Jetzt, nachdem zu ansteigender Formkurve der deutschen Mannschaft der viel beschworene Boykott zu bröckeln beginnt, kommen auch die TV-Experten wieder besser ins Spiel. Wie einst Delling und Netzer kabbeln sich Per Mertesacker und Christoph Kramer, zwei Weltmeister von 2014, über Haltung, Mentalität und Taktik – mit deutlichem Originalitätsbonus für den vorlauten Kramer. Dass gediegene Langeweile kein Auswahlkriterium für den Zweitexperten vom Reporterplatz gewesen sein dürfte, lässt schon die Spielerkarriere des wechselfreudigen Sandro Wagner vermuten, dessen lockeres Mundwerk bei den Fans beliebt und von einigen Kollegen auf dem Platz gefürchtet war.
Ärger um Wagners „Bademäntel“-Kommentar: ZDF will mit Experten sprechen
Über Bademäntel und die Wagner-Burg
Der heutige Trainer des SpVgg Unterhaching war in knapp zehn Jahren bei sechs Profiklubs unter Vertrag, seine aktive Karriere beendete der heute 35-Jährige 2019 nach einer letzten Station in der chinesischen Super League bei Tianjin Teda.
Auslandserfahrungen bringen eine gewisse Weltläufigkeit mit sich, die bei Sandro Wagner allerdings nicht zu diplomatischer Zurückhaltung geführt hat. Und so ließ er es sich am Sonntagabend nicht nehmen, einen flotten Männerwitz auf Kosten der katarischen Gastgeber zu machen. In der 79. Minute, als das Spiel zwischen Deutschland und Spanien in die entscheidende Phase ging, ließ Wagner eine Bemerkung aus seinem Lästermaul fallen, die in den sozialen Medien umgehend zum Eklat hochgejazzt wurde. „Vorhin habe ich gedacht“, so Wagner, „die ganze Kurve ist voller Deutschland-Fans. Dann habe ich erst gemerkt, das sind die katarischen Bademäntel.“
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Das war als Anspielung auf das traditionelle Kleidungsstück Thawb, das vorwiegend von Männern auf der arabischen Halbinsel getragen wird, wenig kultursensibel formuliert. Seitens des ZDF hieß es, man wolle mit seinem Experten darüber sprechen. Das klang nicht gleich nach einem Platzverweis. Insgeheim hat man sich beim Sender wohl über Wagners Aufmerksamkeit für textile Details amüsiert, ohne deswegen diplomatische Konflikte riskieren zu wollen. Das Bedürfnis nach schneller Spielanalyse ist nun einmal nicht so leicht mit überschüssiger Fabulierfreude in Einklang zu bringen. Schon zu Beginn der Übertragung hatte der frühere FC-Bayern-Spieler Sandro Wagner deutlich gemacht, dass er in Sachen Kalauer beansprucht, in einer eigenen Liga zu spielen. Während sich die Studio-Experten angesichts der sportlich angespannten Lage der deutschen Mannschaft darüber unterhielten, ob nun eine Art Wagenburg-Mentalität gefragt sei, antworte Sandro W., er sei diesbezüglich immer schon in seiner ganz eigenen Wagner-Burg.
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