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Vatikan

Sachsens Ministerpräsident spricht mit dem Papst über KI: „Finger in die Wunde gelegt“

Michael Kretschmer erfuhr eine besondere Ehre: Als erstes deutsches Landesoberhaupt bekam er eine Privataudienz bei Leo XIV. Dabei ging es auch um einen möglichen Deutschlandbesuch.

5 Min
Ministerpräsident Kretschmer traf am Mittwoch Papst Leo XIV im Vatikan.

Ministerpräsident Kretschmer traf am Mittwoch Papst Leo XIV im Vatikan.

© Vatican Media/Simone Risoluti/imago

Als erster deutscher Ministerpräsident ist Sachsens Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) von Papst Leo XIV. im Vatikan zu einer Privataudienz empfangen worden. Der Regierungsdelegation aus Sachsen gehörten zudem Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch, Infrastrukturministerin Regina Kraushaar und Justizministerin Constanze Geiert (alle CDU) an.

Bei dem Treffen im Apostolischen Palast ging es um Themen wie den Ukraine-Krieg und Künstliche Intelligenz (KI). Kretschmer sagte anschließend, der Papst beteilige sich stark „an den großen Zukunftsthemen, die die Welt bewegen“.

Der Papst hatte im Mai in seiner vielbeachteten ersten Enzyklika auf Chancen und Risiken von KI aufmerksam gemacht. Kretschmer sprach ebenfalls von einer „Zukunftstechnologie“. „Aber der Heilige Vater hat aus meiner Sicht zu Recht den Finger in die Wunde gelegt.“ Wichtig sei, dass der Mensch die Technologie bestimme – „und nicht andersherum“. „Wir brauchen vernünftige Regulierungen, die uns in Zukunft auch diese Technologie sicher einsetzen lassen.“

Einladung zum Deutschlandbesuch

Bei dem Treffen ging es auch um einen möglichen Besuch des Oberhaupts von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken in Deutschland. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte bereits vergangenes Jahr in einer Privataudienz eine Einladung ausgesprochen. „Wir haben die Einladung gerade noch einmal erneuert und haben gehört, dass er das wirklich gerne machen würde“, sagte Kretschmer. Einen Termin gebe es aber noch nicht.

Es war nicht die erste Privataudienz für Michael Kretschmer. 2022 empfing Papst Franziskus ihn und seine Ehefrau Annett Hoffmann im Vatikan. Kretschmer selbst bezeichnete seine erste Audienz und das Gespräch mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche als unvergesslich, als er nach dem Tod von Papst Franziskus 2025 Anteil nahm.

Ebenso reist auch eine 15-köpfige Delegation des Bistums Dresden-Meißen, der unter anderen der emeritierte Bischof Heinrich Timmerevers und Diözesenadministrator Andreas Kutschke angehören, der derzeit die Amtsgeschäfte führt.

Der Papst bekam einen Erzgebirgsstollen von MP Kretschmer und seinen Ministerinnen Barbara Klepsch, Regina Kraushaar und Constanze Geiert (v.l.) überreicht.

Der Papst bekam einen Erzgebirgsstollen von MP Kretschmer und seinen Ministerinnen Barbara Klepsch, Regina Kraushaar und Constanze Geiert (v.l.) überreicht.

© Vatican Media/Simone Risoluti/imago

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Schwerpunkte der Reise von Dienstag bis Donnerstag seien das 30-jährige Bestehen des Staatskirchenvertrages zwischen Sachsen und dem Heiligen Stuhl sowie die Stärkung der Partnerschaft zur Region Latium, teilte die sächsische Staatskanzlei mit.

Während seines Aufenthaltes übergibt Kretschmer einen 80 Zentimeter großen Herrnhuter Stern, der ab 8. Dezember in einer Seitenkapelle des Petersdoms leuchten soll. Der Vertreter der Dombauhütte nannte den Herrnhuter Stern ein wichtiges Symbol und ein Zeichen der Freude: „In diesem Jahr werden wir an Deutschland und an Sachsen denken, wenn wir die Krippe aufstellen.“

Auch ein vier Kilogramm schwerer Christstollen aus dem Erzgebirge reiste mit nach Rom. Den hat Konditor Thomas Neubert aus Bärenstein extra gebacken und dazu ein eigens angefertigtes Holzbrett mit dem Namen des Pontifex anfertigen lassen.

