Altkanzler Gerhard Schröder hat nach Angaben des Kreml am Geburtstag des russischen Präsidenten Wladimir Putin teilgenommen. Putin habe am Mittwochmorgen aus den Medien erfahren, dass sich der frühere Bundeskanzler in Moskau aufhalte. „Der Präsident lud seinen alten Freund zu sich nach Hause ein“, teilte der Kreml mit. Schröder sei bei Putin gewesen, als dieser seinen 74. Geburtstag feierte.
Eigentlich war der 82-Jährige aus einem anderen Grund in die russische Hauptstadt gereist. Schröder gehört seit Ende September dem Aufsichtsrat des russischen Einzelhandelsunternehmens Hyperglobus an. Der frühere russische Ableger der deutschen Globus-Gruppe ist seit Anfang 2025 rechtlich und operativ von der deutschen Holding getrennt.
Mitarbeiter empfangen Schröder mit Applaus
Am Mittwoch besuchte Schröder eine Hyperglobus-Filiale im Westen Moskaus. Aufnahmen des russischen Wirtschaftssenders RBK zeigen, wie ihn Mitarbeiter mit Applaus empfingen. Anschließend hielt er eine kurze Ansprache und traf Beschäftigte hinter verschlossenen Türen, bevor er durch den Markt geführt wurde.
„Ich freue mich sehr, hier zu sein, diesen beeindruckenden Markt und die Ergebnisse Ihrer Arbeit zu sehen“, sagte Schröder laut RBK. Der Altkanzler erzählte den Beschäftigten zudem, dass er nach der Schule selbst drei Jahre im Einzelhandel ausgebildet wurde und in einem Geschäft für Keramik und Glas arbeitete.
Bei Hyperglobus soll Schröder an der allgemeinen Unternehmensführung mitwirken und die langfristige strategische Entwicklung des Russlandgeschäfts begleiten. Er selbst hatte bei seiner Berufung die Bedeutung wirtschaftlicher Kontakte zu Russland betont. Gerade „in Krisenzeiten“ seien solche Verbindungen wichtig, weil sie ermöglichten, miteinander im Gespräch zu bleiben und Wege in die Zukunft zu finden.
Schröder traf Putin bereits im Juni in Moskau
Die Einladung zum Geburtstag war nicht Schröders erstes Treffen mit Putin in diesem Jahr. Bereits im Juni war der frühere Kanzler nach Moskau gereist und hatte den russischen Präsidenten persönlich getroffen. Putins außenpolitischer Berater Juri Uschakow bezeichnete das Gespräch anschließend als „gut“, weitere Einzelheiten wurden nicht veröffentlicht.
Putin hatte Schröder zuvor sogar als möglichen Gesprächspartner Europas im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. Im Mai erklärte er, dem früheren Bundeskanzler zu vertrauen und ihn für jemanden zu halten, der deutsche Interessen vertreten könne. In Berlin und anderen europäischen Hauptstädten stieß der Vorschlag auf Zurückhaltung.
Schröders Nähe zu Putin und seine langjährigen Tätigkeiten für russische Energieunternehmen sorgen seit Jahren für Kritik. Nach seiner Kanzlerschaft übernahm er Funktionen bei Nord Stream und beim staatlichen Ölkonzern Rosneft. Den Rosneft-Posten gab er 2022 nach Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine auf. Die persönlichen Kontakte zu Putin hielt er jedoch aufrecht.
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