Rund 120 Menschen aus Berlin haben am Samstag an der Demonstration zum Christopher Street Day (CSD) in Hamburg teilgenommen – eine Woche nach dem Anschlag auf den Berliner CSD. Die Delegation war mit einem eigenen Truck im Zug durch die Hansestadt dabei. Aus Respekt vor der in Berlin getöteten Frau und den 31 zum Teil schwer verletzten Menschen trugen die Teilnehmenden schwarze T-Shirts.
„Die Stimmung ist durchwachsen. Es ist ein Auf und Ab“, sagte Monique King, die beim Berliner CSD das Bühnenprogramm verantwortet und ehemaliges Vorstandsmitglied des Ausrichtervereins ist. „Wir sind hier, um Flagge und Präsenz zu zeigen. Um zu zeigen: Wir weichen keinen Schritt zurück und lassen uns nicht verängstigen.“
„Das Beste aus der Situation machen“
Auf dem Truck der Hauptstädter wurde auch die übliche Musik gespielt. „Das gehört dazu“, sagte King. Sie zeigte zugleich Verständnis für alle, die nach dem Schrecken des vergangenen Wochenendes nicht in der Lage gewesen seien, die Reise nach Hamburg anzutreten. „Wir wollen das Beste aus der Situation machen.“
Der Großteil der Berliner Delegation wollte noch am Samstagabend die Rückreise antreten, um am Sonntag an der Mahnwache für die Opfer des Anschlags im Tiergarten teilzunehmen. Auch Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) war beim Hamburger CSD vor Ort. Nach dem Anschlag in Berlin „geht es jetzt darum, an der Seite der queeren Community zu stehen“, erklärte sie. „Der Anschlag darf nicht dazu führen, dass sich queere Menschen aus Angst zurückziehen oder weniger sichtbar werden.“
Rekordbeteiligung in Hamburg
Insgesamt zogen nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern rund 300.000 Menschen bei der Demonstration durch Hamburg – ein neuer Rekord. Im Vorjahr waren etwa 260.000 Menschen gezählt worden. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Solidarisch queer. Haltung zeigen – für eine Zukunft ohne Angst“. Die Polizei setzte rund doppelt so viele Sicherheitskräfte ein wie im Vorjahr. Eine Polizeisprecherin beschrieb die Stimmung als „absolut friedlich und ausgelassen“. Über Zwischenfälle sei nichts bekannt.
Am Samstag vergangener Woche war in Berlin ein 21-Jähriger mit einem Kleintransporter nahe der Abschlussfeier der CSD-Demonstration in Menschen gefahren und hatte weitere mutmaßlich mit einer Machete attackiert. Eine Frau starb, 31 Menschen wurden verletzt. (mit dpa)
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