In den Pausen dürfen sich jugendliche Zuwanderer auf den Schulhöfen in ihrer Heimatsprache verständigen. Die Mehrheit der von der Berliner Zeitung am Montag befragten Schulleiter lehnt es ab, dem Beispiel der Weddinger Herbert-Hoover-Realschule zu folgen. Dort hatte die Schulleitung in der Hausordnung festgelegt, dass grundsätzlich Deutsch gesprochen wird.Bernd Böttig von der Kreuzberger Eberhard-Klein-Schule will eine solche Hausordnung gar nicht erst einführen. "Man kann das einfach nicht kontrollieren", sagt der Schulleiter. Die Gesamtschule liegt in der Skalitzer Straße. Und Schlagzeilen hat die Einrichtung gemacht, weil die Eltern aller Schüler nicht aus Deutschland stammen. Böttig setzt lieber auf spezielle Programme, etwa wenn Studenten mit seinen Schülern Deutsch üben. Auch in der nicht weit entfernten Fichtelgebirgs-Grundschule dürfen die Heranwachsenden in den Pausen in ihrer Heimatsprache reden. "Ein Verbot kommt bei uns sicher nicht ins Schulprogramm", versichert Leiterin Annette Spieler. Es gehe viel mehr darum, Eltern zu überzeugen, mit der Sprachförderung frühzeitig im Hort anzufangen. Manuela Seidel von der Kreuzberger Jens-Nydahl-Grundschule hat mit den Eltern über die Frage sogar schon "sehr kontrovers" diskutiert. Seidel hält selbst ein Verbot für "eher bedenklich", hat aber noch keine endgültige Meinung. "Wer soll eine solche Deutsch-Pflicht nachprüfen und welche Sanktionen soll es geben?", fragt Petra Eggebrecht von der Neuköllner Rütli-Oberschule. Sie hat an ihrer Schule 85 Prozent Kinder, die oft in Arabisch, Türkisch oder Serbokroatisch miteinander reden. Harmut Blees von der Moabiter Moses-Mendelssohn-Schule hält ebenfalls nichts vom Verbot: "Das ist illusorisch und nicht gut." Im Mittelpunkt müsse stets die Förderung der deutschen Sprache im Unterricht stehen. Karl Reismüller von der Oberschule am Weddinger Brunnenplatz sieht dies ähnlich. Und Wilfried Kauert von der Weddinger Willy-Brandt-Oberschule sagt: "Man kommt nur mit den Eltern weiter." "Das Erziehungsziel ist das Erlernen der deutschen Sprache", unterstreicht Gerhard Rähme von der Kreuzberger Carl-von-Ossietzky-Oberschule. Über eine Hausordnung könne dies aber nicht verordnet werden. Wer im Unterricht kein Deutsch spricht, dem droht an der Kreuzberger Hector-Peterson-Schule ein ganzer Katalog an Maßnahmen - bis hin zum Nachsitzen. Die Pause aber bleibt bei Leiter Dietmar Pagel frei davon. Die Betroffenen an der Hoover- Schule reagieren unterschiedlich. Cansu aus der 9. Klasse findet die Hausordnung gut: "Viele Zehntklässler können keinen fehlerfreien Aufsatz schreiben." Ugur aus der 10. Klasse räumt ein, dass es mitunter schwierig sei, das Verbot einzuhalten: "Schließlich ist Türkisch meine Muttersprache."Der Türkische Bund ist unterdessen empört über Schulsenator Klaus Böger (SPD), der das Vorgehen der Weddinger Schule begrüßt hatte. "Niemand darf eine Sprache verbieten. Es ist nicht nachvollziehbar, welches pädagogische Ziel diese Maßnahme verfolgt", sagt Sprecherin Eren Ünsal. Dem Grünen-Politiker Özcan Mutlu geht das Verbot "entschieden zu weit". Es zeuge nicht von einer "Willkommenskultur". Giyasettin Sayan von der PDS nennt Sprachverbote eine hilflose Geste, die keine Lösung für Integrationsproblemen bieten. Dagegen urteilt die FDP-Politikerin Mieke Senftleben: "Der Weg der Hoover-Realschule ist richtig."So sieht es auch Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD). In den Stuttgarten Nachrichten sprach er sich für Deutsch als Pflichtsprache auf Schulhöfen aus. Thierse sagte, "es ist sinnvoll, diese Maßnahme auszudehnen um zu zeigen, dass wir unser Bemühen um Integration ernster nehmen."------------------------------Die Schulsprache ist die AmtsspracheIn der Hausordnung der Hoover-Realschule heißt es: "Die Schulsprache unserer Schule ist Deutsch, die Amtssprache der Bundesrepublik. Jeder Schüler ist verpflichtet, sich im Geltungsbereich der Hausordnung nur in dieser Sprache zu verständigen."Migranten: Von den 321 000 Schülern an staatlichen Schulen sind rund 85 400 Kinder von Migranten - 26,6 Prozent.------------------------------Foto: An vielen Schulen gehört das Kopftuch zum Alltag.
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