Frankreich

Schulproteste eskalieren in Frankreich: Bildungsminister ruft Eltern zu Hilfe

Aus Protest gegen schlechte Lernbedingungen blockieren Jugendliche ihre Schulen. Nach schweren Ausschreitungen sucht die Regierung den Dialog.

3 Min
Schüler geraten am 2. Oktober in Nancy mit der Polizei aneinander. Die landesweiten Proteste richten sich gegen schlechte Lernbedingungen und fehlende Mittel für Bildung.

Schüler geraten am 2. Oktober in Nancy mit der Polizei aneinander. Die landesweiten Proteste richten sich gegen schlechte Lernbedingungen und fehlende Mittel für Bildung.

© Muhammed Said Tako/Anadolu/imago

Angesichts der eskalierenden Schulproteste in Frankreich hat Bildungsminister Édouard Geffray die Eltern aufgefordert, ihre Kinder von den Blockaden fernzuhalten. „Ich appelliere an die Eltern: Lassen Sie Ihre Kinder nicht in Gefahr geraten“, schrieb der Minister am Donnerstag auf X. Rund 400 weiterführende Schulen blieben am Freitag geschlossen. Gleichzeitig begann Geffray Gespräche mit Schülervertretungen, Elternverbänden und Bildungsgewerkschaften.

Im Gespräch mit dem französischen Sender BFMTV erneuerte der Minister seinen Appell. Die Eltern müssten ihren Kindern sagen, dass sie nicht zu den Blockaden gehen sollten. Geffray begründete dies mit der „Gefahr auf der Straße“.

Vom Schulalltag zur landesweiten Protestwelle

Am Anfang stand Unzufriedenheit mit dem Schulalltag. Nach Darstellung von Le Monde begann die Bewegung mit einer spontanen Blockade an einer Schule in Créteil bei Paris. Schülerinnen und Schüler beklagten überladene Stundenpläne, fehlende Lehrkräfte und ungeeignete Räume.

Die Proteste breiteten sich anschließend über die Pariser Region hinaus aus. Zu den wiederkehrenden Forderungen gehören mehr Personal, kleinere Klassen und bessere Schulgebäude.

Auch die Sorge um den Zugang zum Studium spielt eine Rolle: Die Plattform Parcoursup organisiert die Bewerbung um Studienplätze und steht bei einem Teil der Jugendlichen in der Kritik. Sie beklagen etwa undurchsichtige Auswahlverfahren, lange Wartezeiten und die Unsicherheit, ob sie einen Platz im gewünschten Studiengang erhalten.

Festnahmen, Brände und Verletzte

Inzwischen haben sich auch Studierende angeschlossen. Am Donnerstag waren laut Innenministerium 1027 Schulen von Aktionen betroffen, darunter 222 Blockaden. Die Behörden meldeten 1949 Festnahmen. Nach Angaben des Ministeriums wurden an diesem Tag 305 Polizisten, Gendarmen und Feuerwehrleute verletzt.

Auch Schülerinnen, Schüler und Schulbeschäftigte erlitten Verletzungen bei Polizeieinsätzen. Nach der schweren Verletzung eines Jugendlichen in Saint-Ouen-l’Aumône wurden Untersuchungen eingeleitet.

Geffray nannte am Freitag 170 verletzte Schüler und 65 verletzte Beschäftigte seit Beginn der Bewegung, darunter 40 Schulleiter. Mehr als hundert Schulen hätten schwere Beschädigungen erlitten. Viele geschlossene Einrichtungen sollen vorerst Fernunterricht anbieten.

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Am Freitag kam es erneut zu Zwischenfällen. In Toulouse setzte die Polizei nahe dem Lycée Déodat-de-Séverac Tränengas ein, wie die Zeitung La Dépêche vor Ort berichtete. In Colomiers gerieten vermummte Personen mit Einsatzkräften aneinander. Andere Aktionen verliefen friedlich, etwa eine Blockade in Villeneuve-sur-Lot.

Polizisten stehen nahe einem Feuer vor dem Lycée Freyssinet in Saint-Brieuc. Jugendliche haben dort im Zuge der landesweiten Schulproteste demonstriert.

Polizisten stehen nahe einem Feuer vor dem Lycée Freyssinet in Saint-Brieuc. Jugendliche haben dort im Zuge der landesweiten Schulproteste demonstriert.

© Lionel Le Saux/PHOTOPQR/Le Télégramme/MAXPPP/imago

Streit über Gewalt und politische Verantwortung

Die Regierung wirft der Linkspartei La France insoumise (LFI) vor, die Proteste angeheizt zu haben. Geffray erklärte, gewalttätige Gruppen hätten die Schülerbewegung vereinnahmt. LFI-Koordinator Manuel Bompard wies laut AFP die Behauptung zurück, seine Partei und ihr nahestehende Gruppen hätten die Proteste organisiert. Er warf der Regierung vor, sich in Verschwörungstheorien zu verlieren.

Le Monde beschreibt die Bewegung als Herausforderung für eine Regierung, die zwischen Sicherheitsmaßnahmen und verspätetem Dialog nach einem Ausweg sucht.

Eine erste politische Konzession gab es bereits: Die Regierung verzichtete auf geplante Einschreibegebühren für bestimmte weiterführende Bildungsgänge, darunter die Vorbereitungsklassen für die Grandes Écoles. Diese Maßnahme war jedoch bereits im Haushaltsentwurf für das Jahr 2027 vorgesehen und hatte die Proteste nicht ausgelöst. Die grundlegenden Beschwerden über den Schulalltag bleiben bestehen.

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