Altersarmut

Immer mehr Rentner brauchen Grundsicherung: In diesem Bundesland steigt die Zahl besonders stark

In allen ostdeutschen Ländern steigt die Zahl der Betroffenen stärker als im Bundesdurchschnitt. Das BSW fordert eine Volksabstimmung über die Rente.

3 Min
Rentner auf einer Bank an der Strandpromenade: Der Anteil der Grundsicherungsempfänger steigt vor allem im Osten.

Rentner auf einer Bank an der Strandpromenade: Der Anteil der Grundsicherungsempfänger steigt vor allem im Osten.

© Ute Grabowsky/Imago

Immer mehr Rentner in Sachsen-Anhalt sind auf Grundsicherung angewiesen. Im Juni 2026 erhielten 11.885 Menschen diese Sozialleistung. Das waren 690 mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die die BSW-Fraktion im Landtag erfragt hat und die dieser Zeitung vorliegen.

Seit Juni 2022 ist die Zahl um gut ein Drittel gestiegen. Damals bezogen noch 8835 Menschen Grundsicherung im Alter. Anspruch auf die Leistung haben Rentner, deren Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

In Ostdeutschland steigen die Zahlen stärker

Der Anstieg fällt in Sachsen-Anhalt deutlich stärker aus als im Bundesdurchschnitt. Innerhalb eines Jahres nahm die Zahl der Empfänger um 6,2 Prozent zu. Bundesweit waren es 3,2 Prozent. Deutschlandweit bezogen zuletzt rund 774.000 Menschen Grundsicherung im Alter.

In anderen ostdeutschen Bundesländern fällt der Anstieg noch größer aus. In Thüringen stieg die Zahl binnen eines Jahres um 8,4 Prozent auf 9715, in Sachsen um 7,7 Prozent auf 21.575 und in Brandenburg um 7,6 Prozent auf 13.335 Empfänger.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern (5,3 Prozent) und Berlin (3,6 Prozent) stiegen die Zahlen stärker als im Bundesdurchschnitt. Zusammengenommen verzeichneten die fünf ostdeutschen Flächenländer einen Anstieg um gut sieben Prozent.

Frauen sind unter den Empfängern häufiger vertreten als Männer. Bundesweit machen sie rund 57 Prozent aus, in Sachsen-Anhalt sind es gut 52 Prozent. Dort waren zuletzt 6235 Frauen auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

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Grundsicherung im Alter – Empfängerzahlen und prozentualer Anstieg von Juni 2025 bis Juni 2026

Veränderung der Zahl der Empfängerinnen und Empfänger, in Prozent

Thüringen
+8,37
ThüringenJuni 2025: 8.965Juni 2026: 9.715Anstieg: +750 (+8,37 %)
Sachsen
+7,74
SachsenJuni 2025: 20.025Juni 2026: 21.575Anstieg: +1.550 (+7,74 %)
Brandenburg
+7,63
BrandenburgJuni 2025: 12.390Juni 2026: 13.335Anstieg: +945 (+7,63 %)
Sachsen-Anhalt
+6,16
Sachsen-AnhaltJuni 2025: 11.195Juni 2026: 11.885Anstieg: +690 (+6,16 %)
Mecklenburg-Vorpommern
+5,25
Mecklenburg-VorpommernJuni 2025: 9.615Juni 2026: 10.120Anstieg: +505 (+5,25 %)
Berlin
+3,57
BerlinJuni 2025: 60.145Juni 2026: 62.290Anstieg: +2.145 (+3,57 %)
Deutschland
+3,21
DeutschlandJuni 2025: 749.665Juni 2026: 773.735Anstieg: +24.070 (+3,21 %)
02468
Bundesdurchschnitt +3,21
Osten wächst mehr als doppelt so stark wie der Westen
+7,1 %Ostdeutsche Flächenländer62.190 → 66.630
+3,6 %Berlin60.145 → 62.290
+2,8 %Übrige Bundesländer627.330 → 644.815
Berechnung: (Empfänger Juni 2026 − Empfänger Juni 2025) ÷ Empfänger Juni 2025 × 100.
Quelle: Statistisches Bundesamt, Statistik der Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung, Sonderauswertung für die BSW-Fraktion Sachsen-Anhalt · Grafik: BLZ

BSW fordert Volksabstimmung über die Rente

Der BSW-Fraktionsvorsitzende Thomas Schulze kritisierte angesichts der Zahlen die Rentenpolitik der Bundesregierung. „Das deutsche Rentensystem ist in einem denkbar schlechten Zustand. Altersarmut nimmt immer weiter zu“, sagte er dieser Zeitung.

Schulze warnte vor weiteren Kürzungen durch die geplante Rentenreform. „Dass man nach 45 Jahren nicht mehr abschlagsfrei in Rente gehen können soll, ist inakzeptabel. Sachsen-Anhalt muss dagegen ein Veto im Bundesrat einlegen.“

Hintergrund ist eine Empfehlung der Rentenkommission, den vorzeitigen Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Die Bundesregierung arbeitet an der Umsetzung der Empfehlungen. Die konkrete gesetzliche Regelung steht noch aus.

Schulze forderte außerdem eine bundesweite Volksabstimmung über die Rente. „Die Bürger sollten die Möglichkeit bekommen, sich für ein Rentensystem wie in Österreich aussprechen zu können.“ Dort lägen die durchschnittlichen Renten nach seinen Angaben rund 800 Euro höher als in Deutschland.

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