Die Zahl der Asylsuchenden in Sachsen-Anhalt geht weiter zurück. Im September registrierte das Innenministerium 160 neue Schutzsuchende, rund 100 weniger als im Vorjahresmonat. Weniger waren es in einem September zuletzt 2011. Die Landesregierung sieht darin eine Folge der strengeren Migrationspolitik, Migrationsforscher verweisen auch auf die Lage in den Herkunftsländern.
Seit Januar hat das Land knapp 1.500 Asylsuchende aufgenommen, etwa ein Drittel weniger als im gleichen Zeitraum 2025. Im Sommer hatte das Ministerium für das Gesamtjahr weniger als 2.000 Neuzugänge hochgerechnet. Das wäre der niedrigste Wert seit 15 Jahren.
Warum sinken die Asylzahlen?
Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) führt den Rückgang vor allem auf die veränderte Migrationspolitik in Deutschland und Europa zurück. Zuwanderung werde inzwischen wieder stärker gesteuert und begrenzt. Bei Abschiebungen und freiwilligen Ausreisen dürfe das Land nicht nachlassen. Die Ministerin begrüßte, dass auf EU-Ebene künftig Rückführungszentren in Drittstaaten möglich sein sollen.
Migrationsforscher weisen seit Längerem darauf hin, dass politische Maßnahmen Fluchtbewegungen nur begrenzt und oft nur kurzfristig beeinflussen. Ebenso wichtig sei, wie sich die Lage in den Herkunftsländern entwickle. Brechen dort weniger Menschen auf, kommen auch in Europa weniger an.
Asylsuchende seit 2015: Die wichtigsten Herkunftsländer
Die meisten Asylsuchenden kamen 2015 nach Sachsen-Anhalt, bis in den November hinein rund 35.000. In den Folgejahren sanken die Zahlen. 2022 und 2023 stiegen sie noch einmal auf rund 6.000 beziehungsweise knapp 8.000. Seitdem gehen sie jedes Jahr zurück.
In den vergangenen Jahren stammten die meisten Asylsuchenden aus Syrien, Afghanistan und der Türkei. Antragsteller aus Syrien und Afghanistan beriefen sich vor allem auf Krieg, Gewalt und Verfolgung, Antragsteller aus der Türkei überwiegend auf politische Verfolgung.
Ukraine-Flüchtlinge und Syrer
Geflüchtete aus der Ukraine durchlaufen kein Asylverfahren und tauchen deshalb in der Asylstatistik nicht auf. Seit Beginn des Ukraine-Kriegs im Februar 2022 hat Sachsen-Anhalt gut 46.000 Menschen aus der Ukraine aufgenommen. Im Frühjahr 2026 lebten noch rund 37.000 von ihnen im Land, etwa vier Fünftel. Die übrigen sind zurückgekehrt oder weitergezogen. Ukrainer bilden damit die größte Gruppe unter den Menschen ohne deutschen Pass im Land.
Danach folgen Syrer. Ende 2025 lebten knapp 30.000 von ihnen in Sachsen-Anhalt, gut 15.000 mehr als 2015. Gekommen sind deutlich mehr: Viele sind nach dem Asylverfahren in andere Bundesländer gezogen, andere wurden eingebürgert und tauchen in der Statistik der ausländischen Staatsangehörigen nicht mehr auf. Aus Afghanistan lebten zuletzt rund 9.000 Menschen im Land.
Wie viele Geflüchtete in Sachsen-Anhalt arbeiten
Von den Ukrainern hatten Anfang 2026 rund 7400 eine sozialversicherungspflichtige Stelle. Das ist gut ein Viertel derjenigen im erwerbsfähigen Alter. 2022 lag der Anteil bei gut einem Zehntel.
Unter Menschen aus den wichtigsten Asylherkunftsländern, zu denen Syrien und Afghanistan zählen, waren es zum selben Zeitpunkt knapp 40 Prozent. Umgekehrt haben rund sechs von zehn Menschen im erwerbsfähigen Alter aus diesen Ländern keine sozialversicherungspflichtige Arbeit, bei den Ukrainern knapp drei Viertel. Wer eine Stelle hat, arbeitet häufig in der Industrie, im Handel, in der Logistik oder in der Zeitarbeit. Bei Deutschen liegt die Quote bei rund zwei Dritteln. Als wichtige Hürde nennt die Arbeitsagentur fehlende Deutschkenntnisse.
Zahl der Menschen ohne deutschen Pass verdoppelt
Insgesamt ist die Zahl der ausländischen Staatsangehörigen in Sachsen-Anhalt von gut 80.000 im Jahr 2015 auf über 190.000 Ende 2025 gestiegen. Damit hat etwa jeder elfte Einwohner keinen deutschen Pass. Neben Geflüchteten zogen auch Arbeitskräfte aus EU-Staaten wie Rumänien und Polen zu.
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Nach Angaben der Arbeitsagentur scheiden in Sachsen-Anhalt mehr Ältere aus dem Berufsleben aus, als Junge nachrücken. Die Landesregierung verweist darauf, dass die Zahl der Beschäftigten im Land seit 2018 nur dank Arbeitskräften aus dem Ausland stabil geblieben ist.
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