Während in politischen Debatten häufig über Rekordhitze, Kipppunkte und Extremjahre gesprochen wird, sollen laut Wetterexperten Berlin und andere Teile Deutschlands in dieser Woche ein anderes Bild zeigen: Frost am Morgen, Schneeregen, Glättewarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Temperaturen knapp über null Grad. Dazu ein schneidender Wind, der die Kälte noch deutlicher spüren lässt. Kurz gesagt: Es ist mit einem ersten Wintereinbruch zu rechnen.
In der kommenden Nacht fallen teils bis in tiefe Lagen Schnee oder Schneeregen vom Himmel, teilte der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach mit. Am Donnerstag steigt im Nordwesten Brandenburgs die Chance auf eine dünne Schneedecke. Den Prognosen zufolge ist es vom Hochrhein und den Alpen bis zur Ostsee bedeckt, teils fällt weiter Schneeregen oder Schnee. Bundesweit betrachtet, sollen im Tagesverlauf insgesamt die trockenen und sonnigen Anteile aber ein gutes Stück zunehmen. Die Höchsttemperaturen erreichen gerade mal 0 bis 4 Grad.
Der frühe Wintereinbruch hält trotzdem nicht in seiner jetzigen Form an: Zum Wochenende beruhigt sich das Wetter, es wird trockener und häufiger sonnig. Die Nächte bleiben allerdings klar winterlich mit strengem Frost teils unter minus fünf Grad, und am Sonntag ist örtlich gefrierender Regen möglich.
Novemberwetter zeigt: Die alte Witterungsbandbreite bleibt
Dass Deutschland mitten im November einen Wintereinbruch erlebt, zeigt vor allem eines: Die mitteleuropäische Witterung bleibt wechselhaft und unberechenbar, so wie sie es immer war. Phasen ungewöhnlicher Wärme sind möglich, frühe Kälte ebenso. Beides gehört zum Klima Mitteleuropas, und beides tritt seit Jahrzehnten auf.
Viele Meteorologen verweisen bei Widersprüchen in der aufgeheizten Klimadebatte regelmäßig darauf, dass sich aus einzelnen Kälte- oder Wärmephasen keine Rückschlüsse auf langfristige Entwicklungen ziehen lassen. Für den Alltag in Deutschland heißt das vor allem: Wetter bleibt Wetter – und der November 2025 liefert erneut ein Beispiel dafür, wie schnell es zwischen mild, grau, winterlich und frostig wechseln kann.
Ein kurzer Rückblick zeigt, dass frühe oder kräftige Winterepisoden in Deutschland auch in den vergangenen Jahren immer wieder aufgetreten sind:
Blick zurück: Früher Winter ist nichts Neues
- Winter 2009/10 und 2010/11: Beide Winter lagen teils deutlich unter dem langjährigen Mittel und brachten lange Schneedecken, auch in städtischen Regionen wie Berlin.
- Winter 2010: Schon im Spätherbst begann eine frühe Kältephase, gefolgt vom „legendären Dezember 2010“, der wochenlang Schnee und Dauerfrost brachte.
- November 2023: In der letzten Monatsdekade verwandelten sich verbreitet Regenfälle in Schnee, ein Tief sorgte in mehreren Regionen für glatte Straßen und Berglandwinter schon im Spätherbst.
Einordnung: Was bedeutet der frühe Wintereinbruch wirklich?
Deutschland hat sich laut DWD seit 1881 um rund 1,6 Grad erwärmt, und viele der wärmsten Jahre wurden seit 2000 verzeichnet. Solche Langzeittrends sagen jedoch wenig darüber aus, wie sich einzelne Wochen oder Monate anfühlen. Der frühe Schnee in Berlin widerspricht nach überwiegender wissenschaftlicher Einschätzung nicht dem langfristigen Erwärmungstrend. Er zeigt vielmehr, dass das regionale Wetter weiterhin alle Facetten bereithält.
Begründet wird dies unter anderem mit Daten, die darauf hinweisen, dass sich die Winter im Durchschnitt abgeschwächt haben. Der DWD dokumentiert seit Jahrzehnten einen Rückgang von Schneedeckentagen und Eistagen in tiefen Lagen. Dennoch treten immer wieder markante Kältephasen auf. Besonders prägend waren die Winter 2009/10 und 2010/11, die in vielen Regionen über Wochen Schnee und Dauerfrost brachten – Ausreißer, die das kollektive Gedächtnis stärker beeinflussen können als die vielen milderen Winter davor und danach.
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