Ukraine-Krieg

„Schwierige Sicherheitslage“: Gouverneur ruft Bewohner zum Verlassen der Stadt Cherson auf

Die Ukraine meldet schwere Schäden an der Wärmekraftanlage in Cherson nach russischen Angriffen. Der Gouverneur der Region ruft die Bewohner der Stadt zur Ausreise auf.

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Autos fahren auf einer Straße in der Nähe der Frontstadt in der Südukraine, die mit einem Anti-Drohnennetz überspannt ist.

Autos fahren auf einer Straße in der Nähe der Frontstadt in der Südukraine, die mit einem Anti-Drohnennetz überspannt ist.

© Efrem Lukatsky/AP

Der Gouverneur der ukrainischen Region Cherson, Oleksandr Prokudin, hat die Einwohner der gleichnamigen Stadt zur Ausreise aufgerufen. „Ich wende mich erneut an die Einwohner von Cherson, insbesondere an Familien mit Kindern und ältere Menschen: Wenn Sie die Möglichkeit haben und Verwandte oder Freunde in sichereren Regionen haben – reisen Sie aus“, schrieb er in einem Beitrag auf Telegram.

Hintergrund sind unter anderem schwere Schäden an der Energieversorgung der Stadt. Russland hatte das Wärmekraftwerk von Cherson in der Nacht zum Donnerstag erneut mit Fliegerbomben angegriffen, erklärte Prokudin. Nach Angaben des staatlichen ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz wurde die Anlage dabei von vier Gleitbomben getroffen. Sämtliche noch vorhandenen Anlagen zur Erzeugung von Wärme und Strom seien dadurch außer Betrieb gesetzt worden, berichtete der Kyiv Independent.

Prokudin rechnet mit längeren Ausfällen von Strom- und Wärmeversorgung

„Wir können für diesen Winter nicht mehr damit rechnen, dass die Wärmekraftanlage oder andere Einrichtungen der kritischen Infrastruktur im gewohnten Umfang betrieben werden können“, schrieb Prokudin. Die Sicherheitslage in Cherson bezeichnete er als „äußerst schwierig“. Russland verstärke seine Angriffe auf die kritische Infrastruktur der Region.

Prokudin warnte, Cherson könne in diesem Winter möglicherweise nicht nur für einige Stunden oder Tage, sondern für längere Zeit ohne Strom und Wärme bleiben. Die Stadtverwaltung arbeite deshalb gemeinsam mit kommunalen Diensten, Energieversorgern und der Regierung an alternativen Möglichkeiten für die Wärme- und Energieversorgung.

Nach Angaben des Kyiv Independent leben trotz der anhaltenden Angriffe noch mehr als 60.000 Menschen in Cherson, darunter mehr als 4000 Kinder. Die Stadt, die in der Nähe der Front liegt, hatte laut AFP vor Kriegsbeginn rund 280.000 Einwohner.

Drohnenangriffe in Sewastopol

Unterdessen wurden auch aus Sewastopol auf der im Jahr 2014 von Russland annektierten Halbinsel Krim Drohnenangriffe gemeldet. Der von Moskau eingesetzte Gouverneur Michail Raswoschajew erklärte laut Reuters am Freitag, Drohnen hätten unter anderem ein fünfstöckiges Wohnhaus getroffen. Vier Menschen seien verletzt worden.

Zudem seien ein Hotel, ein Kindergarten und mehr als ein Dutzend Autos durch Drohnen oder Trümmer beschädigt worden. In der Nähe von Öldepots habe Gras Feuer gefangen; die Depots selbst seien nicht getroffen worden.

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