Sebastian Vettels Zukunft in der Formel 1 ist gesichert, andere deutsche Fahrer kämpfen um ihren Job

Richtige Zeit, richtiger Ort

Elmar Brümmer
4 Min

BUDAPEST. Der Jüngste war schon der Schnellste, bevor er am Freitag am Hungaroring zum ersten Mal als Stammpilot in einen Formel-1-Rennwagen stieg: Sebastian Vettel (20) aus Heppenheim hat mit seinem Blitztransfer von der zweiten Reihe bei BMW ins Cockpit des Toro Rosso-Teams als Erster aus dem deutschen Fahrer-Sextett seine Zukunft für die Saison 2008 gesichert. Die Blitz-Schach-Variante tut Not, denn auf dem rasenden Fahrermarkt kann es ganz schnell eng werden. Vettels Weggang erscheint als Verlust für die langfristige Planung des BMW-Teams, zumal er mittlerweile schon drei imageträchtige Spitznamen hat: Baby-Schumi, Bubi-Schumi, Bonsai-Schumi.Sollte sich der Jüngling beim Hinterbänkler Toro Rosso bewähren, steht im Jahr 2009 die Beförderung ins große Red-Bull-Team an. "Wir wollen ihn zum Topfahrer ausbilden", sagt Toro-Rosso-Boss Gerhard Berger, der Vettel einst von Michael Schumacher im Mauritius-Urlaub empfohlen bekam. Für Nick Heidfeld ist der Wechsel des bisherigen BMW-Testpiloten jedenfalls ein Gewinn, denn wen anders als den 30 Jahre alten Routinier soll BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen in der kommenden Saison ins Rennen schicken? Dank 30 WM-Punkten ist der Mönchengladbacher mit Wohnsitz in der Schweiz der beste Deutsche, und die neue Situation erlaubt Heidfelds Management sogar Spielmasse beim Vertragspoker: Dem Piloten müsste an einem Zwei-Jahres-Kontrakt gelegen sein. Arbeitgeber BMW jedoch will sich vermutlich nicht zu lange binden und lässt verlauten, dass man eine Entscheidung in der Sommerpause verkünden werde - die beginnt am kommenden Montag.Rosberg, das OpferAussichtsreichster Teutone neben Heidfeld ist Nico Rosberg (22). Die Aktien des Wiesbadeners stehen weit besser, als es seine fünf Punkte ausdrücken, zumal er beim anstehenden Generationswechsel im Grand-Prix-Sport zu den Fahrern mit Perspektive zählt. Der Sohn des früheren Weltmeisters Keke Rosberg ist ein doppeltes Opfer des Williams-Rennwagens: Mal hält das Auto nicht, mal ist es nicht schnell genug. Er weiß, dass er auf Dauer sein Talent nicht verschleudern darf, und liebäugelt mit einem Upgrade. Momentan ist bei den Spitzenteams lediglich eine Möglichkeit offen: Das Renault-Team, wo Flavio Briatore sich eventuell von seinen Piloten Giancarlo Fisichella und Heikki Kovalainen trennen könnte - falls er Rosberg und vielleicht sogar Fernando Alonso haben könnte. Ein Wechsel des Deutschen ist wahrscheinlicher als eine Rückkehr des bei McLaren-Mercedes frustrierten Spaniers, denn Teamchef Frank Williams lobt Rosberg über den grünen Klee: "Nico wird ein Star werden."Der britische Geschäftemacher Williams hat ein gutes Händchen, wenn es um das Aushandeln von Ablösesummen geht. Jahrelang lebte sein Rennstall von diesen Tantiemen, und Rosberg steht bis 2009 unter Vertrag. "Es ist positiv, wenn man hoch gehandelt wird", befindet Nico Rosberg, "es gibt also Leute, die sehen, was ein Fahrer aus einem Auto herausholt."Schumacher, das SorgenkindMit Vettels Wechsel wird eine Alternative für das Sorgenkind unter den deutschen Rennfahrern, Ralf Schumacher, unwahrscheinlicher. Der 32-Jährige, dessen Vertrag mit dem Toyota-Werksteam zum Saisonende ausläuft, behauptet gebetsmühlenhaft, im kommenden Jahr hundertprozentig in der Formel 1 zu sein. Sollte er sich mit den Kölnern nicht über die Einlösung einer Option - vermutlich zu deutlich gelinderten Bezügen - einigen, dann wäre Toro Rosso eine Ausweichmöglichkeit gewesen.Adrian Sutil ist zwar ein Hinterherfahrer, was aber vorrangig am chancenlosen Spyker-Rennwagen liegt und weniger am Neu-Einsteiger. Der 24-Jährige aus Gräfelfing kann zwar auf eine Vereinbarung auch fürs nächste Jahr pochen, aber bei dem niederländischen Team weiß man nie, wohin die Finanzkrise die Verantwortlichen treibt. Solange Sutils persönlicher Sponsor an Bord bleibt, dürfte er jedoch sein Auskommen haben.Bleibt Timo Glock, der vom zweiten BMW-Testpiloten durch Vettels Abgang nun zum ersten Probefahrer aufsteigt. Der 25-Jährige kann neben dem Talent ebenfalls auf eine finanzielle Mitgift verweisen. Es mangelt nur an freien Stellen, zumal an solchen mit Perspektiven. Williams könnte sein Nahziel heißen. Wie schnell man drin und wieder draußen ist, bekam gerade erst Markus Winkelhock (27) zu spüren: Beim Debüt auf dem Nürburgring führte er im Regen als Spitzenreiter noch das Feld an, jetzt ist er bei Spyker bereits gegen den finanzkräftigen Japaner Sakon Yamamoto ausgetauscht worden. Zum Rennfahren gehört auch das Talent, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Sebastian Vettel macht es vor.------------------------------Der elfte LaufHamilton führt: Der Große Preis von Ungarn am Sonntag (14 Uhr) in Budapest ist der elfte von 17 Läufen. In der WM-Wertung führt Lewis Hamilton (70 Punkte) vor seinem Teamkollegen Fernando Alonso (68).Alonso siegt: Im zweiten Training war Fernando Alonso der Schnellste. Der Spanier verwies am Freitag den überraschend starken Heikki Kovalainen im Renault und Lewis Hamilton auf die Plätze zwei und drei.Vettel fährt: In seinen ersten Runden für Toro Rosso kam der Deutsche Sebastian Vettel im Training am Freitag auf den 16. Platz, im zweiten wurde er 20. Das Qualifying findet am Sonnabend statt.------------------------------Foto : Sie nennen ihn Baby-Schumi: Sebastian Vettel fährt nun erstklassig.

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