Elbsandsteingebirge

Hier muss man beim Wandern mit Kindern besonders aufpassen: Fünfjährige in Felsspalte gestürzt

Unfälle mit Wanderern gehören mittlerweile zum Tagesgeschäft der Bergwacht. Doch wer mit Kindern in der Sächsischen Schweiz wandert, sollte besonders vorsichtig sein.

4 Min
Im Felsenlabyrinth Langenhennersdorf bei Königstein stürzte ein Kind in eine Felsspalte.

Im Felsenlabyrinth Langenhennersdorf bei Königstein stürzte ein Kind in eine Felsspalte.

© Marko Foerster

Die Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz ist magisch, aber auch nicht ungefährlich. Gerade in den Herbstferien sind viele Familien mit Kindern im Elbsandsteingebirge unterwegs. Für eine Familie endete das Ganze jetzt mit einem großen Schrecken.

Am Dienstagnachmittag stürzte eine Fünfjährige im Felsenlabyrinth Langenhennersdorf bei Königstein in der Sächsischen Schweiz mehrere Meter tief in eine Felsspalte und musste vom Notarzt versorgt werden.

Das Labyrinth sind mehrere eng aneinander stehende Felsgebilde, durch die verschlungene Wege führen, die vor allem nach Regen nur langsam abtrocknen und lange glatt sind. Auch der poröse Sandstein selbst ist durch die Herbstfeuchte rutschig.

Das Mädchen soll nach Aussagen der Rettungskräfte auf den Felsen geklettert sein und versucht haben, über eine Felsspalte auf den nächsten Stein zu springen. Dabei fiel sie vier Meter tief – und hatte dennoch Glück im Unglück. Die Mutter konnte in die Felsspalte vordringen und ihre Tochter selbst retten.

Die Kleine hatte sich am Arm verletzt. Die herbeigerufene Bergwacht und der Notarzt übernahmen dann die Erstversorgung. Ein Rettungshubschrauber aus Dresden flog das Kind zur weiteren Behandlung in ein Dresdner Krankenhaus.

Das macht Herbstwanderungen besonders gefährlich

„Besonders im Stein-Labyrinth kommt es immer wieder zu Unfällen mit Kindern, das liegt auch an der Beliebtheit des Ausflugsziels bei Familien“, erklärt Kai Kranich, Pressesprecher der DRK-Bergwacht, im Gespräch mit der OAZ. Er bittet Eltern dringend, „mit den Kindern vorab zu besprechen, dass das Labyrinth kein Abenteuerspielplatz ist, sondern ein Naturerlebnis ohne jede Sicherungssysteme. Man sollte also die Kinder nicht aus den Augen verlieren.“

Zudem mache das Herbstwetter die Ausflüge gefährlicher als im Sommer: „Regen und Feuchtigkeit dringen in den Sandstein und machen ihn teilweise rutschig wie Seife. Das befördert Unfälle - da sollten alle Wanderer vorsichtig sein“, rät Kranich weiter.

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Die Sächsische Schweiz ist urwüchsig, die Felsen bieten oft keine Absturzsicherung.

Die Sächsische Schweiz ist urwüchsig, die Felsen bieten oft keine Absturzsicherung.

© Sylvio Dittrich/imago

Eine weitere Besonderheit in der Sächsischen Schweiz ist die Urwüchsigkeit. Auf der einen Seite verzaubert die Felsenwelt die Kinder wie im Film „Die Chroniken von Narnia“, der übrigens teilweise in der Region gedreht wurde. Zum anderen birgt die Naturbelassenheit gewissen Gefahren. Einige Aussichtspunkte haben teilweise keinerlei Absturzsicherung. Ein falscher Schritt kann da durchaus tödlich enden. Der Gohrisch, ein Felsplateau nahe Königstein, ist dafür ein gutes Beispiel. Er bietet eine traumhafte 360-Grad-Aussicht – aber kaum Geländer, die vor dem Abgrund schützen.

Diese Erfahrung machte ein 20-Jähriger Anfang Oktober beim Wandern auch in den Affensteinen. Er verlor auf einem schmalen Weg nahe des Hentzschelturms den Halt und stürzte 90 Meter tief. Der weiche Waldboden, auf den er aufschlug, rettete dem Leipziger wohl das Leben, vermutete damals die Bergwacht.

Von Dunkelheit überrascht

„Ein weiteres Problem, was unterschätzt wird, sind die kürzer werdenden Tage. Häufig haben wir Einsätze, wo sich Wanderer abends in der Dunkelheit verirren, weil sie die Tour unterschätzt haben und so länger brauchen oder sich zu spät auf den Heimweg gemacht haben“, sagt Kranich.

So konnte einem 23-Jährigen am letzten Wochenende gerade noch rechtzeitig geholfen werden: Der Mann war in den Affensteinen von einem Felsen gerutscht und hatte sich an der Schulter verletzt. Der Alarm ging jedoch erst kurz vor 18 Uhr bei der Bergwacht ein. Der Rettungshubschrauber wurde aus Bautzen angefordert, die Notärztin direkt zum Verletzten gebracht.

Weil die Dunkelheit näherrückte, musste es schnell gehen. Die Rettung erfolgte mithilfe eines Rettungsdreiecks und der Winde.

Was viele nicht wissen: „Der Rettungshubschrauber kann in der Dunkelheit mit einer Seilwinde nur unter bestimmten Bedingungen noch zum Einsatz kommen, ist also nachts nicht durchgehend einsatzfähig“, erklärt Kranich.

Dann bliebe im Ernstfall nur die Rettung der Bergwacht, die sich mühsam zu Fuß durchs Gelände kämpfen und in Felsspalten abseilen müsste.

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