Schönere Plätze & Zonen

Renée Zucker
1 Min

Heutzutage lauern ja sofort Chancen, wo früher das Rettende wuchs. So muss man auch im Fall Arcandor das Gute erkennen, das dem Ruin innewohnt. Alles ändert sich. Als ich ein Kind in Essen war, hieß Karstadt Althoff; vor der Wende war Bilka in Kudammnähe billig, und bis vor nicht allzu langer Zeit kaufte man in Charlottenburg bei Hertie statt bei Karstadt. Dem Kaufhausgründer Theodor Althoff wurde ein ganzer Straßenblock gewidmet, in Berlin langte es für den Kaufhausgründer Hermann Tietz (Nebenbei: Hertie wurde die Kaufhauskette erst vom Arisierer getauft) nur für ein Ehrengrab in Weißensee. Nie blieb jemand ob der grandiosen Architektur bewundernd vor einer Karstadtfiliale stehen, und dass mir etwas auf der Wilmersdorfer fehlte, wenn es sie nicht mehr gäbe, scheint eher unwahrscheinlich. Schließlich gehören wir zur Generation: Raider heißt jetzt Twix, sonst ändert sich nix. Außerdem ist die Welt ohne Ladenketten schöner. Kein McDonald's, Mango oder H&M verschandelt Innenstadtplätze, kein Kaufhof oder Karstadt lässt deutsche Fußgängerzonen gleich öde aussehen. Renée Zucker

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