Nach tagelanger Schließung und heftigen Debatten ist das temporäre Schwimmbad vor der Berliner Volksbühne wieder offen. Seit diesem Samstag wird wieder geschwommen. Um 12 Uhr startete das Theater ein sogenanntes solidarisches Anbaden, wie eine Sprecherin bestätigte.
Davor lagen Tage voller Ärger: Seit dem vergangenen Dienstag war das „Volksbad“ zu. Zuerst verhinderten defekte Duschen den Badebetrieb. Dann sagten die Volksbühne und der Verein „Each One Teach One“ eine für Freitag geplante Veranstaltung ab: Dabei sollten exklusiv Menschen der schwarzen Community können.
Was ist das Volksbad der Volksbühne?
Das Volksbad ist ein temporäres Freibad auf dem Vorplatz der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz. Das Becken ist 25 Meter lang und 1,30 Meter tief. Der Eintritt ist gratis, gebadet wird in Zwei-Stunden-Slots, die online buchbar sind.
Eröffnet wurde die Anlage an einem Freitag unter bundesweiter Aufmerksamkeit. Geplant ist der Betrieb bis zum 1. Oktober. Sonntag und Montag sind Ruhetage, am Dienstag geht es weiter.
Warum kostet das Volksbad 300.000 Euro?
Über die Kosten diskutierte Berlin tagelang. Das Projekt schlägt mit 300.000 Euro zu Buche. Davon entfallen 90.000 Euro auf das Becken selbst. Die restlichen 210.000 Euro gingen an Personal, Projektplanung und Sicherheit. Die Volksbühne wird jährlich mit über 20 Millionen Euro bezuschusst.
Für Intendant Matthias Lilienthal ist das Volksbad mehr als Badespaß. Er versteht es als politisches Statement. Der Pool sei ein Protest gegen eine Stadt, die selbstverständlich Millionen in Autobahnbrücken stecke, aber Schulen und Theater vernachlässige, sagte er zur Eröffnung. Auch gegen den gekürzten Kulturetat richte sich die Aktion.
Warum wurde der Schwimmtermin nur für Schwarze Menschen abgesagt?
Der eigentliche Konflikt entzündete sich an einem einzigen Termin. Für den Freitag, den 14. August, war das Becken von 12 bis 18 Uhr exklusiv für Schwarze Communitys reserviert.
Organisiert wurde der Nachmittag mit dem Verein Each One Teach One (EOTO) im Rahmen eines Sommerferienprogramms für Schwarze Kinder und Jugendliche.
Nachdem mehrere Medien und die AfD das Angebot kritisiert hatten, sagten Theater und Verein den Termin ab. Vorausgegangen seien rassistische Diskussionen und Drohungen, so die Volksbühne.
Zunächst hieß es auf der Website des Theaters: „In diesem Zeitraum ist das Volksbad exklusiv für Schwarze Communitys geöffnet“. Besucher wurden gebeten, „diese kollektive Selbstbezeichnung und die damit verbundenen Räume zu respektieren“.
Volksbad der Volksbühne kurz nach Eröffnung geschlossen
Volksbühne: Pool-Tag nur für Schwarze Community sorgt für Streit
Am Dienstagabend formulierte die Volksbühne den Eintrag um. Nun stand dort nur noch: „Das Volksbad ist heute für Each One Teach One (EOTO) e. V. reserviert“.
Wie es mit dem Volksbad jetzt weitergeht
Für das solidarische Anbaden am Samstag waren die kostenlosen Online-Tickets schnell vergriffen. Wer keins ergattert hat, muss nicht zwingend draußen bleiben: Je nach Kapazität seien auch spontane Besuche möglich, so das Theater.
Der Badebetrieb läuft nach den Ruhetagen am Sonntag und Montag ab Dienstag weiter – geplant bis zum 1. Oktober.
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