Zu einem Eklat hat der Versuch von zwei Zivilpolizisten geführt, am Mittwoch morgen einen 17jährigen Kurden an der Tempelhofer Werner-Stephan-Oberschule festzunehmen. Murat E. soll nach Willen der Ausländerbehörde abgeschoben werden. Schulleiter Siegfried Arnz verwies die Beamten des Hauses. Daraufhin erstatteten die Beamten Anzeige gegen Arnz wegen Strafvereitelung und unterlassener Hilfeleistung. Der Schulleiter beschwerte sich bei Polizeipräsident Hagen Saberschinsky über das Verhalten der Beamten.Diese hatten am selben Tag kurz nach 12 Uhr aus einer Gruppe von Schülern, die sich vor der Werner-Stephan-Oberschule versammelt hatten, einen Jungen herausgegriffen. Von diesem vermuteten sie laut Arnz, daß es sich um den gesuchten Murat E. handele. Die Überprüfung der Personalien ergab, daß die Beamten Akif A. vor sich hatten.Das Kollegium der Hauptschule kritisierte das Polizei-Vorgehen als "unglaublich empörend". In einer Stellungnahme der Lehrer heißt es: "Wir weigern uns entschieden, Razzien der Polizei auf unserem Schulgelände zuzulassen", wenn Probleme mit dem Aufenthaltsrecht der Grund sind. Laut Arnz sind rund 50 der 340 Schüler in Verfahren wegen ihres Aufenthaltsrechts verwickelt.Nach Ansicht von E.s Anwältin Caroline von Wedel-Parlow ist das Asylverfahren von Murat E. noch nicht rechtskräftig abgeschlossen. Daher sei unklar, ob der Abschiebebeschluß der Ausländerbehörde korrekt sei. Die Polizei wollte sich zum Vorgehen der Beamten nicht äußern. Der Vorfall werde geprüft. Eine "Tabuzone Schule" gebe es allerdings nicht. Das bestätigt die Anwältin: "Rechtlich ist eine Festnahme in der Schule möglich."Trotzdem hält Schulleiter Arnz das Vorgehen für "unerträglich". Er bezweifelt, daß sich Murat E. nach dem Auftritt der Polizisten in den nächsten Tagen in der Schule sehen läßt. (mp.)
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