Saudi-Arabien gerät immer tiefer in den Krieg, der am 28. Februar mit gemeinsamen Angriffen Israels und der USA auf den Iran begann. Nach einer Serie von Attacken Iran-naher Gruppen haben saudische Luftabwehrkräfte nun nach eigenen Angaben eine Huthi-Drohne südlich von Mekka abgeschossen.
Die Drohne sei am Dienstag um 18.50 Uhr abgefangen worden, bevor sie in den gesperrten Luftraum über der heiligen Stadt eindringen konnte, erklärte der Sprecher der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition, Turki al-Malki. Die Sicherheit der heiligen Stätten und der Pilger sei eine „rote Linie“. Die Koalition werde Maßnahmen ergreifen, um weitere Angriffe abzuschrecken, berichteten Reuters und der Guardian.
Unabhängig überprüfen lassen sich die Herkunft, der Flugweg und das vorgesehene Ziel der Drohne bislang nicht.
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Huthis bestreiten Angriff auf Mekka
Al-Malki sprach vom zweiten Versuch der Huthis, Mekka anzugreifen. Bereits im Juli 2017 hatte die saudische Koalition erklärt, eine auf die Stadt gerichtete ballistische Rakete abgefangen zu haben.
Die Huthis weisen den neuen Vorwurf zurück. Ihr Sprecher Hazem al-Assad bezeichnete die Behauptung, die Gruppe habe Mekka ins Visier genommen, als eine bereits früher verbreitete Lüge. Auch ein von der Huthi-Nachrichtenagentur Saba zitierter Militärvertreter bestritt, dass vom Jemen eine Bedrohung für Mekka oder andere islamische Heiligtümer ausgehe.
Die Organisation für Islamische Zusammenarbeit, der 57 mehrheitlich muslimische Staaten angehören, verurteilte dagegen einen Angriff auf Mekka und machte die Huthis dafür verantwortlich.
In Mekka, Dschidda, Taif und weiteren Teilen Saudi-Arabiens waren zuvor Sicherheitswarnungen ausgelöst worden. Nach Angaben von Reuters war es der erste Alarm in Mekka seit Beginn des Iran-Kriegs.
Huthis melden Angriff auf saudischen Luftwaffenstützpunkt
Der Zwischenfall folgte auf mehrere Raketen- und Drohnenangriffe. Die Huthis erklärten, sie hätten den Luftwaffenstützpunkt König Khalid bei Chamis Muschait mit Dutzenden Flugkörpern angegriffen. Als Ziele nannten sie Hangars, Radaranlagen und Munitionslager.
Die saudische Militärkoalition bestätigte den behaupteten Treffer auf dem Stützpunkt nicht. Sie teilte jedoch mit, Geschosse seien in Wohngebieten von Chamis Muschait und benachbarten Städten eingeschlagen. Dabei seien 13 Menschen verletzt sowie sieben Häuser und zwei Fahrzeuge beschädigt worden, berichtet die Nachrichtenagentur AP.
Die Huthis bezeichnen ihre Angriffe als Reaktion auf saudische Luftangriffe im Jemen. Ein Vertreter des von ihnen kontrollierten Gesundheitsministeriums erklärte, dabei seien drei Menschen getötet worden, darunter zwei Kinder. AP konnte diese Angaben nicht unabhängig bestätigen.
Saudi-Arabien führt seit 2015 eine Militärkoalition gegen die vom Iran unterstützten Huthis. Nach einer Waffenruhe waren die Kämpfe mehrere Jahre deutlich zurückgegangen. Nun droht dem Jemen erneut ein umfassender Bürgerkrieg.
Saudi-Arabiens wichtigste Ölpipeline fällt wochenlang aus
Zusätzlich wächst der Druck auf die saudische Ölindustrie. Weil der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus infolge des Iran-Kriegs stark eingeschränkt ist, transportiert Saudi-Arabien einen großen Teil seines Öls über die 1200 Kilometer lange Ost-West-Pipeline zum Roten Meer.
Diese Leitung wurde in der vergangenen Woche von mehreren Drohnen getroffen. Das saudische Energieministerium bestätigte Verletzte und Schäden und ließ die Pipeline vorsorglich abschalten, wie aus einer Mitteilung der staatlichen Nachrichtenagentur SPA hervorgeht.
Nach saudischer Darstellung kamen die Drohnen aus dem Irak. Die irakische Regierung bestätigte später, dass sie in der Provinz Maisan gestartet worden seien. Ministerpräsident Ali al-Saidi ordnete Ermittlungen an und entließ den zuständigen Militärkommandeur. Wer die Drohnen abgeschossen hat, ist bislang nicht unabhängig geklärt. AP beruft sich auf regionale Regierungsvertreter, die Iran-nahe Milizen im Irak verantwortlich machen.
Die Pipeline werde wegen der Schäden an einer wichtigen Pumpstation voraussichtlich drei bis fünf Wochen weitgehend ausfallen, berichtet AP unter Berufung auf zwei mit der Angelegenheit vertraute Regierungsvertreter. Ein eingeschränkter Betrieb könne möglicherweise früher beginnen. Saudi-Arabien selbst hat noch keinen Termin für die Wiederaufnahme genannt.
Vor dem Angriff flossen nach einer Analyse des norwegischen Beratungsunternehmens Rystad Energy täglich zwischen 2,6 und vier Millionen Barrel durch die Leitung. Das entspricht im oberen Bereich etwa vier Prozent des weltweiten Ölangebots.
Huthis bedrohen auch die Route durch das Rote Meer
Auch der weitere Transportweg über das Rote Meer wird gefährlicher. Die Huthis haben in den vergangenen Tagen den Hafen von Mocha sowie die Inseln Mayun, Groß-Hanisch und Klein-Hanisch eingenommen. Die Angaben zu diesen Geländegewinnen wurden sowohl von Huthi-Vertretern als auch von Vertretern der international anerkannten Regierung des Jemen bestätigt.
Die Insel Mayun liegt direkt in der Meerenge Bab al-Mandab, durch die Schiffe vom Roten Meer in den Indischen Ozean gelangen. Die Hanisch-Inseln liegen rund 160 Kilometer weiter nördlich. Damit können die Huthis Saudi-Arabiens Ausweichroute für Ölexporte an mehreren Punkten bedrohen.
Kronprinz Mohammed bin Salman bat US-Präsident Donald Trump nach Angaben von Reuters bereits in der vergangenen Woche um militärische Unterstützung. Washington stellt bislang Geheimdienstinformationen zur Verfügung, greift aber nicht direkt in die Kämpfe gegen die Huthis ein.
Am Dienstag suchte Mohammed bin Salman auch die Unterstützung des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi. Beide erklärten nach ihrem Treffen in Kairo, die freie und sichere Schifffahrt im Roten Meer und im Bab al-Mandab müsse gewährleistet werden. Konkrete gemeinsame Maßnahmen kündigten sie nicht an.
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