Schwimmsport

Europas Schwimmverband beendet Sonderstatus für Sportler aus Russland und Belarus

Der europäische Schwimmverband lässt russische und belarussische Sportler wieder mit Landesfarben, Flagge und Hymne antreten. Widerstand kommt aus Polen, Norwegen und der Ukraine.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Die russischen Synchronschwimmerinnen waren bei der Europameisterschaft in Paris noch ohne nationale Symbole angetreten.

Die russischen Synchronschwimmerinnen waren bei der Europameisterschaft in Paris noch ohne nationale Symbole angetreten.

© Joel Marklund/imago

Der europäische Schwimmverband European Aquatics beendet an diesem Dienstag den Sonderstatus für Sportler aus Russland und Belarus. Vom 1. September an dürfen erwachsene Athletinnen und Athleten aus beiden Ländern bei europäischen Wettbewerben wieder in nationalen Trikots, unter eigener Flagge und mit ihrer Hymne starten. Das teilte der Verband auf seiner Internetseite mit.

European Aquatics ist der Dachverband für die Wassersportarten in Europa und richtet unter anderem die kontinentalen Meisterschaften im Schwimmen, Wasserspringen, Freiwasserschwimmen, Synchronschwimmen und Wasserball aus.

European Aquatics hatte diesen Schritt zunächst hinausgezögert. Nach einer Sitzung des Verbandsvorstands Ende April bat der Kontinentalverband darum, eine bereits vom Weltverband beschlossene Öffnung erst zum 1. September auf europäische Wettkämpfe anzuwenden.

Bis dahin konnten zugelassene Sportler aus Russland und Belarus nur als sogenannte neutrale Einzelathleten antreten – also ohne Landessymbole. So blieb die Neutralitätsregel auch bei der Schwimm-Europameisterschaft im Sommer in Frankreich in Kraft, die vom 31. Juli bis 16. August in Paris ausgetragen wurde.

Weltverband hatte Rückkehr im April beschlossen

Grundlage der Neuregelung ist eine Entscheidung des Weltverbands World Aquatics vom 13. April. Danach unterliegen Athleten mit russischer oder belarussischer Staatsangehörigkeit nicht mehr den Sonderregeln, die wegen des Kriegs in der Ukraine galten. Sie sollen wieder so wie Sportler anderer Nationen antreten können, teilte der Weltverband mit.

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Voraussetzung für den Start unter nationalen Symbolen bleiben nach Angaben von World Aquatics vier aufeinanderfolgende Dopingkontrollen in Zusammenarbeit mit der internationalen Testagentur ITA sowie eine Überprüfung des persönlichen Hintergrunds. Seit 2023 seien mehr als 700 Überprüfungen bei Sportlern mit russischer oder belarussischer Sportnationalität vorgenommen worden.

Rückenwind für die Öffnung kam zuletzt auch vom Internationalen Olympischen Komitee. Das IOC hob Anfang Juli einen Teil seiner Beschränkungen gegen russische Sportler auf und erlaubt ihnen künftig auch die Qualifikation in Mannschaftssportarten für die Sommerspiele 2028 in Los Angeles. Belarussische Athleten waren bereits im Mai vollständig wieder zugelassen worden.

Ob russische Sportler bei Olympia unter nationaler Flagge und mit Hymne antreten dürfen, hat das IOC noch nicht entschieden.

Widerstand von mehreren Verbänden

Die Öffnung stößt in Europa auf Widerstand. Wie das Fachportal Inside the Games berichtet, drohten die Verbände von Polen und Norwegen zuletzt mit Boykotten oder damit, bereits vergebene Wettkämpfe nicht auszurichten, falls die vollständige Rückkehr der Sportler dieser beiden Nationen jetzt schon erfolge.

Bei einem Wasserball-Weltcupspiel auf Malta verweigerte die ukrainische Herrenmannschaft den Antritt gegen Russland. World Aquatics wertete die Partie mit 5:0 für Russland.

Andere Weltverbände halten dagegen an einem harten Kurs fest. Der Leichtathletik-Weltverband World Athletics schließt russische und belarussische Athleten laut der Nachrichtenagentur AP weiterhin vollständig aus. Auch die Fußballverbände FIFA und UEFA lassen russische Mannschaften bei Wettbewerben wie Weltmeisterschaft und Champions League nicht zu.

Der ukrainische Minister für Jugend und Sport, Matwij Bidnyj, kritisierte laut Inside the Games die Erlaubnis zur Verwendung nationaler Symbole von Russland und Belarus scharf. Russlands Sportminister Michail Degtjarjow dankte dagegen dem Weltverbandspräsidenten für dessen faire Haltung.

Das Internationale Olympische Komitee stellte klar, dass jeder internationale Fachverband außerhalb der Olympischen Spiele selbst über die Zulassung nationaler Symbole entscheide.

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