Schönefeld-Gegner: Weit mehr Menschen von Fluglärm betroffen als bisher angenommen

Auch im Süden des Airports wird es laut

Jürgen Schwenkenbecher
3 Min

Die Fluglärmbelästigung bei einem Ausbau des Flughafens Schönefeld (Dahme-Spreewald) ist nach Einschätzung des Bürgervereins Brandenburg-Berlin (BVBB) erheblich größer als bislang angenommen. Nach Berechnungen von Erhard Augustin, einem emeritierten Akustik-Professor, sind nicht nur die Ortschaften in der Nachbarschaft des geplanten Flughafenareals vom Lärm startender und landender Flugzeuge betroffen. Auch die Bewohner eines Gebiets zwischen Wildau und Königs Wusterhausen, das bisher als nicht lärmgefährdet galt, müssten erhebliche Beeinträchtigungen hinnehmen, sagte Augustin am Dienstag.Die neuen Werte ermittelte Augustin mit einem eigens entwickelten Rechnerprogramm, das alle relevanten Angaben wie Zahl der Flugzeuge, Flugbahnen und Steigungswinkel berücksichtigt. "Wir sind in der Lage, für jeden beliebigen Ort in der Region den Einzelschallpegel zu errechnen", sagte er. Bei seinen Untersuchungen entdeckte er so auch die schon vermutete "Lärm-Nase" südöstlich der beiden geplanten Schönefeld-Landebahnen. "Denn egal, woher der Wind weht: Flugzeuge starten und landen immer gegen den Wind", sagte Augustin. So müssten die Maschinen entweder eine halbe Start- oder eine halbe Landeschleife drehen, wenn sie aus westlicher Richtung kämen. Das Überfliegen Berlins kommt dabei nicht in Frage. Mit jeder Zunahme des Flugverkehrs aus östlicher Richtung würde die "Nase" weiter westlich liegen.Der Wissenschaftler verwies auf die Folgen, die bereits der untere Lärm-Grenzwert von 55 Dezibel zur Folge hat. "Bei höheren Werten hat der Schläfer keine ruhige Nacht mehr, wenn sein Fenster geöffnet ist", sagte Augustin. "Und bei angekipptem Fenster sind 65 Dezibel zu hoch, um durchzuschlafen." Bei 75 Dezibel, wie für Orte wie Blankenfelde und Mahlow befürchtet wird, müsste man sich anschreien, um ein Gespräch führen zu können. Mit seinen Angaben über die Lärmauswirkungen geht Augustin weit über die von der Projektplanungsgesellschaft PPS veröffentlichten Werte hinaus. "Die Flughafenplaner verniedlichen den Schönefeld-Ausbau", sagte Augustin, der den Planern vorwarf, Angaben über Flugzeuge und Routen zurückzuhalten. Trotzdem seien für den Verlauf der 75-Dezibel-Grenze ähnliche Werte wie durch die PPS ermittelt worden. "Das zeigt, dass wir nicht allzu weit von der Realität entfernt liegen." Die Berechnungen seien inzwischen durch Messungen an vielen Stellen bestätigt worden.Augustin hält zudem das oft benutzte Argument, moderne Flugzeuge würden weniger Lärm verursachen, für ein falsches Versprechen. "Neue Maschinen sind zwar leiser, aber von Flüsterjets zu sprechen ist doch erheblich übertrieben." Auch die Überflugzeiten würden durch die PPS nicht richtig wiedergegeben. "Es ist physikalischer Blödsinn, nur Werte jenseits von 80 Dezibel zu berücksichtigen", sagte Augustin. Tatsächlich würden die Überflugzeiten nicht zwanzig, sondern 60 Sekunden betragen.GROSSFLUGHAFEN Erster Start 2007 // Der Flughafen Berlin Brandenburg International BBI soll 2007 den Flugbetrieb aufnehmen. Zurzeit läuft das Planfeststellungsverfahren.Mit tausenden Klagen wollen Schöne-feld-Gegner den Ausbau des Flughafens (Beginn etwa 2003) verhindern.Bei seinen Berechnungen ging der BVBB von täglich je 550 Starts und Landungen in westliche und östliche Richtung aus.50 Dezibel entspricht etwa der Lautstärke einer Unterhaltung, 80 Dezibel dem Lärm einer Auto-Kreuzung.

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