Bildung

Alarmierende Zahlen vor der Einschulung: In Marzahn-Hellersdorf wächst der Förderbedarf

Bei 66 Prozent der untersuchten Kinder wurde Förderbedarf festgestellt, in einem Kiez sogar bei fast 90 Prozent. Was die Gründe sind und warum die Schulen schon jetzt überlastet sind.

Alexandra Gretschichin
Alexandra Gretschichin
3 Min
Bei vielen Kindern in Marzahn-Hellersdorf wird bereits vor der Einschulung Förderbedarf festgestellt. (Symbolbild)

Bei vielen Kindern in Marzahn-Hellersdorf wird bereits vor der Einschulung Förderbedarf festgestellt. (Symbolbild)

© Julian Stratenschulte/dpa

Bei vielen Kindern in Marzahn-Hellersdorf wird bereits vor dem Start in die Schule Förderbedarf festgestellt. Das zeigen die Schuleingangsuntersuchungen für das Schuljahr 2023/24, die das Bezirksamt nun ausgewertet hat. Besonders auffällig sind die großen Unterschiede innerhalb des Bezirks.

Bei 66 Prozent der untersuchten Kinder wurde demnach ein schulischer Förderbedarf festgestellt. Der Anteil ist in den vergangenen Jahren gestiegen: 2019 waren es 59,7 Prozent, 2022 bereits 61,7 Prozent.

Zwischen 24 und 87 Prozent Förderbedarf

Von den neun Bezirksregionen weist Hellersdorf-Ost mit 80,4 Prozent den höchsten Förderbedarf auf. Noch deutlicher wird die Spannweite bei der erstmals vorgenommenen Auswertung nach kleineren Planungsräumen.

In den Ahrensfelder Bergen in Marzahn-Mitte wurde bei 86,5 Prozent der untersuchten Kinder ein Förderbedarf festgestellt. In Mahlsdorf-Nord waren es dagegen lediglich 24,2 Prozent.

Auch bei den Sprachkenntnissen zeigen sich deutliche Unterschiede. In Hellersdorf-Nord wurden bei 63,7 Prozent der Kinder Sprachdefizite festgestellt. Gleichzeitig gehörten dort 25,5 Prozent der Elternhäuser zur unteren Sozialstatusgruppe.

Die Untersuchung zeigt damit erneut eine bereits in den vergangenen Jahren beobachtete Zweiteilung des Bezirks: Während die Förderbedarfe in den Siedlungsgebieten Kaulsdorf, Mahlsdorf und Biesdorf vergleichsweise niedrig sind, liegen sie in den Großsiedlungen von Hellersdorf und Marzahn deutlich höher.

Weniger Alleinerziehende und rauchende Eltern

Bei einigen sozialen Faktoren zeigt sich dagegen eine positive Entwicklung. Der Anteil alleinerziehender Haushalte sank gegenüber 2019. Auch der Anteil rauchender Eltern ging zurück – von 42,9 auf 27,2 Prozent. In Marzahn-Nord lag der Anteil alleinerziehender Elternhäuser mit 36,4 Prozent dennoch über dem Bezirksdurchschnitt von 27,2 Prozent.

Wie groß die Unterschiede bei den Startbedingungen der Kinder sind, hängt dabei auch mit dem sozialen Umfeld zusammen. Besonders hohe Förderbedarfe treten laut Auswertung vor allem in Gebieten auf, in denen viele Familien einen niedrigen Sozialstatus haben.

Pandemie-Folgen bleiben sichtbar

Die jüngsten Zahlen sind allerdings nur eingeschränkt mit früheren Jahrgängen vergleichbar. Der Beginn des Jahres 2023 war noch von Corona-Einschränkungen geprägt. Viele Kinder konnten zuvor zeitweise nur eingeschränkt oder gar nicht in der Kita betreut werden. Zudem wurden statt der erwarteten 3400 nur knapp 2000 Kinder untersucht. Die Ergebnisse sind deshalb weniger belastbar als in den Vorjahren.

Auffällig ist auch der Medienkonsum: 32,6 Prozent der Eltern gaben an, dass ihre Kinder täglich rund zwei Stunden digitale Medien nutzen. Weniger Kitabetreuung während der Pandemie und ein gestiegener Medienkonsum könnten laut Bezirksamt zur Entwicklung beigetragen haben.

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Lemm fordert mehr Unterstützung für Kinder

Bezirksstadtrat Gordon Lemm bezeichnet die hohen Förderzahlen als „erschreckend“. Einen wichtigen Ansatz sieht er bei der Unterstützung im Elternhaus und beim Umgang mit digitalen Medien. Für Kinder im Vorschulalter empfiehlt er maximal 30 Minuten Medienkonsum täglich – begleitet durch die Eltern.

Gleichzeitig fordert Lemm mehr Unterstützung für Kitas und Schulen. „Unsere Schulen sind mit den riesigen Förderbedarfen überlastet und nicht adäquat ausgestattet“, sagt er und spricht sich für smartphonefreie Schulen und einen Ausbau präventiver Angebote wie der Kitasozialarbeit aus.

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