Ein drohender 18-tägiger Streik beim südkoreanischen Halbleiterkonzern Samsung könnte ab Mai spürbare Folgen für deutsche Verbraucherinnen und Verbraucher haben. Wer einen neuen PC, eine SSD, ein Smartphone oder eine Grafikkarte plant, muss mit weiter steigenden Preisen rechnen. Grund ist ein Tarifkonflikt in den Halbleiterwerken des weltgrößten Speicherchipherstellers, der die ohnehin angespannte Lage am Speichermarkt zusätzlich verschärfen dürfte.
Die größte Samsung-Gewerkschaft, die „Super-Enterprise Labor Union“, hat einen Streik ab dem 21. Mai angekündigt. Laut der Seoul Economic Daily wollen rund 26.000 Beschäftigte die Arbeit niederlegen, hauptsächlich in den Halbleiterwerken. Damit käme die Produktion von DRAM-Arbeitsspeicher und NAND-Flash – den Grundbausteinen praktisch jedes elektronischen Geräts – weitgehend zum Erliegen.
Warum das in Deutschland zu spüren wäre
Samsung ist mit einem Marktanteil von rund 30 bis 40 Prozent der weltweit größte Hersteller von DRAM. Neben SK Hynix und Micron ist das Unternehmen einer von nur drei global relevanten Anbietern. Fällt einer dieser Hersteller aus, reagieren die Preise weltweit – auch im deutschen Einzelhandel.
Bereits jetzt steigen die Preise für Arbeitsspeicher und SSDs deutlich. Cloud-Anbieter wie Microsoft, Amazon, Google und Meta kaufen den Markt für ihre KI-Rechenzentren nahezu leer. Samsungs Speicherumsatz hat sich binnen eines Jahres vervierfacht. Marktbeobachter rechnen laut TechSpot mit weiter anziehenden Preisen, sollte der Streik tatsächlich stattfinden.
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Besonders kritisch: Ein Wafer – die Siliziumscheibe, aus der Chips gefertigt werden – verbringt mehrere Monate in der Produktion. Ein Stillstand von 18 Tagen wirkt sich daher nicht nur in diesem Zeitraum aus, sondern stört den gesamten Fertigungszyklus. Bereits nach einer eintägigen Protestaktion Ende April meldete die Seoul Economic Daily Produktionsrückgänge von zeitweise 18 Prozent in der Speicherfertigung.
Was deutsche Verbraucher konkret erwartet
Konkret betroffen sein dürften mehrere Produktkategorien:
DRAM-Module für PCs und Notebooks: Die Preise für Arbeitsspeicher-Riegel, etwa von Marken wie Corsair, Kingston oder G.Skill, basieren überwiegend auf Chips von Samsung, SK Hynix oder Micron. Verteuerungen werden meist innerhalb weniger Wochen an den Handel weitergegeben.
SSDs: Festplatten auf Flash-Basis nutzen NAND-Speicher, den Samsung in großen Mengen produziert. Ein Engpass könnte die zuletzt günstigen Preise für Terabyte-SSDs zurückdrehen.
Smartphones: Samsung selbst, aber auch Apple, beziehen Speicher aus den betroffenen Werken. Höhere Bauteilpreise könnten in die Endgeräte einfließen.
Grafikkarten: Moderne GPUs von Nvidia und AMD nutzen GDDR-Speicher sowie zunehmend HBM (High Bandwidth Memory) – einen besonders schnellen Spezialspeicher für KI-Beschleuniger. Hier hat sich Konkurrent SK Hynix technologisch abgesetzt, doch jede zusätzliche Verknappung treibt die Preise im gesamten Segment.
Spielkonsolen und Smart-TVs: Auch diese Geräte enthalten erhebliche Mengen DRAM und Flash-Speicher.
Hintergrund des Konflikts
Auslöser des Tarifkonflikts ist die Forderung der Beschäftigten nach einer stärkeren Beteiligung an den durch den KI-Boom rasant gestiegenen Konzerngewinnen. Konzernweit setzte Samsung im ersten Quartal rund 78 Milliarden Euro um, der Betriebsgewinn lag bei etwa 33 Milliarden Euro. Die Gewerkschaften verlangen eine fest im Tarif verankerte Bonusbeteiligung von 15 Prozent des Betriebsgewinns sowie den Wegfall der Obergrenze von 50 Prozent des Jahresgehalts.
Druck erzeugt der Konkurrent SK Hynix, der seinen rund 35.000 Beschäftigten zehn Prozent des Betriebsgewinns über zehn Jahre zugesagt hat. Laut Berichten könnten die durchschnittlichen jährlichen Boni dort bereits 2027 die Marke von 500.000 Euro pro Mitarbeitenden überschreiten. Samsung bietet laut Quellen der Financial Times bislang einen einmaligen Bonus von 13 Prozent des Betriebsgewinns, lehnt aber eine langfristige Verankerung im Tarifvertrag bislang ab.
Wie sich Verbraucher vorbereiten können
Wer in den kommenden Monaten ohnehin einen Kauf plant, könnte nach dem Branchendienst Heise Online vom aktuellen Preisniveau profitieren. Branchenbeobachter empfehlen, anstehende Anschaffungen von Arbeitsspeicher, SSDs oder Komplett-PCs eher vorzuziehen, da kurzfristige Preissprünge wahrscheinlicher werden. Bei Smartphones und Grafikkarten dürfte sich die Verknappung erst mit zeitlicher Verzögerung in den Verkaufspreisen niederschlagen.
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Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Selbst wenn der Streik durch die laufenden Schlichtungsgespräche der südkoreanischen National Labor Relations Commission (NLRC) abgewendet wird, bleibt die Grundproblematik bestehen: Die KI-Rechenzentren der großen US-Konzerne binden so viel Speicherkapazität, dass für den Endkundenmarkt weniger Bauteile zu deutlich höheren Preisen verfügbar sind. Die Folgen dieser Entwicklung dürften deutsche Verbraucher noch über Monate in den Preisschildern von Elektronikartikeln wiederfinden.
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