Immer mehr Rentner in Sachsen-Anhalt sind auf Grundsicherung angewiesen. Im Juni 2026 erhielten 11.885 Menschen diese Sozialleistung. Das waren 690 mehr als ein Jahr zuvor. Das geht aus aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes hervor, die die BSW-Fraktion im Landtag erfragt hat und die dieser Zeitung vorliegen.
Seit Juni 2022 ist die Zahl um gut ein Drittel gestiegen. Damals bezogen noch 8835 Menschen Grundsicherung im Alter. Anspruch auf die Leistung haben Rentner, deren Einkommen und Vermögen nicht ausreichen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.
In Ostdeutschland steigen die Zahlen stärker
Der Anstieg fällt in Sachsen-Anhalt deutlich stärker aus als im Bundesdurchschnitt. Innerhalb eines Jahres nahm die Zahl der Empfänger um 6,2 Prozent zu. Bundesweit waren es 3,2 Prozent. Deutschlandweit bezogen zuletzt rund 774.000 Menschen Grundsicherung im Alter.
In anderen ostdeutschen Bundesländern fällt der Anstieg noch größer aus. In Thüringen stieg die Zahl binnen eines Jahres um 8,4 Prozent auf 9715, in Sachsen um 7,7 Prozent auf 21.575 und in Brandenburg um 7,6 Prozent auf 13.335 Empfänger.
Auch in Mecklenburg-Vorpommern (5,3 Prozent) und Berlin (3,6 Prozent) stiegen die Zahlen stärker als im Bundesdurchschnitt. Zusammengenommen verzeichneten die fünf ostdeutschen Flächenländer einen Anstieg um gut sieben Prozent.
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Frauen sind unter den Empfängern häufiger vertreten als Männer. Bundesweit machen sie rund 57 Prozent aus, in Sachsen-Anhalt sind es gut 52 Prozent. Dort waren zuletzt 6235 Frauen auf Grundsicherung im Alter angewiesen.
BSW fordert Volksabstimmung über die Rente
Der BSW-Fraktionsvorsitzende Thomas Schulze kritisierte angesichts der Zahlen die Rentenpolitik der Bundesregierung. „Das deutsche Rentensystem ist in einem denkbar schlechten Zustand. Altersarmut nimmt immer weiter zu“, sagte er dieser Zeitung.
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Schulze warnte vor weiteren Kürzungen durch die geplante Rentenreform. „Dass man nach 45 Jahren nicht mehr abschlagsfrei in Rente gehen können soll, ist inakzeptabel. Sachsen-Anhalt muss dagegen ein Veto im Bundesrat einlegen.“
Hintergrund ist eine Empfehlung der Rentenkommission, den vorzeitigen Renteneintritt ohne Abschläge nach 45 Versicherungsjahren abzuschaffen. Die Bundesregierung arbeitet an der Umsetzung der Empfehlungen. Die konkrete gesetzliche Regelung steht noch aus.
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Schulze forderte außerdem eine bundesweite Volksabstimmung über die Rente. „Die Bürger sollten die Möglichkeit bekommen, sich für ein Rentensystem wie in Österreich aussprechen zu können.“ Dort lägen die durchschnittlichen Renten nach seinen Angaben rund 800 Euro höher als in Deutschland.
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