Wirtschaftsprognosen

Schlusslicht in der Region: Uno-Kommission sieht Kuba in tiefer Rezession

Die Insel liegt in der Prognose von Cepal für 2026 am Ende Lateinamerikas und der Karibik. Havanna hält den Tourismus trotz Einbruch der Besucherzahlen weiter am Laufen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
4 Min
Alltag in Alt-Havanna: Nach offiziellen Zahlen kommen deutlich weniger Touristen nach Kuba.

Alltag in Alt-Havanna: Nach offiziellen Zahlen kommen deutlich weniger Touristen nach Kuba.

© Ramon Espinosa/AP

Die Wirtschaft Kubas wird nach einer am Montag veröffentlichten Prognose der Uno-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (Cepal) im Jahr 2026 um 6,5 Prozent schrumpfen. Das ist der schlechteste Wert in der gesamten Region, wie aus den Prognosen der in Santiago de Chile ansässigen Behörde hervorgeht. Lateinamerika und die Karibik insgesamt sollen demnach um 2,2 Prozent wachsen.

Neben Kuba verzeichnen laut Cepal nur zwei weitere Länder der Region eine schrumpfende Wirtschaftsleistung: Haiti mit minus 1,4 Prozent und Jamaika mit minus 1,0 Prozent. Insgesamt rechnet die Uno-Kommission laut einem Bericht der mexikanischen Tageszeitung El Universal in 24 von 33 Ländern der Region mit einer Verlangsamung des Wachstums gegenüber 2025.

Die Cepal senkte ihre Prognose für das regionale Wachstum gegenüber Dezember 2025 leicht von 2,3 auf 2,2 Prozent. Als Gründe nennt die Behörde geopolitische Spannungen, restriktive Finanzbedingungen und neue Inflationsbelastungen. Nach Cepal-Angaben war US-Rohöl in den ersten drei Aprilwochen 74 Prozent teurer als im Dezember 2025.

Bereits 2025 schrumpfte die kubanische Wirtschaft nach dem Cepal-Bericht vom Dezember zusammen mit Haiti als einzige in der Region. Laut dem Statistischen Jahrbuch der Cepal vom Februar lag das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner in Kuba bei 1082 US-Dollar gegenüber einem regionalen Durchschnitt von mehr als 10.000 US-Dollar.

Das unabhängige kubanische Medium 14ymedio ordnet die Zahlen für Kuba in einen längeren Abwärtstrend ein. Der kubanische Ökonom Elías Amor Bravo sagte 14ymedio, Kuba stecke in einer schweren Krise, die seit mindestens zwei Jahren anhalte.

Tourismus bleibt trotz Einbruch eine Priorität

Auch der Tourismus, eine zentrale Devisenquelle der Insel, bricht weiter ein. Laut den am Montag veröffentlichten Daten der kubanischen Statistikbehörde Onei kamen im ersten Quartal 2026 insgesamt 298.057 internationale Besucher nach Kuba, nach 573.363 im Vorjahreszeitraum. Das entspricht einem Rückgang um 48 Prozent.

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Erschwert wird die Lage durch US-Restriktionen bei finanziellen Transaktionen, die unmittelbar mit dem Tourismus zusammenhängen. Hinzu kommt die Abhängigkeit von ausländischen Quellmärkten und internationalen Verkehrsverbindungen. Die Krise trifft einen Sektor, der Kuba wichtige Devisen bringt und von dem dort viele Menschen direkt oder indirekt abhängen.

Havanna hat der Wiederbelebung des Tourismus für 2026 höchste Priorität eingeräumt: Offizielle Stellen verweisen darauf, dass touristische Angebote weiter betrieben werden, Hotels über eigene Stromversorgung verfügen und Treibstoff sowie die Versorgung für die Saison abgesichert seien.

Der Einbruch der Besucherzahlen erklärt sich daher nicht allein aus fehlenden Angeboten, sondern auch aus der Sorge vor Treibstoffmangel, Flugausfällen, Stromausfällen und Problemen beim Reisen auf der Insel. Bleiben Gäste aus, trifft das nicht nur Hotels und Fluggesellschaften, sondern auch Restaurants, Privatvermieter, Transportunternehmen, Zulieferer und Beschäftigte, deren Einkommen direkt oder indirekt vom Tourismus abhängt.

Die Internationale Tourismusmesse FITCuba soll am 7. und 8. Mai im Badeort Varadero neue Verträge bringen. Das kubanische Tourismusministerium plant die 44. Ausgabe der Messe in einem teilweise virtuellen Format. Ehrengastland ist Kanada, das derzeit wichtigste Herkunftsland für Touristen auf der Insel.

Öl-Blockade verschärfte Energiekrise

Kuba ist bei der Energieversorgung stark auf importiertes Öl angewiesen. Zudem sind die Kraftwerke des Landes technologisch veraltet und havarieanfällig. Abschaltungen und Ausfälle des Stromnetzes haben drastische Auswirkungen auf die Wirtschaft, das Gesundheitswesen, öffentliche Dienstleistungen sowie den Verkehr.

Die USA erhöhten den Druck auf Kuba, indem sie venezolanische Öllieferungen an den Inselstaat unterbanden und Staaten, die Kuba mit Öl beliefern, Strafzölle androhten. Aus Sicht Havannas zielt diese Politik auf einen Sturz der Regierung und die Rückkehr der Insel unter US-Vorherrschaft.

Die kubanische Regierung verweist in offiziellen Verlautbarungen wiederholt auf die seit 1962 bestehende US-Wirtschafts-, -Handels- und -Finanzblockade als zentrale äußere Ursache für die Engpässe bei Ersatzteilen, Treibstoff und Baustoffen. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen fordert seit 1992 in jährlichen Resolutionen mit großer Mehrheit ein Ende dieser Blockade.

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