BERLIN, 7. Januar. Wenn es um nationale und internationale Meriten im Pferdesport geht, haben ostdeutsche Reiter 15 Jahre nach der Wende wenig zu melden. Kaum ein Talent haben sie zu bieten im A- bis C-Kader der Nationalen Föderation (FN) in den sieben turniersportlichen Disziplinen. Dies sind auch Spätfolgen einer SED-Sportpolitik, die 1972 nach den Olympischen Spielen in München den Reitsport der DDR zum Volkssport ohne Leistungsauftrag degradierte.Ein Athlet ist trotzdem auf dem besten Wege, sich durchzusetzen: Sebastian Warneck. Der 22-Jährige aus Munsdorf (Landkreis Teltow-Fläming) ist der gegenwärtig beste deutsche Zweispännerfahrer und steht auf Platz eins der nationalen Rangliste. Auch international hat er sich schon einen Namen gemacht - dabei hat er seine Karriere erst 1998 begonnen. Im Jahr 2002 wurde Warneck Deutscher Meister, 2003 Dritter, 2004 dann Zweiter. Im Jahr 2003 wurde er zudem mit der Mannschaft Zweiter bei der Weltmeisterschaft. Beim Donau-Alpenpokal, der einer Europameisterschaft gleichkommt, gewann Warneck 2004 Mannschaftsgold und wurde Sechster in der Einzelwertung. Sein Vater führte Warneck einst an das Gespannfahren heran. Später wurde er von den weltbesten Ausbildern und Fahrern Michael und Fred Freund angeleitet und begann 1998 mit dem Wettkampfsport - nach einigen Turnieren, die er als Zuschauer auf der Tribüne verfolgt hatte. Warnecks schnelle Entwicklung schreckte die Konkurrenz auf. "Heute stellt hinter der vorgehaltenen Hand der eine oder andere in der Hierarchie die Frage, ob meine Erfolge mit rechten Dingen zugingen", sagt er. Warneck ist fleißig und talentiert, aber er hat auch seinen Vater Reinhard Töpel, der ihn finanziell unterstützt. Töpel besitzt eine Logistik- und Speditionsfirma mit rund 400 Lastwagen. Er sagt: "Ich tue alles, um meinen Sohn zu fördern. Ich bin sehr stolz auf ihn." Die Realität sieht so aus: In einem ausgebauten Hof in Nunsdorf stehen in modernen Stallungen 19 Gespannpferde für Training und Wettkampf. Stattlich ist die Zahl repräsentativer Dressurwagen und auch die Zahl der Geländewagen aus Deutschland und den Niederlanden, die mit neuester Technik ausgestattet sind. Bis zu 18 000 Euro sind für eine solche Kutsche zu berappen.WM 2005 als NahzielWarneck beschäftigt den Beifahrer Christian Herrmann und die Pferdepflegerin Doreen Albrecht. Neben den Lagerhallen des Betriebes entstand ein neuer Turnierplatz, der als bisherigen Höhepunkt eine WM-Qualifikation erlebte.Ein Umfeld also, das Erfolg verspricht und Warneck gelassen in die Zukunft blicken lässt. Sein Nahziel ist die Teilnahme an der Weltmeisterschaft 2005 in Salzburg. Doch Warneck blickt schon jetzt über dieses Ereignis hinaus. "Zweispännerfahren ist vergleichbar mit der DTM, die Formel 1 aber heißt Vierspännerfahren", sagt er. "Diese Herausforderung werde ich in zwei bis drei Jahren annehmen."------------------------------Foto: Elegante Kurvenlage: der Munsdorfer Zweispännerfahrer Sebastian Warneck (r.) und sein Beifahrer Christian Herrmann.
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