In einem sind Air-Berlin-Chef Joachim Hunold und sein Finanzvorstand Ulf Hüttmeyer unbestritten ausgewiesene Experten - in der Fähigkeit, den Zustand des Unternehmen positiv darzustellen. Weniger wohlwollend ausgedrückt: Die beiden verstehen sich prächtig darin, die Dinge schönzureden. "Air Berlin hat sich in ihren Kernmärkten weiter positiv entwickelt", lautete gestern angesichts der Vorlage des Jahresergebnisses 2008 eine der Kernaussagen ihrer Präsentation. An anderer Stelle hieß es: "Das stabile Geschäftsmodell hilft Air Berlin im aktuellen Krisenumfeld." Oder auch: "Die Zahlen 2008 spiegeln die erfolgreichen Anstrengungen der Konsolidierung wider."Nimmt man allerdings die rosarote Brille ab, ist das Ergebnis ernüchternd. 75 Millionen Verlust hat Air Berlin 2008 eingeflogen. Das war fast doppelt so viel wie im Vorjahr. Auch dafür hatten die beiden Manager natürlich eine Erklärung parat. Die Abschreibung von Verlustvorträgen und Zinseffekte seien dafür im wesentlich verantwortlich. Dennoch - der Verlust steht.Natürlich wäre es unfair, den Air-Berlin-Managern deshalb Versagen vorzuwerfen. Die gesamte Luftfahrtbranche steckt nun einmal in einer schwierigen Lage und durch die Wirtschaftskrise hat sich ihre Situation nicht gerade verbessert. So rechnet Air Berlin im laufenden Jahr mit einem deutlichen Rückgang der Passagierzahl: Sie dürfte um vier bis fünf Prozent auf gut 27 Millionen schrumpfen, räumte Hunold ein. Die Flotte soll deshalb im laufenden Jahr statt wie geplant von aktuell 125 nicht auf 140, sondern lediglich auf 128 Maschinen aufgestockt werden. Zudem müssen sich die Kunden darauf einstellen, dass die Zahl der Flüge reduziert wird - vor allem im Interkontinentalverkehr.Auch längerfristig ist keine Besserung in Sicht. Das musste Hunold indirekt ebenfalls eingestehen, als er gefragt wurde, wie viele Jahre die Aktionäre denn noch warten müssten, bis sein Unternehmen endlich einen Gewinn ausweisen werde. "Da müssen Sie schon die Kanzlerin fragen, wann die politischen Rahmenbedingungen endlich besser werden", lautete seine Antwort. Ziel von Air Berlin sei es, 2009 das Ebit weiter zu verbessern, führte Hunold noch aus. Das Ebit indes ist eine Kennzahl, auf die Unternehmen gerne zurückgreifen, wenn die tatsächliche Gewinnsituation weniger erbaulich ist. Denn das Ebit sieht großzügig über Steuern, Zinsaufwendungen oder außerordentlichen Kosten hinweg. Kein Wunder deshalb, dass selbst bei Air Berlin für 2008 mit 14,2 Millionen Euro eine positive Zahl beim Ebit herauskommt.Immerhin hat die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft nun zwei neue Großaktionäre gefunden, mit deren Hilfe sie in diesen schwierigen Zeiten besser bestehen will: Der Touristikkonzern TUI, der für 65 Millionen Euro 19,9 Prozent der Air-Berlin-Anteile übernimmt, und der türkische Investor ESAS, der mit 15,3 Prozent bei Air Berlin einsteigt. Von der TUI-Tochter TUIfly übernimmt Air Berlin vom Winter an auch die Städteflüge. Zu diesem Zweck mietet Hunold zusätzlich 17 Maschinen von TUIfly an und baut somit die Position seiner Airline aus. Diese Deals verhalfen dem Air-Berlin-Aktienkurs gestern zunächst zu einem kleinen Höhenflug. Doch der dauerte nur kurz. Offenbar hat das Jahresergebnis die Anleger doch ordentlich ernüchtert.------------------------------Grafik: (2) AIR BERLIN Umsatz, Gewinnentwicklung
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