Das mit dem Tod ist jetzt ärgerlich. Joachim Lottmann hat Jahrzehnte versucht, die Wirklichkeit als eine ziemlich überschätzte Veranstaltung vorzuführen. Wer soll das jetzt übernehmen? Am 25. Oktober ist in Wien ausgerechnet das eingetroffen, was Lottmann sich seit Monaten vom Hals schreiben wollte.
Die Wahrheit, das Erfinden, das Zeitgeistarchiv, aber auch den Größenwahn. Erst kam das Sterben wie diese Art lästiger Partygast, der sich viel zu früh angekündigt hat und dann trotzdem nicht auftaucht. Man hat schon die lippenstiftverschmierten Weingläser in den Geschirrspüler geräumt, und dann klingelt es doch noch an der Tür. Über die Schwelle tritt Lottmanns Tod und verlangt plötzlich Fakten.
Nachruf
Schriftsteller Joachim Lottmann ist tot: Alles war Lüge – nur das Sterben nicht
Die Wahrheit war für Lottmann eher eine Anregung als eine Verpflichtung. Mit seinem Tod bekommt die Wirklichkeit jetzt doch noch das letzte Wort – ein Nachruf.
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Mit Joachim Lottmann verliert die Literatur ihren mutmaßlichen Erfinder der Popliteratur.
© imago stock&people
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