FRIEDRICHSFELDE. Auf dem Gelände steht es ohnehin, nun soll es auch offiziell wieder dazu gehören. Zum 1. Januar 2009 bekommt der Tierpark das Schloss Friedrichsfelde zurück. Das haben Senat und Abgeordnetenhaus beschlossen. Die Stiftung Stadtmuseum, die das Gebäude seit Mitte der 90er-Jahre betrieben hat, lädt für den 26. Oktober zur vorerst letzten Führung durch den frühklassizistischen Bau. "Dass Sammlungsgut wird ins Depot der Stiftung Stadtmuseum gebracht", sagt Anja Schulze, Sprecherin der Stiftung. Übergeben werde an den Tierpark "nur die leere Hülle". Auf die jetzige Lösung, betont Schulze, habe die Stiftung keinen Einfluss gehabt. "Wir ziehen aus dem Schloss aus, das ist alles."Das Schloss, in dem unter anderem seltene Wandbespannungen früherer Schlösser gezeigt werden, steht etwa 50 Meter vom Eingang des Tierparks entfernt. Wer die Ausstellung im Erdgeschoss besuchen wollte, musste deshalb zunächst elf Euro Eintritt in den Tierpark bezahlen und dann zusätzlich zwei Euro für das Schloss. Dieser Umstand schlug sich wohl auch in den Besucherzahlen nieder: 2007 waren es nur noch 2 500 Gäste."Die geografische Lage des Schlosses ist problematisch", sagt Torsten Wöhlert, Sprecher der Kulturverwaltung. Eine Lösung aus diesem Dilemma habe es nicht gegeben. Man hätte das Schloss komplett einzäunen müssen, wenn man einen separaten Eingang von einer Seitenstraße aus gewollt hätte. Hinzu komme, dass sich die Stiftung Stadtmuseum künftig auf ihren Standort in Mitte konzentrieren solle. All das sei ausschlaggebend für den jetzigen Beschluss gewesen.Der Tierpark, betonte Wöhlert, erhalte mit rund 450 000 Euro pro Jahr einen ausreichenden Etat, um mit dem Schloss zu arbeiten. Zudem bekomme er einmalig vier Millionen Euro, um das Haus zu sanieren. Details der künftigen Nutzung stünden noch nicht fest, sagt Wöhlert. Festgeschrieben sei aber, dass das Schloss Friedrichsfelde öffentlich zugänglich bleibt und auch weiterhin für kulturelle Zwecke genutzt werden soll. "Auch der Kammermusiksaal bleibt bestehen." Was im Detail damit geschehen soll, sei allerdings die Entscheidung des neuen Nutzers. Die vielfach geäußerte Sorge, die Tierpark-Verwaltung könne in das Schloss ziehen, sei jedenfalls unbegründet.Kritik kommt vom Verein der Freunde und Förderer des Schlosses Friedrichsfelde. "Nach seiner Sanierung bis Anfang der 1980er-Jahre bis heute befand sich das Schloss denkmalpflegerisch und künstlerisch auf hohem Niveau", sagt Vereinsvorsitzender Ernst Wipprecht, der einst selbst an der Sanierung des Schlosses mitgewirkt hat. Die gezeigten Raritäten hätten dem Schloss eine eigene Identität gegeben, "und die soll nun aufgegeben werden". Der Senat wolle das Schloss abschieben, glaubt Wipprecht. Es dürfe nicht zur "toten Hülle gemacht werden, dafür ist es viel zu wertvoll". Dass die Zahl der Besucher zuletzt so niedrig war, liege nicht an der Lage des Schlosses, sagt Wipprecht. "1999 gab es 22 000 Besucher, das waren mehr als im Ephraimpalais in Mitte." Es sei eben immer eine Frage, wie man für ein Museum wirbt. Bedauerlicherweise habe der Senat zwischen Stiftung und Tierpark nicht vermitteln können. "Selbst wir als Förderverein mussten unsere Besucher am Eingang abholen und bis zum Schloss geleiten."Im Tierpark will man sich derzeit nicht zum Thema Schloss äußern. "Die Verhandlungen laufen noch", sagte Direktor Bernhard Blaszkiewitz.------------------------------Einst Sitz der Familie von TreskowIm Jahr 1695 wurde das Schloss Friedrichsfelde als Schloss Rosenfelde errichtet. Später ging das Haus in den Besitz des preußischen Königs über und wurde in Friedrichsfelde umbenannt.Das Gebäude wurde 1717 ausgebaut und mit einer Balustrade versehen. Später erhielt ein Bruder von Friedrich dem Großen das Schloss. 1816 erwarb es die Familie von Treskow.Fast unbeschadet überstand das Schloss den Zweiten Weltkrieg. Die Treskows wurden enteignet, in den Folgejahren verfielen Schloss und Park. Mit dem Bau des Tierparks 1955 setzte sich dessen Gründer Heinrich Dathe für eine Rekonstruktion ein, 1981 wurde das Schloss übergeben.Nach der Vereinigung beider deutscher Staaten gehörte das Schloss anfangs zum Märkischen Museum, später zur Stiftung Stadtmuseum. Im Erdgeschoss werden seltene Wandbespannungen gezeigt, im Obergeschoss fanden Konzerte statt.------------------------------Foto
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