Klimaerwärmung

Schauriges Panorama in der Schweiz: Das schwarze Matterhorn

Das Schweizer Matterhorn ist einer der schönsten Berge der Welt. Üblicherweise ist der Gipfel auch im Sommer mit Schnee bedeckt – in diesem Jahr ist er rabenschwarz.

Lenja Stratmann
3 Min
Ein Anblick, an den man sich gewöhnen muss: das schneefreie Matterhorn.

Ein Anblick, an den man sich gewöhnen muss: das schneefreie Matterhorn.

© AFP

Im Italienischen „Monte Cervino“ genannt und nicht nur als Markenzeichen des Hollywoodstudios Paramount weltbekannt: Das Matterhorn ist ein Sehnsuchtsort für Tausende von Touristen, die sommers wie winters ins schweizerische Zermatt pilgern. Jedes Jahr verunglücken acht bis zehn von ihnen tödlich beim Versuch, den pyramidenförmigen Berg zu erklimmen. Seit der Erstbesteigung im Jahr 1865 sind am Matterhorn mehr als 500 Menschen ums Leben gekommen, so viele wie an keinem anderen Berg der Welt.

Trotz oder gerade wegen der großen Herausforderung ist der Berg unter Alpinisten so beliebt. Zwar gibt es viele Wege auf den Gipfel; die Standardroute aber führt über den üblicherweise eingeschneiten Hörnligrat. In diesem Jahr war es zu warm – die Passage ist freigeschmolzen, und nun führt der Aufsteig über Fels und loses Gestein, was ihn gefährlicher macht, als er ohnehin schon ist: Wer hier nur leicht vom Weg abkommt, kann in Steinschlag geraten oder ihn auslösen.

Das Matterhorn hat seine Schneedecke verloren

4478 Meter liegt der höchste Punkt des Berges über dem Meeresspiegel. Eine Gipfelhöhe, in der üblicherweise Schnee liegt, und das auch in den heißesten Monaten im Jahr. Doch dieser Tage ist das Matterhorn rabenschwarz: Der Sommer war zu heiß. Das Matterhorn hat seine Schneedecke verloren. Seit 1992 habe er das Phänomen des „schneefreien Matterhorns“ viermal wahrgenommen, so Anjan Truffer, Rettungschef der Bergrettung Zermatt.

Der Geograf und Alpenforscher Werner Bätzing erklärt, die Situation am Matterhorn sei „stärker als im Hitzesommer 2003, dem bisherigen Maximum, was Gletscherschmelze betrifft“. Für ihn sei das schwarze Matterhorn auch „sinnlicher Ausdruck der anthropogenen Klimaerwärmung“ und somit Hinweis auf ein Problem: Das weitere starke Abschmelzen der Gletscher führe zur Entstehung von Seen, die leicht auslaufen könnten, und der Alpenraum verliere seine Funktion als natürlicher Wasserspeicher für halb Europa. Weiterhin würden durch ein Schmelzen des Permafrostes, des dauerhaft gefrorenen Bodens über 2500 Metern, auch Felswände instabil.

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Was bedeutet das menschgemachte Naturschauspiel nun für die Touristen? Von einer Besteigung des Bergesrät das Tourismusbüro ab – es sei denn man ist ein geübter Felskletterer. Ein Großteil der Touristen wolle das Matterhorn allerdings ohnehin nur von unten bestaunen, so der Bergführer Truffer. Er ist der Meinung: „Für die Touristen ist das Wetter viel wichtiger als diese Verhältnisse, denn die wollen alle nur blauen Himmel und Sonnenschein.“ Das dürfte sich jedoch spätestens dann ändern, wenn das Matterhorn dauerhaft schneefrei bleibt und dadurch schroff und falsch aussieht und überdies Felsstürze nicht mehr nur Wanderwege bedrohen, sondern auch Seilbahnen und Siedlungen.

Zum ersten Mal wurde das Matterhorn übrigens am 14. Juli 1865 von einer siebenköpfigen Seilschaft um den Engländer Edward Whymper bestiegen. Vier der Bergsteiger, drei Briten und der Schweizer Bergführer, stürzten beim Abstieg in den Tod. Alle Leichen außer einer wurden gefunden – der damals 18-jährige Lord Francis Douglas liegt wohl noch immer unter einer Eisschicht verborgen. Immerhin: Wenn die Gletscher und Schneefelder weiter schmelzen, gibt der Berg dieses letzte Geheimnis womöglich frei.

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