Sie sind jung, erfolgreich und voller Ideen. Ihre Geschäfte laufen prima, doch Verträge dürfen sie nicht abschließen, Geld verdienen auch nicht. Das Einzige, was die jungen Unternehmer als Lohn erhalten, ist eine Menge Erfahrung und eine Ahnung davon, wie es in ihrem Berufsleben später einmal laufen könnte.Schülerfirmen gibt es an vielen Schulen. Meist verkaufen ihre Mitarbeiter belegte Brötchen, Obst, Getränke und Süßigkeiten in den Pausen. Doch die Schüler haben oft noch ganz andere Ideen, für die es sich lohnt, ein eigenes Unternehmen zu gründen. 80 Schülerfirmen aus dem Bundesgebiet stellen heute im FEZ in der Wuhlheide ihre Geschäftsideen vor. Besucher können Waren kaufen und bestellen - wie bei einer echten Fachmesse.Doch es geht nicht so sehr ums Geschäftliche, sondern um Sozialkompetenz. "Die Schüler lernen kreativ zu sein, es geht um Disziplin und Zuverlässigkeit, sie sind in ihrer Firma aufeinander angewiesen", sagt Messeorganisator Holger Rüh.Und so müssen auch die sieben Mädchen der Schule am Zwickauer Damm in Rudow lernen, Rechnungen zu schreiben, Bilanzen zu führen und den Arbeitstag zu organisieren. Kosmo Girls nennen sich die Schülerinnen, sie bieten Haar- und Nagelpflege in ihrer Schule an. Jeden Freitag öffnen die Mädchen von 9 bis 12.30 Uhr ihren Salon im Schulhaus. Sie waschen Mitschülern die Haare, massieren Hände und schminken Mädchen. "Fingernägel lackiere ich am liebsten", sagt Christine Netzner (16). Höchstens 1,50 Euro kosten die Dienstleistungen, Erwachsene zahlen das Doppelte. Gewinn machen die Kosmo Girls nicht, das Geld wird gebraucht für Shampoo, Spray und Schminke.Existenzsorgen müssen sich die jungen Unternehmer nicht machen, von der Wirtschafts- und Finanzkrise spüren sie nichts. Schülerfirmen funktionieren anders als gewöhnliche Firmen. Sie brauchen kein Startkapital, oft übernehmen Lehrer und Betreuer die finanzielle Verantwortung. Mitschüler, Lehrer und Eltern sind treue Kunden. "Oft ist so eine Schülerfirma ein Plus-minus-null-Geschäft mit geringem finanziellem Aufwand", sagt Holger Rüh. Doch die Posten werden verteilt wie im echten Leben.Mit 15 Jahren ist Benedikt Franke Geschäftsführer der Firma Elegancia, die Bio-Kaffee aus Nicarugua vertreibt. Der ist zwar teurer als gewöhnlicher Kaffee aus dem Supermarkt, "doch die Kaffeeproduzenten bekommen dafür einen gerechten Preis", sagt Franke. Seit April 2009 kümmern sich zwölf Schüler der 9. und 10. Klassen der privaten Gesamtschule in Petershagen bei Berlin um den Vertrieb des südamerikanischen Kaffees, den sie bei einem Großlieferanten bestellen. Der Kaffee wird nicht in der Schule verkauft, sondern in umliegenden Läden, auf Messen, Tagungen und im Lehrerzimmer. Wöchentlich treffen sich die Schüler zur Besprechung, geredet wird dann in Englisch und Spanisch.Handwerklich geht es jeden Donnerstag in der Fahrradwerkstatt der Lauterbach-Schule in Reinickendorf zu. Dann bringen die Schüler ihre Räder zur Reparatur. Acht Jungen der 9. und 10. Klassen flicken Schläuche, reparieren Bremsen, Licht und Gangschaltungen. Sie murren, wenn sie am Ende eine Rechnung schreiben müssen. Vielen fällt das schwer. "Wir sind eine Lernwerkstatt und kein Unternehmen, das auf Gewinn orientiert ist", sagt Burkhard Mildner, Lehrer für Arbeitslehre. Von den Einnahmen kauft er Werkzeug, Ersatzteile und Brötchen für die Frühstückspause in der Werkstatt. Auch das gehört zum Alltag einer Schülerfirma.------------------------------Heute präsentieren sich die Schülerfirmen von 10 bis 13 Uhr im FEZ, An der Wuhlheide 197. Eintritt 1 Euro.------------------------------Foto (2): Schön gestylt: Kosmo Girls nennen sich die Schülerinnen der Schule am Zwickauer Damm in Rudow (oben). Freitags bieten sie Mitschülern Haar- und Nagelpflege an. Höchstens 1,50 Euro verlangen sie dafür. Zum Job gehört auch die Buchführung. Das gefällt den Kosmo Girls nicht so gut.Präzise gearbeitet: Philipp Prante (rechts) repariert in der Fahrradwerkstatt der Lauterbach-Schule in Reinickendorf die defekten Räder seiner Mitschüler. Die acht Jungen der Schülerfirma kaufen auch gebrauchte Fahrräder, erneuern sie und verleihen sie kostenlos an Mitschüler, die kein Geld haben.Foto: Fair gehandelt: Elisa Funke (15) ist in der Schülerfirma Elegancia für Marketing und Finanzen zuständig. Das Unternehmen an der privaten Gesamtschule Petershagen bei Berlin handelt mit Kaffee aus Nicaragua. Der wird nicht an die Mitschüler verkauft, sondern in Läden, auf Tagungen und im Lehrerzimmer.
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