POTSDAM. Fernsehmoderator Günther Jauch ist das bislang prominenteste "Opfer" des Sicherheitskonzeptes für Potsdams historische Gartenanlagen. Parkwächter erwischten den TV-Star aus Potsdam gleich mehrmals dabei, wie er durch den Neuen Garten radelte. Obwohl Fahrradfahren in den Parks verboten ist. Entnervt, aber einsichtig schob Jauch nach den Ermahnungen dann sein Fahrrad.Die einstige Preußen-Residenz Potsdam hat es nicht leicht mit ihren historischen Parks, die für jedermann kostenlos zugänglich sind. Zwar hängt an jedem Eingang eine amtliche Parkordnung. Aber diese wird aus Bequemlichkeit oft übersehen. Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten geht gemeinsam mit Stadt und Polizei nun verstärkt gegen in den Parks herrschende Unsitten vor.Park-Wache in zwei SchichtenBereits im Frühjahr wurde ein Sicherheitskonzept vereinbart. Dazu gehören die ABM-Kräfte, die seit einigen Tagen als zusätzliche Parkwächter durch die drei Potsdamer Gärten marschieren. 24 in zwei Schichten sind es im Neuen Garten, der am stärksten von Vandalismus und Unachtsamkeit bedroht ist. Insgesamt setzt die Schlösserstiftung 50 Männer und Frauen ein, die in den Parkanlagen Sanssouci und Babelsberg, im Neuen Garten und im Park Königs Wusterhausen patrouillieren. "Sie sollen Informationen über die Geschichte des Ortes geben, aber gleichzeitig für Ordnung und Sicherheit sorgen", sagt Torsten Schmandke von der Stiftung. Denn auch der Neue Garten gehört zu dem unter Unesco-Schutz stehenden Potsdamer Weltkulturerbe.Aber vielen Menschen fehle der Respekt vor dieser historischen Anlage. Radfahrer, Hunde oder Badende hinterlassen zerstörerische Spuren. Nahezu 3 000 Badelustige zieht der wegen seines klaren Wassers beliebte Heilige See an heißen Tagen an. Auch wenn die Richtlinien des Weltkulturerbes eine öffentliche Badestelle eigentlich nicht erlauben, toleriert die Stiftung das Baden und das Lagern auf der Wiese zwischen Hasengrabenbrücke und Grünem Haus. "Wir haben kein Problem damit, wenn sie dort schwimmen", sagt Stiftungs-Verwaltungschef Thomas Köstlin. Aber viele suchen sich eine andere als die geduldete Badestelle. Es könne auch passieren, dass Besuchern am Schloss Cecilienhof "eine Nackte entgegenkommt".Verstöße gegen die Parkordnung nimmt die Stiftung nicht mehr hin. So kann Baden im nicht ausgewiesenen Bereich ein Bußgeld ab 75 Mark nach sich ziehen. Denn allein die Wiederherstellung des stark geschundenen, einst von Lenné angelegten Ufers kostete rund 1,2 Millionen Mark. Hinzu kommen die Kosten für Beseitigung von Hundekot, achtlos weggeworfenem Müll und Vandalismusschäden.Notfalls wird die Polizei gerufen"Unsere Leute fordern die Leute höflich auf, sich an die Regeln zu halten", sagt Schmandke. Reagieren sie stur oder aggressiv, rufen die Parkwächter die Polizei. So geschehen beispielsweise am vorigen Dienstag. Anwohner hatten sich beim privaten Sicherheitsdienst, der die Parks nachts überwacht, über Lärm beschwert. Die alarmierten Polizeibeamten lösten die wilde Party am See dann auf. Verstärkte Kontrollen sollen auch verhindern, dass in den Parks illegal gegrillt wird oder dass Hunde frei herumlaufen, obwohl Leinenzwang besteht. Nicht alle zeigen sich bei regelwidrigem Verhalten so einsichtig wie Günther Jauch. Das weiß Köstlin aus eigener Erfahrung. Als der Verwaltungschef einen Fahradfahrer auf das Verbot hinwies, stieg dieser zwar ab. Aber nach 100 Metern, als er sich unbeobachtet fühlte, setzte er sich wieder aufs Rad.Seit 13 Jahren Weltkulturerbe // Beginn: 1787 begann Johann August Eyserbeck, den "Neuen Garten" schrittweise zu gestalten. Dies tat er im Auftrag von Friedrich Wilhelm II. Die Anlage stand im Gegensatz zu den barocken Anlagen Friedrichs des Großen. Von 1816 an gestaltete Lenné den Garten um.Gesperrt: Bis 1953 war der Park für die Öffentlichkeit gesperrt. 1961 wurde ein Teil des Neuen Gartens Grenzgebiet und abgesperrt.Sanierung: Ab 1990 wurde der verwilderte und mit Herbaziden behandelte Gartenteil wiederhergestellt. Der Neue Garten gehört seit 1990 zum Unesco-Weltkulturerbe.Palais: Das Marmorpalais wurde 1787 bis 1791 von Carl von Gontard errichtet. 1945 wurde das Marmorpalais beschädigt. Danach war es sowjetisches Offizierscasino. Die Sanierung des Marmorpalais begann bereits 1988.
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