Naumburger Cranach-Altaraufsatz nach Rom ausgeliehen

Gemeinsam mit dem Leipziger Künstler Michael Triegel werde Kretschmer außerdem das Cranach-Triegel-Altarretabel des Naumburger Doms besichtigen, hieß es. Das von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553) geschaffene und 2022 von Triegel ergänzte Kunstwerk wird derzeit in der Kirche Santa Maria della Pieta auf dem Campo Santo Teutonico direkt neben dem Petersdom präsentiert. Es wurde für zwei Jahre nach Rom ausgeliehen.

In Naumburg hatte der neu gestaltete Altaraufsatz für Diskussionen gesorgt. Nach Ansicht von Experten verdeckten die Altarbilder die berühmten Stifterfiguren aus dem 13. Jahrhundert. Wegen einer drohenden Aberkennung des Unesco-Welterbetitels für den Dom soll nun eine akzeptable Lösung gefunden werden.

Auf dem Programm steht zudem der Besuch der Päpstlichen Universität Gregoriana und Gespräche mit Gelehrten über Kirchenrecht. Sachsen feiert in diesen Tagen den 30. Jahrestag der Kirchenstaatsverträge, die das Zusammenspiel zwischen Kirche und Staat beispielsweise im Religionsunterricht an sächsischen Schulen oder auch bei der Seelsorge im Strafvollzug oder bei der Polizei regeln.

„Der Vertrag ist das sichtbare Zeichen einer Haltung. Zu dieser Haltung gehört Treue. Sie verlangt nicht, dass Staat und Kirche in jeder Frage übereinstimmen. Treue bedeutet, einander auch im Unterschied verbunden zu bleiben, aufmerksam zuzuhören und miteinander im Gespräch zu bleiben. Diese Haltung ist heute möglicherweise noch wichtiger als 1996“, sagt Diözesenadministrator Kutschke.

Sachsens emeritierter Bischof Timmerevers (r.) und das derzeitige Oberhaupt des Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke (m.), bekamen bei der Generalaudienz des Papstes prominente Plätze.

Sachsens emeritierter Bischof Timmerevers (r.) und das derzeitige Oberhaupt des Bistums Dresden-Meißen, Andreas Kutschke (m.), bekamen bei der Generalaudienz des Papstes prominente Plätze.

© Bistum Dresden-Meißen

Papst sucht neuen sächsischen Bischof mit aus

Der Heilige Vater ist in den nächsten Wochen und Monaten auch in die Suche nach einem neuen Bischof für Sachsen involviert. Anfang September hatte Papst Leo XIV. das Rücktrittsgesuch von Bischof Heinrich Timmerevers entgegengenommen.

Diesem wird in Rom diese Woche noch einmal eine große Ehre zuteil: Er darf seine letzte Messe am Donnerstagmorgen im Petersdom abhalten. Zudem sitzt seine Delegation morgen prominent bei der Generalaudienz des Papstes auf dem Petersplatz – und hofft auf ein persönliches Zusammentreffen mit dem Kirchenoberhaupt.

Zeitgleich begann die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. In Rom werden dazu die jährlich eingereichten Empfehlungen des bisherigen Bischofs sowie die Vorschläge des Domkapitels gesichtet. Unter Würdigung dieser Listen erstellt der Heilige Stuhl einen Dreiervorschlag, der zumindest einen Kandidaten aus dem Bistum Dresden-Meißen enthalten muss.

Aus dieser „Terna“ wählt das Domkapitel in freier und geheimer Wahl den neuen Bischof von Dresden-Meißen, der dann durch den Heiligen Vater ins Amt berufen wird. Ein Prozess, der erfahrungsgemäß bis zu einem Jahr dauern kann, so die Pressestelle des Bistums. (mit dpa)

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