Zwei aus Syrien zurückgekehrte Australierinnen wurden am Freitag einem Gericht in Melbourne vorgeführt. Die australische Bundespolizei (AFP) wirft ihnen Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor. Das geht aus einer Mitteilung der Behörde hervor.
Die 53-Jährige und die 31-Jährige waren am Donnerstagabend bei ihrer Ankunft am Flughafen Melbourne festgenommen worden. Zugegriffen hat eine gemeinsame Anti-Terror-Einheit des Bundesstaats Victoria, in der die AFP, die Polizei von Victoria und der Inlandsgeheimdienst ASIO zusammenarbeiten.
Vorwürfe und Strafrahmen
Der älteren Frau legt die Bundespolizei Versklavung, Besitz und Ausbeutung einer Sklavin sowie Sklavenhandel zur Last. Sie soll 2014 mit Ehemann und Kindern nach Syrien gereist sein und an dem Kauf einer Frau für 10.000 US-Dollar beteiligt gewesen sein und diese wissentlich im Haushalt gehalten haben. Der 31-Jährigen legt die AFP Versklavung und die Ausbeutung einer Sklavin zur Last. Auch sie soll 2014 mit ihrer Familie nach Syrien gereist sein. Auf jeden der Vorwürfe stehen bis zu 25 Jahre Haft.
Beide Frauen wurden laut der Bundespolizei im März 2019 von kurdischen Kräften festgesetzt und mit weiteren Familienangehörigen im Lager Al Roj für Binnenvertriebene festgehalten. Die beiden Frauen bleiben bis zu einem Haftprüfungstermin am Montag in Untersuchungshaft, wie der australische öffentliche Rundfunk ABC berichtete. Ihre Anwälte kündigten demnach Anträge auf Freilassung gegen Kaution an. Die konkreten Tatvorwürfe sollen erst bei dieser Anhörung vor der zuständigen Richterin Lisa Hannan verlesen werden. Sie beziehen sich laut Gerichtsunterlagen auf den Zeitraum zwischen Juni 2017 und November 2018.
Dritter Fall in Sydney
ABC berichtet zudem über einen dritten Fall: Eine 32-jährige Frau wurde am Donnerstagabend in Sydney angeklagt, da sie in ein als Konfliktgebiet eingestuftes Gebiet eingereist und sich der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) angeschlossen haben soll. Ihr Verteidiger Michael Ainsworth sagte vor Gericht aus, dass die Frau und ihr neunjähriger Sohn vermutlich an einer posttraumatischen Belastungsstörung litten und dringend medizinische Versorgung bräuchten. Laut Staatsanwalt Brian Massone sei die Angeklagte vorsätzlich in die damals vom IS kontrollierte Stadt Rakka gereist.
Der für die Terrorismusbekämpfung zuständige AFP-Beamte Stephen Nutt erklärte, die Vorbereitungen auf eine mögliche Rückkehr von Personen aus dem Nahen Osten hätten 2015 begonnen und seien später unter dem Namen Operation Kurrajong zusammengefasst worden. Alle Australier, die in ausgewiesene Konfliktgebiete gereist seien, würden systematisch überprüft. Martin O’Brien, ein leitender Beamter der Polizei von Victoria, betonte, die Sicherheit der Menschen in Victoria stehe an erster Stelle.
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