Wer die Arbeiten von Volker Koepp kennt, fühlt sich ein bisschen an "Die Kinder von Golzow" erinnert. Wie die Filmemacher Winfried und Barbara Junge, die über Jahrzehnte hinweg ein Dorf im Oderbruch und vor allem seine Bewohner begleitet haben, so kehrt auch Volker Koepp gern an alte Wirkungsstätten zurück. Und immer wieder in Ostpreußen. Zuletzt war Koepp in den Masuren, davor auf der Kurischen Nehrung, in das dort beginnende Memelland führt sein neuer, gleichnamiger Film.Bleibt das Wetter trocken jetzt?, lauten die ersten Worte, bis dahin gab es hohen Himmel zu sehen, Wolken im Wind, eine Allee, ein Haus und ein Bäuerlein auf der Bank vor dem Haus. Bleibt das Wetter trocken jetzt?, erkundigt sich Volker Koepp. Morgen muss schon Regen kommen, sagt die Frau auf der Bank im breiten ostpreußischen Dialekt und dreht sich suchend um, als sehe sie den Regen bereits kommen. Dann sagt keiner mehr was, die Kamera ruht auf dieser Frau im roten Pullover. Und dann reden sie doch noch ein bisschen. Über den Regen, der schon kommen muss, über das Wetter an sich, über Sommer und Winter im Memelland. Es erklingt ein schön gezupftes Lied aus der Region, die Kamera schwenkt auf hohen Himmel und Wolken im Wind. Koepp beschränkt sich in seinen Arbeiten immer mehr, er lässt alles weg, und wenn es nichts zu sagen gibt, wird eben geschwiegen. So sind die Filme von Koepp, man weiß danach nicht alles über das Land, aber man hat Eindrücke. Bleibende Eindrücke.In Stichworten und schleppendem, stets ein wenig gelangweilt klingendem Ton gibt Volker Koepp am Anfang einen Abriss über Geographie, Geschichte und Gegenwart des Memellandes. Gelegen im früheren Ostpreußen, auch Preußisch Litauen genannt, heute heißt die Memel Nemunas, Grenzfluss zwischen der russischen Exklave Kaliningrad und Litauen. Das muss reichen, in Volker-Koepp-Filmen wird nicht viel geredet. Der Regisseur und sein Kameramann Thomas Plenert beobachten lieber, mit langen Einstellungen auf den Gesichtern von Menschen und Landschaften. Und immer besser ein Schnitt zu wenig als einer zu viel.Ihre Bilder erzählen kleine Geschichten von den sogenannten kleinen Leuten, es sind Geschichten aus dem Alltag. Es geht um das Leben eines 80-jährigen Vogelkundlers, der immer noch mit seinem Fernglas in den Himmel schaut, um ein junges Paar aus Vilnius, das hierher gezogen ist und ein Hotel gebaut hat und um Edith, Erna und Gerda, drei Schwestern, die nach ihrer Arbeit in der Kolchose jetzt eine kleine Landwirtschaft haben. Das heißt morgens um fünf raus, abends um neun muss alles fertig sein. "Ist schon schwer", sagt Edith. Ist aber auch schön.Zumindest anzusehen.------------------------------Memelland, 22.45 Uhr, ARD------------------------------Foto : Von Vilnius ins Memelland: Ceslovas (l.) und Asta haben hier ein Hotel gebaut.
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