Schüttler verliert das Halbfinale gegen Nadal und verlässt Wimbledon dennoch als ein Gewinner

Raunen über dem Centre Court

Doris Henkel
4 Min

LONDON. Er hatte das Telefon ausgeschaltet, weil es nach einer Flut von Kurznachrichten heißgelaufen war, und hatte versucht, in der kurzen Zeit zwischen dem Sieg im Marathonspiel gegen Arnaud Clément und dem Halbfinale gegen Rafael Nadal auf dem Centre Court ein wenig Ruhe zu finden. Was er bei diesem Turnier geleistet hatte, das wurde Rainer Schüttler aber noch mal klar, als er um kurz nach drei am Freitagmittag hinter der grünen Plane hervorkam und den Centre Court betrat. Auf der Anzeigetafel stand sein Name neben dem von Rafael Nadal; wer diesen Anblick vor zwei Wochen als Kombination für das Halbfinale der All England Championships vorausgesagt hätte, der wäre als Fantast bezeichnet worden. Dass gut zwei Stunden später Nadal als Sieger auf der Tafel unter dem Ergebnis stand (6:1, 7:6, 6:4) nimmt Schüttlers Rückkehr auf die große Bühne nichts von ihrer Bedeutung.Dass er nach der kurzen Erholungspause und angesichts der erdrückenden Dominanz des Spaniers nur Außenseiter in diesem Spiel sein würde, das war allen klar. Während des ersten Satzes war auf den Rängen des Centre Courts bisweilen nur ein Raunen zu hören, denn Schüttler schien Schwierigkeiten zu haben, sich an die neuen, vergessenen Bedingungen zu gewöhnen. Der Satz dauerte nur 23 Minuten, doch in der restlichen Zeit des Spiels zeigte Schüttler, wie er in diesem Halbfinale gelandet war.Er ging zur Freude der Zuschauer vorübergehend in Führung, zwang Nadal in den Tiebreak und gewann auch im dritten Satz ein paar sehenswerte Punkte. Der Spanier wirkte zum ersten Mal bei diesem Turnier bisweilen ein klein wenig zögerlich und unsicher, aber am Ende reichte es für dennoch für einen souveränen Sieg.Rainer Schüttler schnappte sich das grün-lila Handtuch und verließ die große Bühne. Dass er nicht zufrieden mit sich war, sah man ihm an, aber das konnte nur eine Momentaufnahme sein. Das Turnier sei Balsam für seine Seele gewesen, hatte er am Abend zuvor nach dem Sieg gegen Clément gesagt. Nach seinem überraschenden Siegeszug wird er nächsten Montag wieder zu den besten 40 der Weltrangliste gehören, und auch aus seinem Traum, im August in Peking bei den Olympischen Spielen mitspielen zu dürfen, kann noch was werden. Der Deutsche Tennis Bund (DTB) hat ihn nach dem Halbfinal-Einzug dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) zur Nominierung vorgeschlagen.Rainer Schüttler kann Wimbledon erleichtert und zufrieden verlassen. Und Wimbledon freut sich auf das erhoffte Finale der Giganten Roger Federer und Rafael Nadal. Die Form des Titelverteidigers lässt keine Fragen zu. Beim 65. Sieg in Folge auf Rasen und dem 40. in Folge in Wimbledon gegen Marat Safin (6:3, 7:6, 6:4) dominierte er mehr, als es die Zahlen glauben machen. Er begann mit einem Break und hörte mit einem auf, und dazwischen surfte er auf der Welle seines effektiven, eleganten Spiels.Safin meinte hinterher, er müsse sich erst wieder an die großen Spiele gewöhnen; manchmal wirkte er ratlos. Dennoch sorgte er sowohl für den heitersten als auch für den lautesten Moment des Spiels: zum einen, als er einen Ball, der 50 Zentimeter innerhalb der weißen Linien gelandet war, vom elektronischen Überwachungssystem kontrollieren ließ, und zum anderen, als er seinen Schläger mit Karacho auf einen grünen Plastikstuhl drosch.Federer hat die Zeiten der Wutausbrüche längst hinter sich. Er ist inzwischen ein auf perfekte Formen bedachter Mann. Wie sehr er sich über alle Schlagzeilen geärgert hatte, in denen Nadal zum Favoriten auf den Gewinn des Titels erklärt war, ließ er nicht erkennen. Nach dem Sieg gegen Safin meinte er dazu, er habe sich gewundert über die Intensität der Diskussion und sagte: "Schreibt mich nicht zu schnell ab."------------------------------"Im ersten Satz hat er mich einfach überrollt."Rainer Schüttler über Rafael Nadal------------------------------Foto : Nur eine Momentaufnahme: Rainer Schüttler (l.) wirkte nach der Niederlage gegen Rafael Nadal unzufrieden.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner