Thüringer Wald

Saurier-Fundstelle Bromacker ist Millionen Jahre älter als gedacht

Die Neudatierung der Fossilfundstelle Bromacker liefert erstaunliche Erkenntnisse. Zirkonkristalle zeigen, dass sie vier Millionen Jahre älter ist als gedacht.

OAZ
3 Min
Auch der Saurier-Erlebnispfad Georgenthal zeugt von der bedeutenden Fossilienfundstätte Bromacker im heutigen Thüringer Wald.

Auch der Saurier-Erlebnispfad Georgenthal zeugt von der bedeutenden Fossilienfundstätte Bromacker im heutigen Thüringer Wald.

© Karina Hessland/IMAGO

Die Fossillagerstätte Bromacker zwischen Tambach-Dietharz und Georgenthal im Thüringer Wald ist deutlich älter als bisher angenommen. Statt 290 Millionen Jahre weisen die fossilführenden Gesteine ein Alter von 294 Millionen Jahren auf. Das geht aus einer Mitteilung der Friedenstein Stiftung Gotha hervor. Die Neudatierung basiert auf der Analyse einer nur wenige Millimeter dünnen vulkanischen Aschetuffschicht, die während einer Grabung im vergangenen Jahr entdeckt wurde.

Die Korrektur um vier Millionen Jahre mag auf den ersten Blick gering erscheinen, hat nach Angaben der Stiftung jedoch weitreichende Konsequenzen für das wissenschaftliche Verständnis früher Ökosysteme und Landwirbeltiere. Demnach entwickelte sich die Nahrungspyramide – mit Pflanzen an der Basis, zahlreichen Pflanzenfressern in der Mitte und wenigen Raubtieren an der Spitze – früher als bisher angenommen. Die Zeitspanne zwischen dem ersten Auftreten von Pflanzenfressern und der Herausbildung solcher Nahrungsnetze war demnach kürzer. Die Evolution der am Bromacker nachgewiesenen Lebewesen ging also schneller vonstatten als zuvor vermutet.

Der Bromacker gilt weltweit als einzigartig, weil dort sowohl versteinerte Wirbeltierfährten als auch die dazugehörigen Skelette der Tiere gemeinsam vorkommen. Bei dem fossil erhaltenen Ökosystem handelt es sich laut der Stiftung um den frühesten Nachweis einer vollständigen Nahrungspyramide an Land. Die Neudatierung der Fossillagerstätte ist Teil einer vom Bund und dem Freistaat Thüringen geförderten Kooperation.

Altersbestimmung durch radioaktive Isotope

Für die Altersbestimmung nutzten Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der TU Bergakademie Freiberg sogenannte Zirkonkristalle aus der Gesteinsprobe. An der Universität Jena wurden die winzigen Kristalle zunächst aus dem Gestein extrahiert, anschließend erfolgte an der Bergakademie Freiberg die radiometrische Analyse.

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Bei der Altersbestimmung machten sich die Wissenschaftler zunutze, dass Zirkone Spuren radioaktiver Elemente wie Uran und Thorium enthalten, die über lange Zeiträume zu verschiedenen Bleiisotopen zerfallen. Aus dem Verhältnis von Uran zu Blei beziehungsweise Thorium zu Blei lässt sich das Kristallisationsalter präzise berechnen. Zirkone eignen sich dafür besonders gut, da sie selbst gegenüber starker Verwitterung und geologischen Umwälzungen äußerst widerstandsfähig sind und die gespeicherten Informationen über Jahrmillionen bewahren.

Die Neudatierung wirkt sich auch über den Bromacker hinaus aus. Andere Fossillagerstätten ähnlichen Alters, die sich wie der Thüringer Fundort auf dem einstigen Superkontinent Pangäa bildeten, können nun zeitlich genauer eingeordnet werden. Das Alter dort gefundener Fossilien lässt sich damit präziser bestimmen. (mit dpa)

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