Fragebogen Berlin

Caroline Peters: „Seit der Pandemie meide ich öffentliche Verkehrsmittel“

Bekannte Bewohner der Stadt blicken auf Berlin. Heute: Schauspielerin Caroline Peters, die nur noch Ziele ansteuert, die gut mit dem Fahrrad erreichbar sind.

5 Min
Pendelt derzeit zwischen Berlin und Wien: Caroline Peters.

Pendelt derzeit zwischen Berlin und Wien: Caroline Peters.

© Rafaela Pröll

Berlin hat rund 3,7 Millionen Einwohner, sie sind so verschieden wie die Stadt selbst. Was also macht Berlin aus, wieso lebt man hier – und tut man es überhaupt gern? In unserer Rubrik „Fragebogen Berlin“ fragen wir bekannte Hauptstädterinnen und Hauptstädter nach ihren Lieblingsorten und ihren persönlichen No-go-Areas. Sie verraten ihre Gastro-Tipps, Shopping-Favoriten und Kiezgeheimnisse. Aber auch, was sie an Berlin nervt und was man hier auf keinen Fall tun sollte.

Diesmal hat Schauspielerin Caroline Peters unsere Fragen beantwortet, die Berlin und seinen Bühnen seit Jahren fest verbunden ist. Aktuell spielt sie in zwei Stücken an der Schaubühne am Lehniner Platz. Auch auf der großen Leinwand kann man die 51-Jährige, die derzeit zwischen Wien und Charlottenburg pendelt, demnächst wieder sehen: in Sönke Wortmanns Komödie „Der Nachname“, die am 20. Oktober in den Kinos anläuft.

1.          Frau Peters, seit wann sind Sie schon in der Stadt?

Ich bin 1995 nach Berlin gezogen, gleich nach der Schauspielschule. Dann habe ich durch meinen Beruf auch immer mal woanders gewohnt, jetzt zum Beispiel lebe ich neben Berlin auch in Wien. Gerade habe ich das Glück, an der Schaubühne in zwei tollen Produktionen zu spielen: „Yerma“ und „ödipus“. Ich habe 1995 dort angefangen, dann ging der Weg woanders lang, und gerade ist es toll, meine Arbeit wieder an ihrem Ursprungsort zu erleben. Ich drehe in Berlin gerade auch den dritten Teil der Reihe „Kolleginnen“, und es macht mir wieder sehr viel Spaß, so oft in der Stadt zu sein.

2.         Welcher ist Ihr Lieblingsort in Berlin?

Früher war das die Ankerklause in Kreuzberg, heute eher der Große Wannsee. Ich bin immer gerne in der Stadt am Wasser. Ich vergesse oft, dass es in und unmittelbar um Berlin um die 70 Seen gibt. Die sich, wenn es diesig ist, dann auch in der Stadt ausbreiten. Man weiß dann nie, welche Zeit es ist.

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3.         Wo zieht es Sie hin, wenn Sie entspannen wollen?

Ans Wasser. Und gerne immer wieder ein neues. Neulich waren wir paddeln in Spandaus Klein-Venedig. Einmal konnten wir am Großen Wannsee bei jemandem mitsegeln, das war fantastisch. Oder lange Spaziergänge um den Schlachtensee.

4.         Welche Ecken der Stadt meiden Sie?

Ich meide seit der Pandemie konsequent die öffentlichen Verkehrsmittel. Das hat zur Folge, dass ich nur dahin gehe, wo ich mit dem Fahrrad gut hinkomme. Aber das ist viel mehr als nur der eigene Kiez. Der Kiez ist für mich immer das Dorf, in dem ich gerade lebe, und dann mache ich von dort aus Ausflüge in die Umgebung.

Zur Person
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Zur Person

Caroline Peters kam 1971 in Mainz zur Welt. Schon während ihres letzten Studienjahres wurde sie von Andrea Breth an die Berliner Schaubühne geholt. Es folgten Engagements an allen wichtigen deutschsprachigen Bühnen. Seit 2004 spielt sie am Burgtheater in Wien. Die Serie „Mord mit Aussicht“ brachte sie ab 2008 einem breiten TV-Publikum nahe.

Peters wurde vielfach ausgezeichnet, etwa mit dem Grimme-Preis, dem Bayerischen Fernsehpreis und dem Deutschen Schauspielerpreis. 2020 gab sie die Buhlschaft bei den Salzburger Festspielen. 

Derzeit spielt sie mehrere Stücke am Burgtheater in Wien sowie an der Schaubühne Berlin und ist ab dem 20. Oktober im Kinofilm „Der Nachname“ zu sehen. Eine neue Folge ihrer Reihe „Kolleginnen“ läuft am 29. Oktober im ZDF.

5.          Ihr ultimativer Gastro-Geheimtipp?

Die Soulful Sunday Dinners im Nest in Kreuzberg von Troy Lopez. Nur sonntags gibt es dort leckere Soul Kitchen mit karibischen Einflüssen. Und im Sommer hab ich gern so einen ganz kleinen Franzosen am Karl-August-Platz in Charlottenburg besucht, der eigentlich russisch war. Leider sind die schon wieder weitergezogen.

6.         Ihr ultimativer Shopping-Geheimtipp?

Diesen Sommer war ich zum ersten Mal auf dem Thai-Markt am Preußenpark. Das hatte viel Atmosphäre und war für mich ganz neu. Ich shoppe aber am liebsten auf Flohmärkten. Gerade sehr gern in Schmargendorf auf dem Flohmarkt Mecklenburgische Straße. Der Flohmarkt auf dem Parkplatz des Edeka-Supermarktes bietet jeden Sonntag privaten Trödel wie Antiquitäten, Möbel und Design, Bücher sowie Bekleidung an. Außerdem bin ich gerne sonntags auf dem 17. Juni oder am Arkonaplatz-Flohmarkt.

7.         Der beste Stadtteil Berlins ist …

Mein Lieblingsstadtteil im Moment ist Charlottenburg: so bunt gemischt in jeder Hinsicht, keinerlei Monokultur erkennbar, viel Grün, gute Restaurants in allen Preisklassen, ein Hauch von Tradition, wenig künstliche Aufregung und trotzdem ein paar gute alte Glamour-Spots.

8.         Das nervt mich am meisten an der Stadt:

Der Verkehr und die Wohnungspolitik.

9.        Was muss sich dringend ändern, damit Berlin lebenswert bleibt?

Der Verkehr und die Wohnungspolitik.

10.      Ihr Tipp an Unentschlossene: Nach Berlin ziehen oder es lieber bleiben lassen?

Kommt drauf an, wie cool man gegenüber einer extrem angespannten Wohnungslage ist. Momentan muss man sehr cool sein. Und es dauert in Berlin, bis man einen Kern für sich ausmachen kann. Viel wird zugedeckt von der Weite der Stadt, den enormen Entfernungen, der hohen Anzahl an Bewohnern, die ständig wechseln, weil es mancherorts zum Lifestyle gehört, dass man mal in Berlin gelebt hat. Aber es lohnt sich auch, zu bleiben. Nicht nur zu verweilen.

11.       Cooler als Berlin ist nur noch …

... in gar keiner Stadt zu leben.

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