Bildungsmonitor

Sachsen bleibt Spitzenreiter im Bildungsvergleich der Länder

Sachsen ist im „Bildungsmonitor“ erneut Nummer eins. Die GEW zweifelt an der Aussagekraft des Rankings.

3 Min
Sachsen belegt beim Bildungsmonitor wieder den Spitzenplatz.

Sachsen belegt beim Bildungsmonitor wieder den Spitzenplatz.

© Lilli Förter/dpa

Sachsen ist im diesjährigen Bildungsmonitor der arbeitgebernahen Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) erneut Spitzenreiter im Vergleich der Bundesländer. Auf den weiteren Plätzen folgen wie im Vorjahr Bayern, Hamburg und Baden-Württemberg. Am Ende der Rangliste liegen Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt vor dem Schlusslicht Bremen. Das teilte die INSM anlässlich der Veröffentlichung der Studie mit.

Die vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführte Untersuchung bewertet die Bildungssysteme anhand von 98 Indikatoren. Verglichen werden unter anderem Bildungsausgaben pro Schüler, Investitionen in Schulen und Hochschulen, Betreuungsschlüssel, Klassengrößen und die Schulabbrecherquote. Im Mittelpunkt stehe die Frage, welchen Beitrag das Bildungssystem zur Sicherung von Wohlstand, Aufstiegsmöglichkeiten und Teilhabe leiste, heißt es in der Studie.

Bei Sachsen heben die Autoren die Ganztagsbetreuung hervor: Ein besonders großer Anteil der Kinder werde ganztägig in Schule oder Kita betreut. Zudem sei das Kita-Personal gut qualifiziert, und der Freistaat schneide in Schulleistungstests gut ab.

Warnung vor sinkenden Kompetenzen

Bundesweit weisen die Autoren auf negative Entwicklungen hin, darunter sinkende Kompetenzen in Mathematik, Naturwissenschaften und beim Lesen sowie einen steigenden Anteil an Schülern, die Mindeststandards nicht erreichen. Dies gefährde laut Studie „nicht nur individuelle Teilhabe und Aufstiegschancen, sondern auch die Fachkräftebasis der deutschen Wirtschaft insgesamt“. Handlungsbedarf bestehe von der frühen Sprachförderung bis zur beruflichen Nachqualifizierung.

Bestätigt werden diese Befunde durch die aktuelle Pisa-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Danach erzielten die getesteten 15-Jährigen in Deutschland in Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften die niedrigsten Kompetenzwerte seit Beginn der Pisa-Erhebungen. Damit liege Deutschland in allen drei Bereichen nahe am Durchschnitt der rund 90 getesteten Länder, an der Spitze stünden erneut Singapur und vier chinesische Regionen, heißt es in der Studie. Nur rund 70 Prozent der deutschen Schüler erreichten beim Lesen das von der OECD definierte Mindestniveau, in China seien es 93 Prozent. Das mehrgliedrige Schulsystem in Deutschland betone laut den Autoren Leistungsunterschiede zusätzlich.

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Clemens sieht weiteren Reformbedarf

Sachsens Kultusminister Conrad Clemens (CDU) erklärte, der Freistaat könne sich auf dem Spitzenplatz nicht ausruhen. Noch in diesem Jahr solle eine Änderung des Schulgesetzes vorgestellt werden. Ziele seien eine datengestützte Schulentwicklung, kompetenzorientiertes Lernen und mehr Medienbildung.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte davor, aus dem Ergebnis auf ein funktionierendes Bildungssystem zu schließen. Der Bildungsmonitor bilde vor allem bildungsökonomische Kennzahlen ab und blende zentrale Bedingungen guter Bildung aus, teilte die Gewerkschaft mit. „Sachsen ist da nur der Einäugige unter den Blinden“, sagte GEW-Landeschef Burkhard Naumann. Beschäftigte in Kitas und Schulen erlebten täglich Personalmangel, Abordnungen und steigende Belastung. Statt weiterer Rankings brauche es politische Konsequenzen im Doppelhaushalt 2027/28. (mit dpa)

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