Proteste

Frankreich steht in Flammen: Wer radikalisiert die Schüler?

Fast 2000 Festnahmen, brennende Schulen. Eine Recherche führt zu La France Insoumise und ins Umfeld der Muslimbrüder.

4 Min
Ein Maskierter vor einer brennenden Barrikade im südwestfranzösischen Pau. Dort protestierten Schüler.

Ein Maskierter vor einer brennenden Barrikade im südwestfranzösischen Pau. Dort protestierten Schüler.

© David Le Deodic/Imago

In Marseille sollen Angreifer einen Schulleiter mit Benzin übergossen haben, in Nantes brannte eine Schule aus. Seit Beginn der Schülerproteste in Frankreich hat die Polizei fast 2000 Menschen festgenommen. Die französische Reporterin Nora Bussigny, die vor Ort von den Schülerprotesten berichtet, erklärt dieser Zeitung, warum die Lage so schnell eskaliert ist.

„Die Ultralinke, eng verbunden mit den Muslimbrüdern, radikalisiert die Schülerbewegungen, um zu destabilisieren“, erklärt sie. Bussigny ist Autorin des Buches „Die neuen Antisemiten“. Mit der Linkspartei La France Insoumise (LFI) liegt sie selbst im Streit, im vergangenen Jahr erstattete sie Anzeige gegen den LFI-Abgeordneten Paul Vannier wegen Cybermobbings.

Für das Magazin Le Point hat Bussigny ausgewertet, wer die Blockaden in sozialen Netzwerken verstärkt. Im Zentrum steht die Gruppe RED Jeunes, deren Videos teils rund 700.000 Aufrufe erreichen. Sie gehört laut Bussigny zum Bündnis Génération EDR, an dem auch die inzwischen aufgelöste Jeune Garde beteiligt war. Gegen das Bündnis läuft ein Auflösungsverfahren des Innenministeriums.

Zu LFI gibt es personelle Überschneidungen. Ein Sprecher des Bündnisses kandidierte 2024 für die Partei bei der Parlamentswahl. Ein Schülervertreter, der in einem Interview jede Verbindung zur Partei bestritt, stand laut Bussigny in diesem Jahr auf der Kommunalwahlliste eines LFI-Politikers. Abgeordnete wie Louis Boyard zeigten sich vor blockierten Schulen und verbreiten die Aufrufe über eigene Jugendkanäle auf Instagram.

Die Spur zu den Muslimbrüdern

Mitglied von Génération EDR sind laut Bussigny auch die Étudiants Musulmans de France. Ein Regierungsbericht aus dem vergangenen Jahr stufe sie als Jugendvertretung der Muslimbrüder in Frankreich ein. In Le Point beschreibt Bussigny gemeinsame Veranstaltungen mit RED Jeunes. Mehrere radikale Kollektive hätten Verbindungen zu den Muslimbrüdern und würden von ihnen unterstützt, sagte sie.

Für Dienstag ist ein weiterer landesweiter Aktionstag angekündigt. Vor Schulen in Bordeaux und im Pariser Umland wurden nach französischen Medienberichten bereits Palästina-Flaggen geschwenkt.

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Propalästinensische Proteste gibt es in Frankreich seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel im Oktober 2023 und dem folgenden Gaza-Krieg. Bei dem Angriff wurden rund 1200 Menschen getötet. In Gaza starben nach Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums mehr als 73.000 Menschen, die Zahl umfasst Zivilisten und Kämpfer.

Die Hamas steht auf der Terrorliste der EU. Führende LFI-Politiker lehnten es nach dem Angriff ab, sie als Terrororganisation zu bezeichnen.

Die Regierung argumentiert ähnlich. Das Amt von Premierminister Sébastien Lecornu sprach unter Berufung auf die Nachrichtendienste von einem „organisierten Manöver“ von LFI und der Ultralinken. Eine Note der Pariser Polizeipräfektur, über die Le Figaro berichtet, nennt die Präsenz von Aktivisten aus LFI und linksradikalen Gruppen bei den Blockaden.

Die Partei weist das zurück. Ihr Koordinator Manuel Bompard warnte die Regierung vor Verschwörungsdenken. Eine Steuerung der Blockaden ist bislang nicht belegt, Bussignys Recherche zeigt Verstärkung im Netz und personelle Nähe. Wer die Brandstiftungen und Angriffe verübt hat, haben die Behörden bislang nicht mitgeteilt. Bildungsminister Édouard Geffray sagte, die Gewalt gehe vor allem von Personen aus, die nicht zu den Schulen gehörten.

In einer Umfrage für Le Figaro fanden 61 Prozent, LFI überschreite mit ihrer Beteiligung an den Protesten ihre Rolle. Die Partei setzt auf junge Wähler. Die Abgeordnete Clémence Guetté rechnete im Mai vor, seit der Präsidentschaftswahl 2022 seien 4,3 Millionen Menschen volljährig geworden. „Die Jugend wird uns zum Sieg führen“, schrieb sie laut Le Point. Im Frühjahr wählt Frankreich einen neuen Präsidenten.

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