Livemusik

Hype aus Kopenhagen: Die experimentelle Popmusik von GB klingt live im Urban Spree ganz anders

Der dänische Künstler hat ein neues Album aufgenommen. Die Musik ist großartig – und er Teil von etwas Größerem. Die Konzertkritik aus Berlin.

Ben Bruinier
Ben Bruinier
4 Min
Gustav Berentsen alias GB und seine Band spielen im Urban Spree.

Gustav Berentsen alias GB und seine Band spielen im Urban Spree.

© DAVIDS

Am Mittwochabend besuchte ich ein Konzert im Urban Spree an der Warschauer Straße. Ein Ort, an dem die kulturellen Fronten Berlins krachend aufeinandertreffen.

Dort strömten Massen an Touristen in alle Richtungen. Über allen ragt der Amazon Tower in den Himmel und die riesigen Werbebanner für die Events in der Uber Arena schieben einem dem Eindruck einer vollends kommerzialisierten Stadt vor Augen.

Trotzdem findet man unweit des Trubels einen Club wie das Urban Spree. Eine kleine Höhle, die schon leicht heruntergerockt wirkt und laute Live-Musik bietet. Hier schwimmt man noch ein wenig im Untergrund der Berliner Musikszene mit – soweit es diesen noch gibt.

Perspektive im Untergrund

Gegen 21.45 Uhr haben sich wohl ein bisschen mehr als siebzig Menschen im Konzertraum versammelt – alle für den Musiker des heutigen Abends: GB. Das ist wahrlich keine große Menge, aber genug, dass der Künstler auf seiner beschaulichen Europa-Tour so einige kleine Konzertsäle füllen kann.

Dann schlendert GB inklusive Band schüchtern auf die Bühne. In der Musik hört man davon nichts mehr. Dunkle und verworrene Gitarrenmelodien und flinke Schlagzeugrhythmen füllen den Raum direkt. GB selbst spielt Gitarre und singt gleichzeitig. Er beherrscht beides virtuos.

Die dänische Goldschmiede

GB ist der Alias von Gustav Berentsen. Ein Künstler aus Dänemark und Absolvent des renommierten Rythmic Music Conservatory in Kopenhagen. Es ist die Universität, die für eine neue Bewegung alternativer Popmusik gesorgt hat und einen gehypten Newcomer-Artist nach dem anderen ausspuckt. 

Auch GB ist ein Teil dieser Welle an kreativen und interessanten Künstlern, die aus Kopenhagen nun die Herzen der Musiknerds erobern. Lange wird es allerdings nicht dauern bis der Mainstream dieses Potenzial erschnüffelt hat.

Die Spotify-Redaktion hat es schon verstanden, es gibt bereits  die „cph+“-Playlist. Hier werden GB und seine Kopenhagen-Kollegen wie ML Buch, Smerz, Astrid Sonne oder Erika De Casier – alles auch Consevatory-Absolventen – schon eifrig in die Algorithmen gespült.

Ein bunter Mix

Die Musik von GB ist experimentell, aber im Herzen poppig. Sie vereint viele Einflüsse. Von Jazz-Elementen bis zu The Cure-Inspiration, alles ist dabei.

Im Konzert performt GB auf Tour als Trio. Gitarre, Bass und Schlagzeug. Als klassische Band verliert die Musik etwas von ihrem aufwendig produzierten und teilweise elektronischen Charakter. Dafür hat die Musik live etwas mehr Schwung als auf den Aufnahmen.

Dunkle, verträumte Gitarrenriffs zeichnen die Songs aus. Dazu kommt Berentsens klare und sanfte Stimme, die authentisch wirkende Worte in die Ohren der Zuhörer raunt.

Ein Höhepunkt schält sich heraus, wenn die Songs des neuen Albums „Herzsprung“ gespielt werden. Die abgehackte Gitarrenmelodie von „Adrenaline“ verbindet sich mit dem Schlagzeug zu einem außergewöhnlichen Groove – und GB zeigt einmal mehr seine ausgezeichneten Künste an der Gitarre.

„If You're Only Still Around“ ist einer der stärksten Songs der neuen Platte. Auch dieser klingt live etwas anders – aber sicherlich nicht schlechter. Es wäre auch sehr ambitioniert, jedes Detail der Produktion auf der Bühne zu rekreieren.

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Qualität auf Vinyl

Das neue Album von GB „Herzsprung“ erschien im August auf seinem neuen Label AD 93“ Es ist hörenswert in jeder Hinsicht. Die Songs sind verspielt und raffiniert. Die Musik fühlt sich nach frischem Wind an. Einen neuen, einprägsamen Sound hat der Musiker aus Kopenhagen da geschaffen.

Sein Livekonzert in Berlin rundet er mit „Small Gods“ zu einer gelungenen Performance ab. Die familiäre Atmosphäre im Raum ist angenehm. Nachdem die Musiker ihre Instrumente abgelegt haben, begeben sie sich sofort zum Merch-Stand. Hier kann man eine der besten Platten des Jahres signiert ergattern. Ich lasse mich nicht lumpen und kaufe die Vinyl.

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