Prozent. Bei den Unternehmen verlief die Entwicklung jedoch umgekehrt: Hier stieg die Zahl der Anträge um neun. Jüngste Beispiele aus Sachsen-Anhalt sind hierzu Mäc-Geiz mit Sitz im Saalekreis, Bohai Automative Holding aus Harzgerode oder auch Automation-, Sonder- und Werkzeugmaschinen GmbH (ASW) aus Naumburg. Im Februar eröffnete zudem die bekannte Halberstädter Bäcker und Konditoren GmbH ein Verfahren.
Die übrigen Insolvenzverfahren betrafen ehemals Selbstständige, Privatpersonen in ihrer Rolle als Gesellschafter eines Unternehmens sowie Nachlass- und Gesamtgutinsolvenzen. Eine Nachlassinsolvenz liegt vor, wenn ein Verstorbener mehr Schulden als Vermögen hinterlässt. Die Gläubiger werden dann aus dem Erbe bedient, soweit es reicht, ohne dass die Erben mit ihrem eigenen Geld einstehen müssen. Deutlich seltener ist die Gesamtgutinsolvenz. Sie betrifft Ehepaare, die per Ehevertrag ein gemeinsames Vermögen vereinbart haben, das nicht mehr für ihre gemeinsamen Schulden ausreicht.
Auch der Traditionsbetrieb Halberstädter Würstchen musste Ende August Insolvenz anmelden.
© Michael Westermann/imago
Auch zu Beginn des zweiten Halbjahres hielt die gegenläufige Entwicklung an. Im Juli beantragten in Sachsen-Anhalt 51 Unternehmen ein Insolvenzverfahren, 20 mehr als im Juli 2025. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen sank dagegen erneut, und zwar um zwölf auf 225.
Magdeburg vorn, deutlicher Rückgang in Halle
Regional betrachtet wurden die meisten Anträge in der Landeshauptstadt Magdeburg gestellt. Dort blieb die Zahl mit 242 genau auf dem Vorjahresniveau. Dahinter folgt der Landkreis Harz mit 204 Anträgen, zwölf weniger als im Vorjahreszeitraum, und Halle (Saale) mit 185. In Halle fiel der Rückgang mit 43 Anträgen deutlich aus. Er entspricht damit genau dem Minus im gesamten Land. Die wenigsten Anträge gab es in Dessau-Roßlau.
Wirtschaft im Sinkflug: Sachsen-Anhalt zahlt den Preis für verschleppte Reformen
Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Sachsen-Anhalt um 24 Prozent gestiegen
Mit dem insgesamt rückläufigen Ergebnis von 2,4 Prozent der Insolvenzanmeldung hebt sich Sachsen-Anhalt von der bundesweiten Entwicklung deutlich ab. Deutschlandweit stieg die Zahl der beantragten Insolvenzverfahren im ersten Halbjahr um 3,1 Prozent. Auch bei den Unternehmen fiel der Anstieg bundesweit stärker aus als im Land: Dort wurden 6,7 Prozent mehr Firmeninsolvenzen beantragt als noch im Vorjahreszeitraum.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]